Bestellt, ohne etwas davon zu brauchen

Kaufsucht führt ins Gefängnis

Werkzeug, Ersatzteile und mehr hat ein 49-Jähriger immer wieder bestellt. Bezahlt hat er allerdings nie. Deshalb saß der Garmisch-Partenkirchner jetzt vor dem Richter. Der hat den Wiederholungstäter zu 14 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Garmisch-Partenkirchen - Krankhafte Kaufsucht als Folge einer seelischen Störung. Diese Erkrankung, wegen der er schon seit längerem in ambulanter Behandlung ist, bescheinigte ein psychiatrischer Sachverständiger im Amtsgericht einem 49-Jährigen, der schon lange nicht mehr arbeitet und mittlerweile in einem Garmisch-Partenkirchner Heim für betreutes Wohnen lebt. Weil sein Unrechtsbewusstsein infolge dieser seelischen Störung nur vermindert vorhanden ist, saß er jetzt bereits zum 15. Mal auf der Anklagebank. Wie auch schon bei früheren Verhandlungen war sein Delikt mit einem Wort zu beschreiben: Betrug.

Der Mann hatte nämlich bei Werkzeug- und Kraftfahrzeugfirmen allerlei Geräte vom Roller-Auspuff bis zum Motorradgetriebe bestellt und nicht bezahlt. Denn eigentlich brauchte er es auch nicht, allein die Kaufsucht trieb ihn zur Bestellung. Fast alle diese Dinge wurden deshalb den Firmen irgendwann zurückgegeben – doch der Betrugsvorwurf blieb. Und weil er deswegen schon in den vergangenen Jahren an seinem früheren Wohnort einige Bewährungsstrafen aufgebrummt bekommen hatte, folgte nunmehr das Unvermeidliche: Richter Andreas Pfisterer verurteilte den 49-Jährigen zu Gefängnis – und zwar ohne Bewährung.

Staatsanwältin Josefine Müh zufolge hat der kaufsüchtige Ex-Handwerker seine jüngsten Bestellungen fast ausschließlich im Jahr 2015 geordert und dies in erster Linie bei einer großen Ersatzteil- und Werkzeugfirma. Insgesamt seien es 21 Fälle gewesen, sagte die Anklägerin, in denen ihm Werkzeug und Motorteile geliefert wurden. Bezahlt habe er diese allerdings nie. Ein klarer Fall von Mehrfach-Betrug also. „Ich hab’ doch alles wieder zurückgeschickt“, wandte der Mann ein. Doch bei einigen Bestellungen, konterte die Staatsanwältin, sei doch ein, wenn auch unerheblicher, Vermögensschaden entstanden. Bezeichnend für das fehlende Unrechtsbewusstsein des Angeklagten war seine schlichte Antwort auf die Frage des Richters, warum er denn immer wieder Dinge bestellt habe, die er gar nicht braucht: „Weil ich halt Lust hatte...“

Einen Teil jener Delikte, die auf der Anklageliste gestanden waren, jedoch keinen großen Schaden nach sich zogen, ließ Richter Pfisterer schließlich fallen. Zumal der 49-Jährige ohnehin sämtliche Fälle uneingeschränkt einräumte. Außerdem wies Verteidiger Michael Röhrig darauf hin, dass sein Mandant der Lieferfirma sogar schon mal mitgeteilt habe, sie solle ihm trotz seiner Bestellungen einfach nichts mehr senden. Was freilich bei einem großen Unternehmen kaum verlässlich zu bewerkstelligen ist.

15 Vorahndungen seien übrigens bislang schon auf seinem Strafregister vermerkt, sagte die Staatsanwältin sodann und beantragte auch angesichts der hohen Rückfallgeschwindigkeit des Mannes zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung. Verteidiger Röhrig hingegen bat um eine nur kurze Freiheitsstrafe. Wegen der trotz der Einstellung mehrerer Fälle noch übrig gebliebenen zwei vollendeten Betrügereien und der von drei vorangegangenen Bewährungsstrafen verhängte Richter Pfisterer schließlich 14 Monate Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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