Ein Soldat der Bundeswehr hilft bei der Kontaktermittlung mit
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Bundeswehrsoldaten aus Murnau unterstützen das Gesundheitsamt Weilheim-Schongau bei der Kontaktverfolgung.

Situation leicht entspannt, vom Optimum noch weit entfernt

Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen: Nach Hilfeschrei Kontaktermittler verdoppelt - Dennoch drei Tage im Verzug

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Der Hilferuf liegt drei Wochen zurück: „Personalmangel im Gesundheitsamt“. Die Politik versprach Besserung. Das Fazit heute: Die Situation in Garmisch-Partenkirchen hat sich leicht entspannt, vom Optimum sind die Kontaktermittler in der Behörde aber noch ein gutes Stück entfernt.

„Das liegt natürlich immer ein wenig an den aktuellen Fallzahlen“, merkt Stephan Scharf, Pressesprecher im Landratsamt, an. „Hast du sechs oder sieben neue Infizierte an einem Tag, geht das alles. Sind es mehr als 30 wie am Mittwoch, dann reicht das Personal nicht mehr aus.“

Immerhin: Gegenüber Ende Oktober hat sich die Zahl der Kontaktermittler verdoppelt. Aus 12,5 Kräften damals sind aktuell 25 Stellen geworden. 14 Mitarbeiter stellt dabei das Landratsamt aus eigenen Reihen. Elf sind Externe, die nun im Gesundheitsamt –ausgelagert im Alten Finanzamt – aushelfen. „Das sind unter anderem Polizisten oder Kräfte aus dem Finanzamt“, verdeutlicht Scharf.

Rund 400 Menschen müssen täglich kontaktiert werden

Warum eine hohe Zahl an Ermittlern wichtig ist, zeigt sich an einem Wert: den Kontaktpersonen. „Rund 400 sind das immer“, sagt Scharf. 400 Menschen, mit denen täglich Kontakt aufgenommen werden muss – telefonisch, oder zumindest in Form einer Mail mit einem Fragebogen, den der Betroffene täglich auszufüllen hat, damit die Vertreter des Gesundheitsamtes nicht ausrücken müssen, um den in Quarantäne Befindlichen aufzustöbern. Ein immenser Aufwand.

Im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau hat sich das Gesundheitsamt Hilfe geholt – kurioserweise aus Murnau: zehn Soldaten des Informationstechnikbataillons der Bundeswehr unter Leitung von Oberleutnant Tyler Rapp. Dass die Murnauer im Amt in Weilheim und nicht in Garmisch-Partenkirchen zum Einsatz kommen, erscheint auf den ersten Blick unlogisch. Scharf aber hat eine Erklärung: „Wir haben uns auch Gedanken gemacht, ob wir auf die Bundeswehr zurückgreifen“, räumt er ein. „Aber bei uns wird das als problematisch gesehen.“ Der Hintergrund ist die Schulung der Kräfte. „Weilheim ist ein größeres Gesundheitsamt, es kann sein, dass sie dort Experten abstellen können, die die Aushilfen einlernen.“ Im Landkreis sei das aber nicht möglich. „Wir brauchen derzeit jeden Mann direkt im Einsatz und können niemanden für die Schulung abstellen, die bis zu zwei Wochen dauert.“

Wir haben eine zeitliche Verzögerung von etwa drei Tagen

Stephan Scharf

Die Aufstockung auf 25 Mitarbeiter hat das Amt schon einmal nach vorne gebracht. Dennoch klafft noch eine Lücke. „Die Kontaktermittlung ist möglich“, sagt Scharf, „aber wir haben eine zeitliche Verzögerung von etwa drei Tagen.“ Das heißt im Klartext: Es dauert im Schnitt bis zu 72 Stunden, ehe die Kontaktpersonen ersten Grades (KP1) informiert werden. Daraus ergibt sich ein erhöhtes Risiko, da aus einem KP1 ja im schlechtesten Fall ein Infizierter werden könnte. „Im Lockdown hat sich die Situation in dieser Hinsicht etwas entspannt, da Kontakte wegfallen“, merkt Scharf an. Zufriedenstellend sei dieses Manko aber keineswegs.

Daher sind noch fünf Stellen ausgeschrieben, für die das Bewerbungsverfahren läuft. Eine Anfrage nach fünf bis zehn Kräften läuft bei der Regierung von Oberbayern. Diese könnten vom Technischen Hilfswerk kommen.

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