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Wird der Kurpark Partenkirchen nach Hermann Levi umbenannt? Die Idee gefällt nicht jedem.

Das letzte Wort hat der Gemeinderat

Kleiner Fußweg statt Kurpark? Gezerre um Gedenken an Ehrenbürger Levi geht weiter

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Der Umgang mit Garmisch-Partenkirchens Ehrenbürger Hermann Levi beschäftigt die Marktgemeinde. Was mit seinem Grab passiert, dieses Thema ist seit kurzem vom Tisch. Jetzt versuchen konservative Kreise  zu verhindern, dass der Kurpark Partenkirchen nach dem jüdischen Dirigenten benannt wird.

Garmisch-Partenkirchen – Die Sonne brennt vom weiß blauen Himmel, die Aussicht – wunderschön. Menschen, die das Grab von Hermann Levi besuchen und auf der Karwendelstraße weiterlaufen, blicken auf das majestätische Wettersteingebirge und die Große Olympiaschanze. Idylle pur. Wer dort lebt, dem geht es gut, der wohnt an einem der herrlichsten Orte, die Garmisch-Partenkirchen zu bieten hat. Ruhig ist es, keine Touristen, nur Anlieger, die mit ihren Autos unterwegs sind. Rund 150 Meter von der Stelle, an der der Garmisch-Partenkirchner Ehrenbürger Hermann Levi noch begraben liegt, stößt man auf einen schmalen, unbefestigten und unbenannten Weg. Rechts von ihm steht ein Verschlag, in dem Split lagert, dahinter einer mit Schalungsmaterial und ein Behälter für Hundekot.

Sieht so ein ehrendes Gedenken an Hermann Levi aus? Der Weg, der von der Karwendelstraße abzweigt, wurde als „Erinnerungsort“ ausgesucht.

Diesen wenig repräsentativen Pfad haben sich Mitglieder der CSU, des CSB und der Bayernpartei, die dem Hauptausschuss des Gemeinderats angehören, ausgesucht, um an Herrmann Levi, den großen jüdischen Dirigenten und Garmisch-Partenkirchner Ehrenbürger zu erinnern – als Alternative für den Kurpark Partenkirchen. Der kommt nach Meinung von Walter Echter (CSB), Mike Bräu (CSU) und Hubert Filser (Bayernpartei) nicht in Frage. „Wir sollten die Finger weglassen von unserem Kurpark“, sagt Bräu. „Wir sollten den Kurpark für zeitgenössische Ehrenbürger aufheben“, meint Filser. Es gibt auch Politiker, die anderer Ansicht sind. Mechthild Morhart (SPD), Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) und Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU). „Ich könnte mit dem Kurpark leben“, sagt Bauer. Ähnlich äußerte sich Thiel. Am deutlichsten formulierte es Morhart: „An dem Weg kommt doch kaum jemand vorbei. Er ist nicht genug.“ Sie sei dafür, den Kurpark Partenkirchen umzubenennen. Bauer, Morhart, Heinle (SPD) und Thiel konnten die anderen Mitglieder, neben Bräu, Filser und Echter noch Claus Gefrörer und Max Wank (beide CSU) sowie Ursel Kössel (CSB) nicht überzeugen. Am Ende hieß es 4:6. Spekulationen zufolge soll es in Partenkirchen Strömungen geben, die unter allen Umständen verhindern wollen, dass der Kurpark Levis Namen trägt. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit hat freilich der Gemeinderat.

„Blamage für Heimatort“

Konsens unter den Kommunalpolitikern war hingegen, dass eine Bronzetafel aufgestellt werden soll, die an Levi erinnert – Standort fraglich. Beide Anträge, den zum Kurpark und den für die Gedenktafel, hatte FDP-Mann Martin Schröter eingebracht.

Der Verzicht auf den Kurpark wird im Blätterwald für ebenso großes Rauschen sorgen, wie die Umbettung von Levis sterblichen Überresten aus der Gruft am Riedberg auf den Israelitischen Friedhof in München, die Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, veranlasst hat. Die Süddeutsche Zeitung (SZ), angestoßen durch die Berichterstattung im Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt, nennt die Stelle, wo Levi begraben liegt, „das Unehrengrab von Partenkirchen“. Weil die Lokalpolitik sein Andenken missachtet, solle er umgebettet werden. Der Autor zitiert Alois Schwarzmüller, den ehemaligen SPD-Gemeinderat, mit den Worten: Er sei „sehr dafür gewesen, dass man das Grab in Partenkirchen erhält“. Schwarzmüller sieht laut SZ im damals wie heute ignoranten Umgang mit Levi eine Blamage für seinen geschichtsvergessenen Heimatort. Der Kommentator der Abendzeitung München formuliert das, was mit Levi in Garmisch-Partenkirchen passiert, noch drastischer. „Die Sache schmeckt nach Entsorgung.“ Da helfe es nichts, wenn nach Levi irgendwann noch ein Kurpark benannt wird – als Feigenblatt.

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