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Haben sichtlich Spaß bei den Proben im Juz: (v. l.) Choreograf Josef Eder mit Felicitas Einzmann, Lucas Halmburger und Anna Lexa.

Ein Stück mit Brisanz

Der Glöckner von Notre-Dame: Ein Klassiker in Straßengang-Optik

Ihre Sommerferien sinnvoll gestalten. Das haben 26 Jugendliche im Rahmen der Jugendkulturtage in Garmisch-Partenkirchen getan. Am Donnerstag, 14. September, findet nun die große Premiere des Stücks „Der Glöckner von Notre-Dame“ statt.

Garmisch-Partenkirchen – Man hört Musik und Gepolter aus dem Probenraum. Die Tür öffnet sich. Ein Schwarm aus Kindern und Jugendlichen strömt in Richtung Tresen. Trinkpause. Das Warm-up ist gerade zu Ende. Im Saal werden Stühle hin- und her gerückt. Kurze Absprachen. „Ist das deine Jacke?“, „Kann ich den Text hier haben?“ – dann sind alle bereit für die erste Szene.

Es ist der Klassiker. Wenn sich zwei Frauen um einen Mann streiten, geht das in den meisten Fällen weniger gut aus. Nicht anders in dem Stück „Der Glöckner von Notre-Dame“, das dieses Jahr im Rahmen der Jugendkulturtage in Garmisch-Partenkirchen aufgeführt wird. Harald Helfrich, künstlerischer Leiter und Regisseur des Theaterprojektes, hat das Stück vor allem wegen seiner Aktualität gewählt. „Asyl, die Rolle der Kirche, Protest. Das sind alles zeitlose Themen, die man gut ins Hier und Jetzt transferieren kann.“ Die „Straßengang-Optik“, das Rebellieren gegen die Obrigkeit. Dinge, die für das junge Publikum ansprechend sind. Doch das Schauspiel hat auch gefühlvolle Momente zu bieten: „Wenn Quasimodo (gespielt von Christian Kindler) Esmeralda zum ersten Mal mit auf den Glockenturm nimmt. Da begegnen sie sich auf einer sehr menschlichen Ebene“, sagt Helfrich über seine Lieblingsszene. Er war bei den allerersten Jugendkulturtagen bereits selbst als Teilnehmer mit dabei. Und auch dieses Jahr sind zahlreiche Teilnehmer vor und hinter der Bühne mit dabei. Insgesamt sind es 26 Jugendliche, im Alter zwischen 13 und 20 Jahren.

Die erste Szene läuft. „Jetzt ist es vorbei. Genau jetzt weißt du, dass er Esmeralda will“, ruft eine Stimme quer durch den Raum. Sie gehört zu Josef Eder, dem Choreografen des Theaterprojektes. Barfuß steht er in dem Saal. Er hat ein wachsames Auge auf jedes Detail. Musik, Vorder- und Hintergrundhandlung – alles läuft parallel ab. Eine Mischung aus gekränktem Stolz, Wut und Gebrechlichkeit. Das ist es, was Eder von Fleur de Lys (gespielt von Anna Lexa) sehen will. Sie erlebt gerade hautnah, wie sich ihr geliebter Phöbus (Lucas Halmburger) langsam von dem schönen Straßenmädchen Esmeralda (Felicitas Einzmann) um den Finger wickeln lässt. Eine Ukulele begleitet das Geschehen. Gespielt wird sie von Thomas Unruh, dem Leiter des Workshops Musik. Dazu Gesang von Hannes Wipfelder und Adrian Sommer.

„Wir brauchen die Hauptdarstellerin fei noch“, meldet sich Helfrich zu Wort und lacht, als eine Hebefigur wie aus Dirty Dancing schief geht. Schauspielerei heißt eben nicht nur, Texte auswendig zu lernen. Hinter der Choreografie steckt auch harte körperliche Arbeit. „Bauchmuskeln trainieren“ lautet daher die Hausaufgabe für die Protagonisten. Es folgt eine kurze Pause. Dann zückt Helfrich das Szenenbuch. Es geht weiter.

Während im Erdgeschoss nun 13 Jugendliche in den Saal stürmen und eine Protestszene proben, ertönen aus dem Kellerraum mystische Klänge. Dort findet das Gesangs-Coaching mit Workshopleiterin Ozzy Thompson statt. Im Obergeschoss hört man unterdessen Schreie. Hier läuft gerade die Kerkerszene der Esmeralda. Felicitas Einzmann sorgt für Gänsehaut. Sie kauert auf ihren Knien. Krallt die Fingernägel in den Boden. Schreit. „Das ist genau die richtige Qualität“, bestätigt Max Pfnür, Workshop-Leiter im Bereich Schauspiel. Obwohl in den Pausen viel gelacht wird, schaffen es die jungen Schauspieler beeindruckend schnell, sich wieder in ihre Figuren einzufühlen. „Alle sind mit Herzblut dabei“, betont Helfrich. „Oft muss man sie stoppen und zwingen, eine Pause zu machen.“

Das Ergebnis der intensiven Proben ist bei der Premiere am Donnerstag, 14. September, in der Aula des Werdenfels-Gymnasiums zu sehen. Los geht’s um 19.30 Uhr  

Weitere Aufführungen:

gibt es am Samstag, 16. September, 19.30 Uhr, und am Sonntag, 17. September, um 11 Uhr.

Anna Schärfel

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