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„Die Piste ist kein Wohnzimmer“

Grainauerin verklagt Zugspitzbahn 

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Ein Stein, der dort nicht liegen sollte, wo er lag, hat auf der Zugspitze zu einem Skiunfall geführt. Eine Grainauerin brach sich den Schienbeinkopf und hat deshalb die Zugspitzbahn auf Schmerzensgeld verklagt. Der Richter macht der Rentnerin allerdings wenig Hoffnungen.

Garmisch-Partenkirchen – Skifahren ist ein gefährlicher Sport. Das weiß auch die 73-Jährige aus Grainau. Deshalb fuhr die Rentnerin stets vorausschauend und vorsichtig. Trotzdem passierte ihr vor zwei Jahren auf der Zugspitze ein folgendschwerer Unfall. Sie brach sich den Schienbeinkopf, weil sie mit dem linken Ski an einem Stein hängen blieb, der auf der Piste lag. Seitdem kann sie nicht mehr Skifahren. Jetzt hat sie die Zugspitzbahn auf 9000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Am Landgericht München II wurde verhandelt.

Die Klägerin war am besagten Märztag 2015 auf der Abfahrt vom Wetterwandecklift in Richtung Sonnenkar unterwegs. Über Nacht hatte es geschneit. Das Skigebiet präsentierte sich butterweich, eigentlich Traumverhältnisse für solch routinierte und gute Skifahrer, wie die Grainauerin es war. Doch der Neuschnee wurde ihr vermutlich zum Verhängnis. Erst im letzten Moment sah sie auf dem Ziehweg ähnlichen Pistenabschnitt einen Gesteinsbrocken. Sie versuchte auszuweichen, schaffte es nicht ganz. Mit dem linken Ski blieb sie am Stein hängen. Die Bindung öffnete, die 73-Jährige fuhr nur noch auf einem Ski weiter. Sie überschlug sich und hörte es im Knie knacken. Es war der Moment, als der Schienbeinkopf brach.

Sohn fotografierte den Stein und räumte ihn weg

Der Pistenabschnitt war der Grainauerin als problematisch bekannt und zwar in dem Sinn, als dass dort öfters mal kleine Steine herumlagen, die zu abrupten Stopps führen, aber auch schnell den Belag ruinieren können. Deshalb befand sich dort auch immer wieder der Warnhinweis „Steine“. Am Unfalltag sah die Seniorin kein Schild. Deshalb fuhr sie unbesorgt weiter. Schuld am Unfall gibt sie der Zugspitzbahn. Der Felsbrocken von etwa 30 mal 30 Zentimetern Größe hätte weggeschafft werden müssen. Das erledigte dann ihr Sohn Martin (38), der den Stein erst fotografierte und dann fortwarf. Die Streckerer fanden ihn nach dem Unfall nicht mehr wieder. 40 Minuten vor dem Sturz hatten sie die Piste allerdings noch kontrolliert und auch keine Hindernisse entdeckt.

Vorsitzender Richter Jürgen Krusche hörte sich die Vorträge der Zeugen ausführlich an. Zu einer gütlichen Einigung konnte er beide Seiten nicht bewegen. Er selbst – nach eigenen Angaben kein Skifahrer – resümierte dann, dass es im Leben Unglücke gebe, an denen niemand Schuld habe. Skifahren im Gebirge sei nun mal mit Gefahren verbunden, andererseits müsse jeder Skifahrer in der Lage sein, kleine Hindernisse zu überwinden. „Die Piste ist kein Wohnzimmer“, sagte Krusche und gab den rechtlichen Hinweis, dass er nach derzeitigem Stand die Klage abweisen würde.

Beide Seiten drängten dennoch auf ein Urteil. Daraufhin wurde ein Verkündungstermin auf den 28. April terminiert. Bis dahin können sich die Zugspitzbahn und die Klägerin auch noch außergerichtlich einigen. Die Klägerin hatte sich an der Seite ihres Anwalts Franz Großhauser allerdings gegen „Spenden“ wie eine Kulanzzahlung über 2500 Euro oder einen Saisonpass der Zugspitzbahn „für den Sommer“– was der Richter vorschlug – ausgesprochen.

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