Die schöne Natur im Oberen Isartal und Garmisch-Partenkirchen konnten die Polizisten schon beim G7-Gipfel kennenlernen. Dieser verlief friedlich.

Erholung nach dem G20-Gipfel

Gratis-Urlaub für 700 Polizisten

Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger lädt G20-geschädigte Beamte zur Erholung ein. Dies war jedoch mit einigen behördlichen Umwegen verbunden. 150 Unterkünfte von insgesamt 80 Gastgebern aus dem Isartal, aber auch aus Garmisch-Partenkirchen stehen nun bereit.

Landkreis – Das ganze Haus war voll von Polizisten. Alle waren da, um den Besuch von US-Präsident Barack Obama in Krün im Rahmen des G7-Gipfels sicher zu gestalten. Sonja Kriner bot damals mit ihren Ferienwohnungen „Ferienglück“ einigen bayerischen Beamten ein Dach über dem Kopf. „Wir hatten Angst, dass etwas passieren könnte.“ Doch alles verlief 2015 friedlich – dank des besonnenen Einsatzes der Polizei.

Deswegen macht Kriner mit. „Ich will ihnen etwas zurückgeben.“ Sie ist einer der Gastgeber, die den verletzten Polizisten, die bei den Straßenschlachten beim G20-Gipfel in Hamburg Anfang Juli im Einsatz waren, einige unbeschwerte Urlaubstage im Landkreis beschert. Zwei Personen genießen drei Nächte gratis das „Ferienglück“. Vier tage Natur und Erholung in der Region. Es ist eine tief empfundene Dankbarkeit, die die Kriners so gegenüber den bayrischen Beamten aussprechen.

Eine gute Tat für die G20-Polizisten - Gastgeber sind nicht verpflichtet

Der Initiator dieser Geste der Großzügigkeit ist Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Er hat die Sache im Anschluss an die Unruhen in Hamburg ins Rollen gebracht. Sein Wunsch war es, dass sich alle Gastgeber der Alpenwelt Karwendel den Aufwand teilen. „Das ist ein positiver Gemeinschaftseffekt über die Ortsgrenze hinweg.“ Mit den Bürgermeister-Kollegen aus dem Isartal, Hansjörg Zahler (Wallgau) und Adolf Hornsteiner (Mittenwald), hat Schwarzenberger abgemacht, dass die Alpenwelt Karwendel GmbH, die ihrerseits über die jeweiligen Gemeinden finanziert wird, die fehlenden Unterkünfte spendieren würde – falls sich nicht genügend Gastgeber auf den Aufruf meldeten.

Die gute Tat drängte der Rathaus-Chef aber niemandem auf. „Wir wollen keinen Gastgeber ausnutzen.“ Deswegen gibt es zur kostenfreien Unterkunft ein „Willkommens-Paket“, gesponsert von der Alpenwelt. Darin enthalten sind Gutscheine für Hütten-Brotzeiten, Wanderkarten und einiges mehr.

Bayerns Innenminister macht den kostenlosen Urlaub möglich - allerdings nur für Beamte aus dem Freistaat

Seit die Idee Mitte Juli im Rathaus in Krün geboren wurde, ging einige Zeit ins Land. Bürokratische Hürden mussten aus dem Weg geräumt werden. Laut Beamtengesetz dürfen Staatsbedienstete nämlich Geschenke solcher Art nicht annehmen. Bestechungsgefahr. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat vergangenen Mittwoch einen Weg gefunden, um den kostenlosen Erholungsurlaub möglich zu machen. Prompt rief er persönlich bei Schwarzenberger an, um die gute Nachricht zu überbringen: Die Zimmerkontingente werden nun offiziell der Bayerischen Polizeistiftung gemeldet, die dann darüber frei verfügen kann. Einen Wermutstropfen hat die Lösung: Sie greift nur für Beamte aus dem Freistaat. „Wir hätten gerne auch Polizisten aus anderen Bundesländern eingeladen.“ Die föderale Struktur war in diesem Punkt jedoch unbezwingbar.

150 Unterkünfte von insgesamt 80 Gastgebern aus dem Isartal, aber auch aus Garmisch-Partenkirchen stehen bereit: Aufenthalte in Ferienwohnungen, Hotels oder Privathäusern. Wer von den rund 700 Beamten wo unterkommt, entscheidet das Los. „Das ist ja auch nebensächlich,“ meint der Bürgermeister. Dass die Aktion tatsächlich geklappt hat, macht ihn glücklich. „Alle Angebote sind für zwei Personen, so gelingt die Erholung sicherlich.“ 

Martina Baumeister

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