Idylle pur: Das kleine Wamberger Gotteshaus auf gut 1000 Höhenmetern ist ein barockes Schmuckstück.
+
Idylle pur: Das kleine Wamberger Gotteshaus auf gut 1000 Höhenmetern ist ein barockes Schmuckstück.

300. Weihejubiläum am Sonntag

Kirche in Wamberg: Ein großartiges Miteinander für St. Anna

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
    schließen

Zehn Jahre hat die Renovierung der Wamberger Kirche die Pfarrei Partenkirchen und viele Einheimische beschäftigt. Jetzt erstrahlt St. Anna in frischem Glanz. Ein Anlass, der zusammen mit dem 300. Weihejubiläum an diesem Sonntag gefeiert wird.

Wamberg – „Ein Gesamtkunstwerk“ nennt Dekan Andreas Lackermeier das Wamberger Gotteshaus. Die besondere Lage auf 1016 Metern Höhe in der unbeschreiblichen Landschaft tragen zu dieser Einschätzung bei. Genau wie die Kirche an sich – eine Barockkirche im böhmischen Stil mit einem ganz besonderen Hochaltar. „Einmalig“ findet Kirchenpfleger Josef Angelbauer die Arbeit von Andreas Onich. Der Bildhauer, der aus Wamberg stammt, war eigens aus Prag angereist, um seinem Heimatort ein wahres Schmuckstück zu bescheren. „Soweit uns bekannt ist, hat er’s umsonst gemacht“, sagt Angelbauer.

Im Zentrum des Hochaltars steht die Darstellung der „Annaselbdritt“, also der Heiligen Mutter Anna mit dem Marien- und Jesuskind auf dem Arm. Dieses künstlerisch wertvolle Werk erstrahlt nun in frischem Glanz. Genau wie der komplette Innenraum. Der Außenbereich ist seit 2015 renoviert, was mit 370 000 Euro zu Buche geschlagen hat. Die neuen Glocken, für die 90 000 Euro überwiegend aus Spenden geflossen sind, hängen seit 2020 im Turm. An diesem Sonntag werden der Abschluss dieser Arbeiten und vor allem das 300. Weihejubiläum von St. Anna gebührend gefeiert.

Dokumentiert den Fortschritt: Kirchenpfleger Josef Angelbauer fotografiert den restaurierten Hochaltar.

Für Lackermeier und Angelbauer ein Anlass zu großer Freude. Zehn Jahre haben sie die Arbeiten begleitet. Gekämpft, dass es weitergeht. „Es war ein ewiges Hin und Her, ein zähes Ringen“, sagt der Kirchenpfleger. Insbesondere die Ankündigung der Erzdiözese München und Freising im Dezember 2017, die längst zugesagte Sanierung des Innenbereichs nun doch nicht zu fördern, „hat uns erst einmal in eine Schockstarre versetzt“, erinnert sich der Partenkirchner Pfarrer. „Das kam aus heiterem Himmel.“ Neue Richtlinien, die den Unterhalt und die Renovierung von Bauwerken im Zuständigkeitsbereich der Erzdiözese regeln, waren schuld daran. „Neben der baufachlichen fließt nun auch die seelsorgerische Bewertung ein“, erklärte Sprecherin Bettina Göbner damals.

Dabei verloren die Wamberger. „Zu geringe pastorale Nutzung“ lautete das vernichtende Urteil. Womit die Vertreter der Erzdiözese damals wohl nicht gerechnet hatten, war der massive Protest von hiesiger Seite. Und auch nicht mit dem gewaltigen Engagement der Einheimischen. Etliche packten selber an, um bei der Restaurierung des Innenraums, die letztlich 300 000 Euro kostete, zu helfen. Andere, darunter auch der Markt und der Landkreis sorgten durch Geldspenden dafür, dass die Arbeiten anlaufen konnten. Das brachte das Ordinariat zum Umdenken. Und dazu, plötzlich doch einen Topf aufzumachen, um die Sanierung zu unterstützen.

Machen sich für St. Anna stark: (v. l.) Andreas Mühlbacher, Toni Schretter senior, Josef Bartl, Hansjörg Mühlbacher, Michael Maurer, Toni Schretter junior, Peter Steinel, Toni Kemser, Martin Maurer und Peter Maurer (nicht auf dem Bild).

„Da war plötzlich so ein Wums dahinter, dass auch die neuen Kirchenglocken kein Thema mehr waren“, erinnert sich Lackermeier. Der Seelsorger spricht „von einer gigantischen Leistung, einem großartigen Miteinander“. Und er zeigt sich beeindruckt vom enormen Engagement der Wamberger an sich, „die mit sehr großem Stolz auf ihre Kirche schauen“. Auf dem Weg zur frisch renovierten Kirche fanden Begegnungen statt, die auch den Pfarrer tief berührt haben. Wie das Gespräch mit einer älteren, finanziell nicht sehr gut aufgestellten Einheimischen, der es ein Herzensanliegen war, trotzdem 50 Euro für St. Anna zu geben. Es waren viele kleine Schritte, die letztlich zum Erfolg geführt haben. Und dazu, dass an diesem Sonntag gefeiert wird.

Zu Lackermeiers Freude gestaltet Weihbischof Wolfgang Bischof den Festgottesdienst. Vor 300 Jahren begleitete Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck den feierlichen Akt. Er erteilte dem schmucken Gotteshaus im höchst gelegenen Kirchdorf des Landes seinen Segen. „Das ist unser Wahrzeichen“, sagt Gastwirt Michael Simon. „Ein Teil der Wamberger Identität.“ Deshalb findet sich St. Anna, eingerahmt von zwei Bäumen, auch im Wappen der kleinen Gemeinde, die bis zur Gebietsreform 1978 selbstständig war. Auch ein Grund, warum etliche der 30 Bewohner Hand angelegt haben, als es darum ging, ihre Kirche zu renovieren.

Das 300. Weihejubiläum

wird an diesem Sonntag um 10 Uhr mit einem Gottesdienst in St. Anna gefeiert. Anschließend treffen sich alle im Gasthof Wamberg. Dort gibt es noch wenige Plätze. Reservierungen sind unter Telefon 0 88 21/22 93 erbeten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare