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Nicht nur mit Schönheit, auch mit den Aspekten Gesundheit und Sicherheit punktet der Landkreis.

Platz fünf: Lebenswert mit kleinen Schwächen

Große Deutschland-Studie: Landkreis Garmisch-Partenkirchen top - mit kleinen Flops  

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Jetzt hat jeder - auch der letzte Zweifler - den wissenschaftlichen Beweis: Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist überaus lebenswert. Unter 401 deutschen Städten und Landkreisen landet er in einer Studie auf Platz fünf. Es gibt jedoch Abers. 

Landkreis – Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen steht auf der Hitliste der 401 deutschen Städte und Landkreise ganz weit oben: auf Platz fünf mit 201 Punkten. Die Region zwischen Mittenwald und Spatzenhausen zählt damit zu den lebens- und liebenswertesten Gegenden der Bundesrepublik. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Prognos-Institut im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens für die Sendung „ZDFZeit“ erstellte. „Dieses wissenschaftlich fundierte Ergebnis bestätigt das subjektive Empfinden der meisten, die hier leben und Urlaub machen“, sagt Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Bei der Studie schneiden Oberbayern, insbesondere das Oberland, besonders gut ab: Die Stadt München (207) nimmt die Top-Position ein, es folgt der Landkreis Starnberg (3.) vor Miesbach (7.) und Bad Tölz-Wolfratshausen (9.). Die Städte Heidelberg und Potsdam belegten die Ränge zwei und vier.

„Gesundheit & Sicherheit“: Bundesweit Rang 2

Besonders stark punkten konnte der Landkreis in der Kategorie „Gesundheit & Sicherheit“. Dort ist die Region bundesweit insgesamt auf Rang zwei notiert. „Diese Tatsache freut mich ganz besonders“, erklärt Meierhofer. Bei der Feinstaub-Belastung beispielsweise weist nur ein Landkreis einen besseren Wert auf. „Ich gehe davon aus, dass zuverlässige Ergebnisse in der Studie verwendet wurden. Der hohe Grünflächenanteil wirkt sich sicher positiv auf die Luftqualität aus“, meint Meierhofer. Auch beim Anteil der Übergewichtigen an der Bevölkerung erzielt der Landkreis, der auch als „Gesundheitsregion plus“ ausgewählt wurde, mit Rang 14 ein herausragendes Ergebnis. Bei der Kategorie „Verletzte und Getötete im Straßenverkehr“ belegt man hingegen nur Rang 361. Untersucht wurde dabei die Anzahl an verletzten und getöteten Menschen im Straßenverkehr zwischen 2014 und 2016.

„Erreichbarkeit von Krankenhäusern“: Lediglich Rang 361

Was verwundert: Die Prognos-Forscher stufen den Landkreis unter dem Punkt „Erreichbarkeit von Krankenhäusern“ lediglich auf Platz 361 ein. Und das, obwohl das Klinikum und die Unfallklinik Murnau von den meisten Gemeinden wohl nur rund 20 Minuten entfernt sind. „Grundsätzlich muss man dazu sagen, dass im ländlichen Raum die Fahrt in ein Krankenhaus länger dauert als in der Stadt“, erklärt Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Zudem sei die schnelle Erreichbarkeit die eine Sache, die Qualität der Versorgung aber die andere. Mit dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen besitze man eine Klinik der medizinischen Vollversorgung rund um die Uhr. „Da es in den Krankenhäusern in Bad Tölz und Weilheim keine Geburtshilfe mehr gibt, fängt unser Haus einen guten Teil der Schwangeren aus unseren Nachbarlandkreisen auf.“

Frauenanteil in der Politik: Mangelhaft

Bemängelt wird von den Wissenschaftlern der Frauenanteil im Kreistag – derzeit sind es neun – und den Kommunalparlamenten, was durch Platz 370 unterstrichen wird. „Es könnten sicherlich mehr sein“, sagt Speer. Ein Punkt, der auch Meierhofer beschäftigt, die eine von drei Rathaus-Chefinnen ist: „Bedauerlicherweise stellen sich immer noch zu wenig Frauen für die politischen Gremien zur Wahl. Und leider erhalten diejenigen, die sich politisch engagieren, proportional weniger Stimmen als die männlichen Kandidaten – auch von Wählerinnen. Die Tatsache, dass ich als erste Frau in der Geschichte unseres Ortes zur Bürgermeisterin gewählt wurde, könnte jedoch vielleicht ein Signal dafür sein, dass sich langsam ein Gesinnungswandel vollzieht.“

„Arbeit & Wohnen“: Mieten sind zu hoch

Aber es gibt auch deutliche Schwachstellen: Das Prognos-Institut ermittelte unter dem Stichwort „Arbeit & Wohnen“ zum Beispiel das Verhältnis zwischen Mietpreis und Einkommen. Und da liegt der Landkreis nur auf Rang 344 – die Mieten sind im Vergleich zum Einkommen der Menschen, die hier leben, zu hoch. Auch bei den Pendlern landet der Kreis im hinteren Feld (Rang 286). Arbeitnehmer hierzulande müssen weite Weg in Kauf nehmen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Das dürfte vor allem an denen liegen, die gezwungen sind, nach München zu fahren, um einem Beruf nachzugehen, der ihrer Qualifikation entspricht. Im vorderen Mittelfeld der Rangliste platziert ist der Landkreis hingegen bei der Arbeitslosenquote (Rang 139) und bei der Kaufkraft (101). Die Rubrik „Arbeit & Wohnen“ ist für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen mit Platz 180 die schlechtste.

„Freizeit & und Natur“: Platz 24 - Berge statt Parks

Wenig überraschende Ergebnisse liefert die Studie in der dritten Kategorie „Freizeit & und Natur“: Dort landet der ländlich geprägte Kreis mit seinen rund 88 000 Einwohnern auf Rang 24. Bei der Ermittlung der „Erholungsfläche je Einwohner“ reichte es nur zu einem Mittelfeldplatz (228); noch schlechter sieht es im Verhältnis zwischen Erholungsfläche und Gesamtfläche des Landkreises mit Rang 391 aus. Allerdings verfügt der Landkreis über reichlich naturnahe Fläche wie Berge, Wiesen und Moore (Rang 1). „Der Landkreis braucht keine großen Parks, denn wir haben unsere Natur und Kulturlandschaft zur Erholung“, meint Speer.

Ganztagsbetreuung von Klein- und Kindergartenkindern: Nur Platz 349

Ganz weit hinten rangiert man hingegen bei der Ganztagsbetreuungsquote von Klein- (377) und Kindergartenkindern (349). Meierhofer versucht, diese Defizit aufzuarbeiten: „Der Markt Garmisch-Partenkirchen schafft kontinuierlich neue Kinderkrippen- und Kindergartenplätze und versucht so, die Betreuungssituation zu verbessern. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Kinderkrippen und Kindergärten wie alle anderen Bildungseinrichtungen in der Bundesrepublik vom Staat finanziert und damit kostenlos zugänglich sein müssen.“

„Politisches Interesse“: Durchaus zufriedenstellend

Positiver schneidet die Region beim Thema „Politisches Interesse“ ab: Bei der Beteiligung an der Kommunalwahl 2014 und der Bundestagswahl 2017 landete Garmisch-Partenkirchen auf den Rängen 59 und 62. Für viele überraschend erreicht der Kreis, der viele hochkarätige Veranstaltungen wie das Richard-Strauss-Festival anbietet, bei den Besucherzahlen von Kulturveranstaltungen nur einen Platz im vorderen Mittelfeld (139).

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