Muss für das EM-Base-Camp ertüchtigt werden: der Rasen im Stadion am Gröben.
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Muss für das EM-Base-Camp ertüchtigt werden: der Rasen im Stadion am Gröben.

Projekt EM-Camp in Garmisch-Partenkirchen

Große Mehrheit fürs EM-Camp 2024: Garmisch-Partenkirchen bewirbt sich als Basislager für eine Fußball-Nationalmannschaft

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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Diskutiert wurde viel und emotional. Nun steht fest: Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen will von der Fußball-EM 2024 im eigenen Land profitieren. Im Raum stehen rund 600 000 Euro für die Sanierung des Spielfelds im Stadion am Gröben. Im Vertrag mit dem DFB hat sich die Kommune aber ein Schlupfloch offen gelassen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Entscheidung ist gefallen: Garmisch-Partenkirchen bewirbt sich als Base-Camp für eine Teilnehmer-Nation der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland. Damit einher geht eine Sanierung des Rasens im Stadion am Gröben für rund 600 000 Euro sowie die Anschaffung von Pflegegeräten für rund 40 000 Euro. Eine wichtige Einschränkung gibt es aber: Im Vertrag mit dem Reisebüro des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) macht der Markt zur Vorgabe, dass die Investition in dieser Form nur getätigt wird, wenn sich tatsächlich ein nationaler Verband für den Markt als EM-Camp entscheidet. Nach längerer Diskussion entschied der Gemeinderat am Donnerstagabend mit 23:6 Stimmen für diesen Weg.

FDP sieht in der Rasensanierung eine falsche Investition

Die Pro- und Kontra-Lager kristallisierten sich schnell heraus. Die Seite der Kritiker vertraten in erster Linie Martin Sielmann (FDP), Ulrike Bittner-Wolff (SPD) und Anton Hofer (Ga+Pa miteinander). Sielmann sieht in der Maßnahme „keine Zukunftsinvestition. Das ist eine klassische Vereinbarung zu Lasten Dritter, nämlich der Bürger“, monierte er. „Natürlich gibt es auf der einen Seite einen Werbeeffekt, aber unser Tourismus ist ausgereizt“. Der Markt solle die Summe in Projekte wie Radwege, die Sanierung von Gemeindestraßen oder die Schaffung von Sozialwohnungen stecken. Auch das Eissportzentrum könne Finanzspritzen vertragen. „Aus Sicht der FDP ist das falsch investiertes Geld.“

Ähnlich argumentierte Bittner-Wolf. Sie habe nichts gegen eine Verbesserung der Situation der Sportanlage am Gröben. Aber dafür sei die Hälfte der Summe genug. Sie prangerte an, dass Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) schon etliche Male erwähnt habe, dass Spitzensport keine Aufgabe der Gemeinde sei. „Jetzt werden wir gefragt, ob wir 300 000 Euro dafür ausgeben?“

Hofer sieht in der Fokussierung auf das Spielfeld im Stadion den großen Fehler. „Mich würde interessieren, was die FC-Fußballer lieber hätten? Einen Rasen, der bundesligatauglich ist, oder, dass da draußen auch die Sanitäranlagen passen?“ 300 000 Euro für den Platz, damit er im vollen Umfang genutzt werden kann – das sieht er ein. „Aber das Doppelte? Mit dem Rest des Geldes sollte man ein Gesamtpaket schnüren, wir haben begrenzte Ressourcen und alles wird teurer, daher bin ich mir sicher, dass wir die 600 000 Euro am Ende voll ausschöpfen müssten.“

Front der Befürworter deutlich größer als die der Gegner

Die Front der Gegner war trotz all dieser Argumente, die Dr. Stephan Thiel von den Grünen sogar nachempfinden konnte, deutlich kleiner als die der Befürworter. Fußballfan Thiel verhehlte nicht, dass es auch für ihn ein Abwägen sei. Wie viele andere führte er als Motivation an, dass die Anlage sowieso renovierungsbedürftig sei. „Es ist keine Drainage vorhanden, der Platzzustand lässt es nicht zu, dass die Teams des 1. FC alle auf dem Hauptfeld spielen.“ Er wolle die Chance nutzen, die Investition zu tätigen und mit dem Team-Camp den Werbewert mitnehmen. „Maximal 600 000 Euro sind es wert“, dass man Kinderaugen zum Leuchten bringe – „und meine auch, das gebe ich zu“.

Lilian Edenhofer sah das Thema differenzierter. Sie wähnt die „einmalige Chance“, durch die Großveranstaltung „das gesamte Stadion wieder in einen wettkampffähigen Zustand zu bringen“. Dazu brauche es aber ein Konzept, man müsse sich mit den Vereinen zusammensetzen. „Dann können wir die Anlage vielleicht auch vermarkten und Sponsoren finden.“

Anton Witting, Fraktionssprecher der CSU, ging nochmals auf die Summe ein: „Die 600 000 Euro sind der Worst case, wie man heute so sagt, das haben uns die Experten vom DFB versichert.“ Der Markt sei bemüht, die Ideallösung günstiger zu bekommen. Das bestätigte die Bürgermeisterin. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie wir das Thema angehen“, sagte Koch. „Und wir lernen aus den Fehlern der Vergangenheit.“ Kostenexplosionen und andere unerwünschte Nebeneffekte soll es nicht mehr geben. Dazu engagiert die Gemeinde einen Bauleiter, der sogar aus den eigenen Reihen kommt: Didi Lieb. „Er ist ein absoluter Fachmann, hat schon viele Fußballplätze gebaut und hat sehr gute Kontakte.“

Gastro-Obmann Schimmer baut auf den Werbenutzen für die Marktgemeinde

Daniel Schimmer (Freie Wähler) erinnerte daran, dass noch lange nicht ausgeschlossen sei, dass es für das Projekt Fördermittel geben könnte. Als Ortsobmann der Hotellerie und Gastronomie sieht er den Werbenutzen für den Ort. „Wir hatten touristisch nach dem Lockdown jeweils einen sehr guten Sommer, aber das war ein großes Geschenk“, richtete er vor allem in Richtung Sielmann. „Aber wir müssen etwas tun, damit das auch in Zukunft so bleibt.“

Auf den Zug sprang Thiel mit auf. Er baut durch die Investition auf den Faktor Sporttourismus. Ein Feld, das unter dem früheren Tourismusdirektor Peter Nagel schon beackert werden sollte. Bundesligist TSG Hoffenheim hat in den vergangenen Jahren tatsächlich immer wieder mit verschiedenen Teams Station in Garmisch-Partenkirchen gemacht. Danach ist aber nicht mehr viel passiert. Thiels Hoffnung: „Damit könnte man auch Geld wieder einnehmen.“

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