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Die 24. Auflage war die letzte: Das Holzbauforum verlässt Garmisch-Partenkirchen.

Abgang mit Misstönen

Großer Kongresskunde verlässt Garmisch-Partenkirchen

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Das Holzbauforum, der zweitgrößte Kongresskunde, kehrt Garmisch-Partenkirchen für immer den Rücken. Der Grund: die Entwicklungen des Kongresshauses. Nach dem Abriss soll ein kleinerer Neubau entstehen. Deshalb sah das Holzbauforum im Markt keine Perspektive mehr und kritisiert gleichzeitig die Informationspolitik der Gemeinde.

Garmisch-Partenkirchen – Es war noch einmal richtig was los Anfang Dezember im altehrwürdigen Kongresshaus von Garmisch-Partenkirchen, dessen Tage offenbar gezählt sind. 1900 Teilnehmer aus 35 Ländern tummelten sich im Foyer und teilweise allen Räumen, die das Kongresshaus zu bieten hat: Festsaal Werdenfels, Richard-Strauss-Saal und selbst der Raum Wamberg, in dem sonst einmal im Monat der Tourismusausschuss tagt, war belegt. Ein Bild, das es in Zukunft nicht mehr geben wird. Das Internationale Holzbauforum (IHF), der Weltkongress für den Holzbau, kehrt Garmisch-Partenkirchen nach 24 Jahren den Rücken. Für immer. „Wir sind schweren Herzens gegangen“, sagt Ingrid Höhensteiger, die beim IHF für das Marketing zuständig ist, „doch für uns war es unmöglich zu bleiben.“

In Zukunft findet die Veranstaltung in Innsbruck statt. Dort ist sie mit offenen Armen empfangen und hofiert worden. Bei den Vertragsgesprächen war Höhensteiger zufolge „alles da, was Rang und Namen hatte. Sogar der Vize-Landeshauptmann von Tirol“. In Garmisch-Partenkirchen soll die Wertschätzung weit weniger ausgeprägt gewesen sein. Ex-Bürgermeister Thomas Schmid (damals CSB), immerhin zwölf Jahre im Amt, ließ sich nach Aussage von Höhensteiger beim Holzbauforum nie blicken, Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die Amtsinhaberin, habe vor drei Jahren dem Kongress einmalig ihre Aufwartung gemacht. Der Kontakt zu Iris Schönach, bei GaPa-Tourismus für das Kongressgeschäft zuständig, und der Gastronomenfamilie Adlwärth, die das Kongresshaus bewirtschaftet, bezeichnet sie hingegen als „ausgezeichnet“.

Auslöser für den Abgang des Holzbauforums war allerdings nicht die Häufigkeit der Besuche des jeweiligen Rathaus-Chefs, sondern der Umgang mit einem Partner, der das Kongresshaus bis in letzten Winkel auslastete. Mehr noch: Um alle Teilnehmer verköstigen zu können, sah man sich sogar gezwungen, im Kurpark ein Zelt aufzustellen. Eine Situation, die auf die Dauer unhaltbar war. „Wir mussten wieder zahlreichen Interessenten absagen, Teilnehmern wie Ausstellern. Unternehmen, die den Kongress schon seit Jahren begleiten und unterstützen, klagten über zu kleine Ausstellungsflächen im Kongresshaus“, erklärt Uwe Germerott, der für das Holzbauforum die Pressearbeit erledigt.

Dabei hatte man von Garmisch-Partenkirchner Seite Höhensteiger zufolge versprochen, die Probleme durch die Sanierung und den Teilneubau des bestehenden Kongresshauses, damals galt noch der Entwurf von Wettbewerbssieger Henchion und Reuter, zu beheben. „Als wir erfahren haben, dass es einen weiteren Wettbewerb mit dem Ziel gibt, ein kleineres Kongresshaus zu bauen, haben wir uns entschlossen, Garmisch-Partenkirchen zu verlassen“, sagt Höhensteiger. Germerott ergänzt: „Es ist bedauerlich, dass nach so langer Zeit des Nachdenkens kein mutiger Schritt in die Zukunft als Kongressort erfolgt.“ Es ist ein Abgang mit Misstönen, der zudem Wunden geschlagen hat. „Wir wurden hingehalten“, sagt Höhensteiger.

Dem widerspricht die Gemeinde. Man bedaure den Schritt des IHF sehr. „Wir konnten die Verantwortlichen nicht mehr davon überzeugen, weiterhin ihren Kongress in Garmisch-Partenkirchen abzuhalten“, teilt Hannes Eitzenberger, der Geschäftsleitende Beamte, im Auftrag von Meierhofer auf Tagblatt-Anfrage mit. „Dass der Kunde jedoch zu wenig wertgeschätzt oder nur mangelhaft informiert wurde, können wir so nicht bestätigen.“ Auch seitens der Bürgermeisterin habe es Gesprächsangebote an die Verantwortlichen gegeben.

Durch den Wechsel des Holzbauforums nach Innsbruck gehen dem Markt, der Hotellerie und Gastronomie sowie den Einzelhändlern viel Geld durch die Lappen. Höhensteiger schätzt eine Größenordnung von 1,5 Millionen Euro. „Seriöse Studien sprechen davon, dass ein Kongressteilnehmer rund 250 Euro pro Tag am Standort lässt“, sagt sie.

Das Holzbauforum ist nicht der einzige Kunde, der Garmisch-Partenkirchen in diesem Jahr auf Nimmerwiedersehen verlassen hat. Wie viele noch folgen werden. Offen. Gemunkelt wird, dass die Aareon AG, der mit Abstand wichtigste Klient des Kongressgeschäfts, ebenfalls auf dem Absprung sein soll. An dem Gerücht ist laut Eitzenberger nichts dran. „Aareon ist weiter unser Kunde.“ Natürlich müssten sich die Verantwortlichen bei Aareon um notwendige Ausweichmöglichkeiten für die Zeit der Bauphase umschauen. „Es gibt hier aber bereits konstruktive Gespräche, um anschließend wieder zusammen zu kommen.“

Der Ort wird in den nächsten Jahren, sollten Abriss und Neubau realisiert werden, keine Einnahmen mehr aus dem Kongressgeschäft erzielen. Und auch im Anschluss, nach der Fertigstellung des kleineren Gebäudes, nicht mehr solche von der Größe des Holzbauforums bekommen und kleine Brötchen backen müssen. Das ist auch der Verwaltung klar. „Unser Angebot an Räumen, Ausstellungsflächen et cetera wird sich verändern“, erklärt Eitzenberger. Damit müsse man damit rechnen, „dass sich auch unser Kundenstamm ändern wird“.

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