Die allererste Kirchenführung bietet Kirchenpfleger Josef Angelbauer (l.) unter anderem Altbürgermeisterin Sigrid Meierhofer (2. v. l.) an. Angelbauer ist stolz auf den neuen Glanz „seines“ Gotteshauses. 
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Die allererste Kirchenführung bietet Kirchenpfleger Josef Angelbauer (l.) unter anderem Altbürgermeisterin Sigrid Meierhofer (2. v. l.) an. Angelbauer ist stolz auf den neuen Glanz „seines“ Gotteshauses. 

Sogar Weihbischof reist an

300. Weihejubiläum der Wamberger Kirche: Großes vollbracht im kleinen Schmuckstück

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Der Tag der „Kirchenretter“ Josef Angelbauer und Andreas Lackermeier: Zum 300. Weihejubiläum in renovierter Wamberger Kirche kommt sogar der Weihbischof Wolfgang Bischof angereist.

Wamberg – Seine Liebe zu Krippen ist es, die ihm den Weg nach Wamberg ebnet. Schon immer will Weihbischof Wolfgang Bischof eine Herberge aus Holz bauen, mit Maria, Josef und Jesuskind. So kommt es, dass er einen Krippenbaukurs an der Schnitzschule Garmisch-Partenkirchen belegt. Nach getaner Arbeit möchte er sich die Wallfahrtskirche St. Anton in Partenkirchen ansehen. Josef Angelbauer soll ihm aufsperren. Der Kirchenpfleger nutzt die kurze Autofahrt mit dem Bischof allerdings, um ihn auf ein anderes Kleinod „hinzustupsen“, wie Bischof am Sonntag lächelnd erzählt. Die Kirche St. Anna in Wamberg ist es, auf die der Bischof plötzlich sein Augenmerk richtet. Das kleine Gotteshaus in einmaliger Lage, dessen Renovierung mühsame zehn Jahre in Anspruch nehmen soll. Angelbauer hat den Münchner sozusagen „für das Thema erwärmt“.

Und so kam es, dass sogar der Weihbischof persönlich am Sonntag in das Bergdorf anreiste und mit rund 400 Besuchern das 300. Weihejubiläum feierte. Auf Neudeutsch könnte man von einem „Happy-End“ sprechen. Rechtzeitig zur großen Jubiläumsfeier erstrahlt die Kirche in neuem Glanz (wir berichteten). Damit fand ein jahrelanges Bangen um die Zukunft der kleinen Kirche ein freudiges Ende. Ob der Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck auch im September 1721 wohl eher beiläufig nach Wamberg gekommen ist, als die neue Kirche, die einer alten hölzernen Kapelle gewichen ist, geweiht wurde? Darüber lasse sich nur spekulieren, sagt Pfarrer Andreas Lackermeier. „Wir wissen auch nicht mehr, was gesprochen wurde.“ Fest steht nur, dass der damalige Bischof zuvor Firmlinge in Garmisch-Partenkirchen segnete und dann das Wort Gottes in Wamberg verkündete – im September. Deshalb wäre die eigentliche Feier auch erst da geplant gewesen. Doch feiert fast in der gleichen Woche auch die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Partenkirchen ihr 150-jähriges Bestehen. Somit entschieden sich die Verantwortlichen für den 25. Juli.

Liebt Wamberg: Weihbischof Wolfgang Bischof.

Eine der ersten Besuche nach Lackermeiers Amtsantritt im Jahr 2011 sei hier gewesen. Damals noch mit dem Kirchenpfleger Hans Rothmann und Mesner Hans Mühlbacher. Gestaunt hat er. Doch noch mehr staunt er jetzt. „Unsere heimischen Handwerksbetriebe haben Großes vollbracht.“ Wie schon vor 300 Jahren sei es der guten Unterstützung, dem Zusammenhalt im Ort und dem Engagement aller Beteiligten zu verdanken, dass auf über 1000 Höhenmeter wieder ein barockes, sakrales Werk der Baukunst steht. „Weiß Gott, wie viele Menschen sich in diesen drei Jahrhunderten für den Erhalt der Anna-Kirche eingesetzt haben“, sagt Landrat Anton Speer. Sei es finanziell, durch Mittun oder Gebet.

Über 400 Besucher säumen den kleinen Kirchenplatz in Wamberg. Das Wetter spielt mit: Bis zum letzten Wort bleibt es trocken.

Doch ganz besonders einer hat sich diesmal neben Lackermeier hervorgetan und für die Sanierung gekämpft wie ein Löwe, nachdem 2017 die Schocknachricht kam, die Erzdiözese München-Freising mache keine Gelder für die Inneninstandsetzung frei: Josef Angelbauer. „Das ist Ihr Tag“, sagt Lackermeier in seine Richtung. „Sie haben nie an dem Vorhaben gezweifelt. Das gab Kraft.“ Tosender Applaus. Wohlverdient. Angelbauer war der Kopf der zahlreichen Unterstützer, motivierte unzählige zu Spenden.

Auch Petrus wollte scheinbar dem Kirchenpfleger Gutes tun, die gesamte Feier blieb trotz dunkler Wolken vom Regen verschont – nur während der Ansprachen begann es ein wenig zu tröpfeln. „Das haben Sie gut hingekriegt“, sagt der Bischof augenzwinkernd zu Speer. Dieser sei nämlich „heute vertraglich für das Wetter verantwortlich“ gewesen.

Festlich erstrahlt die kleine Kirche St. Anna nach ihrer Renovierung wieder über den Dächern Wambergs.

Sichtlich gerührt hat Angelbauer nach der Feierlichkeit mit einer Traube von Menschen – darunter Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) und Altbürgermeisterin Sigrid Meierhofer, die allererste Kirchenführung durch das sanierte Gotteshaus vollzogen. Die Geschichten hinter den uralten Gemäuern sind faszinierend. Ein Ablassbrief aus dem Jahr 1760 ist erhalten, der es aus Venedig bis nach Wamberg geschafft hat. Oder ein Votivbild aus dem Jahr 1782, das einen versilberten Nagel zeigt. Ein Kind soll es verschluckt haben. Dank der verzweifelnden Anrufe der Mutter an die Heilige Anna kam es wieder raus – das Kleine war gerettet.

Endlich wieder Musik dürfen die Besucher an diesem Tag hören. Zudem singt der Partenkirchner Kirchenchor.

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