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Provisorisch: die Park-Situation auf dem Gelände des Landratsamtes.

Partei fordert im Kreisausschuss Mobilitätswende statt mehr Parkplätzen

Grüne lehnen Erweiterung der Tiefgarage am Landratsamt ab

Die Erweiterung der Landratsamts-Tiefgarage hat erneut zu Diskussionen geführt. Christl Freier kämpfte im Kreisausschuss gegen das 1,5-Millionen-Euro-Projekt. Statt neuer Parkplätze fordern die Grünen, eine Mobilitätswende einzuleiten.

Landkreis – Das Problem, welches das Landratsamt hat, lässt sich einfach beschreiben: Die Behörde kann für ihre Größe nicht genügend Stellplätze vorweisen. Genau das fordert die Bauaufsichtsbehörde aber von den Bürgern. „Bei jedem Privaten wird bei einem Bauantrag geprüft, ob es genug Parkplätze gibt“, rief Peter Imminger im Kreisausschuss in Erinnerung. Deshalb war für den Oberauer CSU-Bürgermeister die entstandene Diskussion um die Erweiterung der Landratsamts-Tiefgarage vor allem eines: hinfällig.

Diese Meinung teilten andere Kreisräte fraktionsübergreifend. „Wir sind verpflichtet“, sagte Nikolaus Onnich (Freie Wähler). „Es herrscht Konsens beim Stellplatz-Nachweis“, stellte Rolf Beuting (ÖDP) fest. Die Einzige, die er nicht dazuzählen konnte, war Christl Freier. Die Vertreterin der Grünen kämpfte wie eine Löwin dafür, dass die Planungen für die Tiefgaragen-Erweiterung sofort eingestellt werden. Statt neue Stellplätze zu bauen, sollen „Maßnahmen ergriffen werden, um die Mitarbeiter des Landratsamtes für die Mobilitätswende zu gewinnen.“ Sprich: Sie sollen per Rad oder öffentlichem Nahverkehr zu ihrer Arbeitsstätte kommen. Freier schlug einen Express-Bus vor, der zwischen Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen pendelt. „Mit dem könnte schon sehr viel CO2 eingespart werden.“ Außerdem sei es für die Leistungsfähigkeit der Angestellten und Beamten nur förderlich, wenn sie etwa vom Bahnhof bis zum Landratsamt laufen müssen. „Denken Sie an die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter oder nur an deren Bequemlichkeit“, fragte sie in Richtung Verwaltung.

Von 251 Beschäftigen haben 113 eine längere Anfahrt

Von Personal-Abteilungsleiter Simon Frank war zu erfahren, dass von den 251 Beschäftigen 113 nicht in Garmisch-Partenkirchen, Grainau oder Farchant wohnen, also einen längeren Anfahrtsweg haben. Das Besondere: Es gibt nicht nur Vollzeit- und Teilzeit-Vereinbarungen, sondern 100 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Dass sich besonders Mütter, die ihre Kinder zu Betreuungsstätten bringen, dann mit dem öffentlichen Nahverkehr schwertun, unterstrich Betriebsrats-Vertreter Klaus Solleder. „Wir brauchen die Parkplätze.“

Insgesamt gibt es derzeit 100. Eine Zahl, auf die sich die Behörde mit der Marktgemeinde laut Regierungsdirektor Guido Kamp verständigt hat. Das war zu Beginn der Modernisierung und Erweiterung der Gebäude. Mittlerweile sei die Quadratmeterzahl aber um 20 Prozent auf 5070 angestiegen. Das heißt: Aktuell gibt es 27 Parkplätze zu wenig. Sollte in den nächsten Jahren ein Ersatzbau für das alte Jugendamt entstehen, erhöht sich diese Zahl auf 38.

38.500 Euro pro neuem Parkplatz

Dafür muss, wie Kreisbaumeister Alkmar Zenger erläuterte, einiges an Geld in die Hand genommen werden. Unterm Strich rechnet er mit einer Investition von 1,5 Millionen Euro. „Das wären 38 500 Euro pro Platz.“

Kreisrätin Freier forderte für die Grünen-Fraktion, das Geld lieber in den öffentlichen Nahverkehr, etwa in eine bessere Taktung zu investieren. Sie verwies auf das Klimagutachten des Landkreises, in dem dieser Punkt zum vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog gehört. Und sie erinnerte an die Klima-Ziele der Bundesrepublik. „Die schwimmen uns langsam weg.“

Dass das Landratsamt kein Interesse an der Beteiligung an einem geplanten Parkhaus zwischen Bahnhof und Eisstadion gezeigt hat, erschien Freier wenig verständlich. Dr. Michael Rapp (CSU) warnte bei diesem Punkt davor, sich als Landkreis in das Projekt eines privaten Investors einzubringen. Laut Kamp wird dafür nicht die Notwendigkeit gesehen. Zum einen, weil das Parkhaus zu weit entfernt zur Behörde wäre. Zum anderen, weil Besucher wie Mitarbeiter auf die umliegenden Straßen ausweichen würden.

Der Kreistag entscheidet am 27. Juli

Letztlich scheiterte Freier mit einem Antrag zur Tagesordnung, den Empfehlungsbeschluss zu verschieben. Die Grünen-Vertreterin war dann auch die Einzige, die gegen die Erweiterung der Tiefgarage stimmte. Das letzte Wort hat nun der Kreistag, der am 27. Juli im Krüner Kurhaus zusammenkommt.

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