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Bevorzugen die Alternativtrasse: (v. l.) Jörg Jovy, Stephan Kühn, Stephan Märkl und Andreas Keller.

Weiterbau des Kramertunnels

Grüne stehen hinter BN-Alternativtrasse

Garmisch-Partenkirchen - Sie vertreten einen klaren Standpunkt in Sachen Kramertunnel: Die Grünen fordern, den gescheiterten Tunnelplan des Bund Naturschutz doch zu berücksichtigen.

Der von den Amerikanern angekündigte Teilabzug aus ihrem Ghettodorf in der Breitenau erlaubt’s: Im Zusammenhang mit dem vom Straßenbauamt Weilheim für diesen Herbst terminierten neuen Planfeststellungsverfahren für den Weiterbau des seit 2013 gestoppten Kramertunnels machen sich, wie berichtet, jetzt auch die Grünen den vor einigen Jahren gerichtlich abgeschmetterten Tunnelplan des Bund Naturschutz (BN) zu eigen: Sie fordern energisch, diese schon 1998 vom Bundesverkehrsministerium als „Konsens-Plan“ bezeichnete Tunnelführung in das neue Planverfahren aufzunehmen.

Diese vom BN als „Alternativtrasse“ habe nicht nur eine einfachere Linienführung als jene, deren Bau dank Wassereinbrüchen und Gesteinsproblemen vor zwei Jahren zum vorläufigen Ende des Tunnelbaus führte, sagte Naturschutz-Exponent Dr. Andreas Keller bei einer Veranstaltung des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen im Gasthof Schatten. Sie sei vielmehr auch nicht annähernd so umweltbelastend und teuer wie die vom Straßenbauamt forcierte sogenannte „Amtstrasse“.

Besonders augenfällig bei der BN-Alternative ist in erster Linie, dass sie nicht schon oberhalb des Tierheims ans Tageslicht kommt und danach noch relativ steil abwärts in Richtung Loisach geführt wird, wo dann in Höhe der Eibsee-Abbiegung gleich zwei Brücken notwendig sind, um sie in die Bundesstraße 23 einzuleiten.

Grainaus Bürgermeister schlägt sich auf BN-Seite

Diese Brückeneinschleifung hat ja insbesondere Grainau vehement abgelehnt. Vielmehr unterquert die Alternativ-Umgehungsstraße noch im Tunnel das US-Dorf und kommt schließlich an der Loisach im Bereich der Schmölz ans Tageslicht, wo sie ohne Brücken in die Bundesstraße mündet. Genau der Verzicht auf Brücken gefällt auch dem Grainauer Bürgermeister Stephan Märkl so sehr, dass er, der CSU-Mann, „allerdings nur als Privatperson“ bei der Versammlung im „Schatten“ erschien und sein Wohlgefallen über die wieder aufgeflammte Initiative des BN bekundete, auch wenn sie von den Grünen aufgegriffen worden ist: „Dadurch würde nämlich Grainau verschont“, unterstrich er seine Meinung.

Grünen-Kreisvorsitzender Jörg Jovy ergänzte: „Der Baustopp 2013 hat belegt, dass der Bund Naturschutz mit seinen Warnungen Recht gehabt hat, weshalb auch wir Grüne im Februar dieses Jahres beschlossen haben, den einstigen Konsens im Landkreis wieder herzustellen. Bei der Versammlung erläuterte Keller eingehend, warum die BN-Alternativtrasse schon viele Jahre vor der sogenannten „Amtstrasse“ allgemein als Konsens anerkannt worden sei und lediglich das Straßenbauamt unter dem Druck, für die Ski-WM 2011 eine neue Linie entwickeln zu müssen, eine früher schon einmal verworfene Linie mit neuem Namen und leichten Veränderungen als „Amtstrasse“ präsentiert habe: „Im WM-Fieber hat man alle Warnungen vor den geologischen Schwierigkeiten und alle Gutachten in den Wind geschlagen. Der Baustopp 2013 hat gezeigt, wie Recht wir hatten.“

Der bei der Versammlung anwesende Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn, der auch verkehrspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, erklärte schließlich, dass das Kramer-Vorhaben eine Maßnahme sei, die wegen des 2011 vollzogenen Baubeginns im neuen Verkehrswegeplan nicht mehr überprüft werde und darum als „gesetzt“ gelte: „Bundes- und Staatsregierung wollen also mit dem Kopf durch die Wand und haben dabei anscheinend noch nicht registriert, dass die Amtstrasse faktisch gescheitert ist.“ Deshalb müsse das Vorhaben im ergänzenden Planfeststellungsverfahren gestoppt werden, um die Straßenbauverwaltung zu zwingen, sich aktiv mit sinnvollen Alternativen, vor allem jener des BN auseinanderzusetzen.

 

Wolfgang Kaiser



 

Unter dem Titel

„Quo vadis Kramertunnel“ haben der Bund Naturschutz und die Grünen eine 28seitige informative Dokumentation über die Geschichte des Projekts herausgebracht. Zu bekommen ist es in der Geschäftsstelle des Bund Naturschutz in Garmisch-Partenkirchen, Schnitzschulstraße 18, Telefon 78651.

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