Ein Hornschlitten fährt ins Ziel ein.
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Ein Zuschauermagnet: das Hornschlittenrennen, das am 6. Januar 2022 zum 52. Mal stattfindet.

Veranstalter planen mit 3G-plus-Regeln

„Holt‘s die Hornschlitten raus“: Grünes Licht für Traditionsrennen in Garmisch-Partenkirchen

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Ein Jahr Zwangspause ist genug. Noch einmal soll das Hornschlittenrennen in Garmisch-Partenkirchen nicht ausfallen. Deshalb haben die Veranstalter beschlossen, es unter 3G-plus-Regeln stattfinden zu lassen. Dass damit gerade beim Einlass mehr Aufwand verbunden ist, nehmen sie gerne in Kauf.

Garmisch-Partenkirchen – Es wird ein Kraftakt. Das ist Peter Strodl bewusst. Der Vorsitzende des Hornschlittenvereins Partenkirchen gibt auch unumwunden zu, dass er erst einmal Bedenken hatte. Bedenken, ob sie das Rennen am Dreikönigstag unter Corona-Auflagen überhaupt organisieren können. Bei der jüngsten Vorstandssitzung wurden all diese Sorgen beiseite gewischt. Die einhellige Meinung des Führungsteams: „Es ist möglich“, fasst es Strodl in Worte. Somit steht fest, dass am 6. Januar 2022 das 52. Hornschlittenrennen stattfindet. Unter besonderen Bedingungen freilich. „Wir wenden die 3G-plus-Regel an“, sagt Strodl. Folglich müssen Starter, Zuschauer und alle, die zum Gelingen der Veranstaltung beitragen, entweder genesen oder geimpft sein oder einen negativen PCR-Test vorlegen. Das zu kontrollieren, „wird sicher ein Aufwand“. Aber einer, der sich lohnt, da ist sich Strodl sicher.

Noch immer schmerzt ihn und seine Mitstreiter, dass sie das Rennen in diesem Jahr absagen mussten. „Zum ersten Mal in unserer Geschichte“, betont der Vorsitzende. Egal, ob zu wenig Schnee lag oder andere Probleme im Raum standen, die rührigen Mitglieder des Vereins haben’s immer geschafft, die Strecke von der Partnachalm in die Wildenau zu präparieren. Der Pandemie mussten auch sie sich beugen. Da gab’s heuer keine Lösung, um die traditionsreiche Veranstaltung, bei der seit 50 Jahren die bayerischen Meister ermittelt werden, durchzuziehen. „Das hat geschmerzt“, sagt Strodl. „Das war wirklich ein harter Einschnitt.“

Entscheidender Vorteil gegenüber den Leonhardiritten

Der Verein hat’s überstanden, schaffte es, die Mitglieder – aktuell sind es circa 600, davon bis zu 50 aktive – bei der Stange zu halten. Sie alle freut, dass das nächste Rennen stattfinden kann. Genau wie etliche Hornschlitten-Begeisterte: „Gerade aus Thüringen und Sachsen haben wir viel Zuspruch bekommen, dass wir’s unbedingt wieder machen sollen.“

Nach den Absagen der Leonhardiritte in Murnau, Unterammergau und Garmisch-Partenkirchen (wir berichteten) haben sich Strodl und seine Mitstreiter viele Gedanken gemacht. Auch ihre Veranstaltung ist ein Publikumsmagnet. Schnell war ihnen aber klar, dass „wir einen entscheidenden Vorteil haben“. Das Areal, auf dem sie ihr Rennen organisieren, ist überschaubar und vor allem gut abzugrenzen. Folglich werden die Zuschauer, die vom Skistadion in den Zielraum strömen, gleich an der Partnachbrücke kontrolliert. „Außerdem noch oben“, sagt Strodl. Für die, die von der Kochelberg- oder Partnachalm kommen, gibt es seit Längerem schon eine eigene Kasse. 2022 müssen sie dort nicht nur ihren Geldbeutel zücken, sondern auch ihr Mobiltelefon, um mittels Luca-App nachzuweisen, welches der 3G sie erfüllen. Trotzdem „werden wir etwas mehr Security für den Einlass brauchen“, sagt Strodl.

Aktive des Hornschlittenvereins sind mittlerweile Schnee-Experten

Bei den Helfern und Funktionären sowie den Fahrern wird das Ganze im Vorfeld, beziehungsweise bei der Anmeldung abgefragt. Die ist ab 1. Dezember möglich. Strodl ist bewusst, dass die Starter zuletzt wenig üben konnten. Er hofft aber, dass in etwa wieder 80 Schlitten am Start sind. „So viele waren’s zuletzt immer.“ Außerdem hofft er auf die Sponsoren. Darauf, dass sie dem Verein die Stange halten. Auf diese Unterstützung „sind wir dringend angewiesen“, sagt Strodl. Allein aus Mitgliedsbeiträgen – im Jahr werden zehn Euro fällig – lässt sich die Großveranstaltung nicht stemmen.

Die auszurichten, ist aber der Zweck des Vereins. Dafür geben die Aktiven alles. Das merkt man allein, wenn es darum geht, den erforderlichen Schnee herzubringen. „Im Lauf der Zeit sind wir richtige Experten geworden“, verrät Strodl und schmunzelt. Auch darin, wie man die erforderliche Unterlage renntauglich aufbereitet. Den ersten Kunstschnee bekamen er und seine Kameraden von den Steckenbergliften in Unterammergau. Später bereiteten sie auch gebrauchten Schnee auf – vom City-Sprint im Garmischer Zentrum, vom Eisstadion und auch vom Neujahrsspringen. Zweimal, als gar zu wenig von der weißen Pracht zur Verfügung stand, mussten sie die Rennstrecke verkürzen.

Die Vorbereitungen auf 2022 haben längst begonnen. Der Container im Zielbereich ist hergerichtet, die Banden sind erneuert. „Jetzt sollen die Leute ihre Schlitten aus den Stadeln holen“, fordert Strodl. „Und sie wassern.“ Dadurch verschwinden die Holzwürmer und das Material wird stabiler. Eine gute Ausgangsposition auf den wilden Ritt über den Hohen Weg hinunter in die Wildenau.

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