+
Für einen Spaß zu haben: Bei der Regionalmesse in Grainau legt sich Anton Speer fürs Foto in ein Caravan-Bett.

Ist der Landkreis-Chef ein Musterschüler? 

Halbzeit! Dieses Zeugnis erhält Landrat Anton Speer vom Tagblatt

Erst der G7-Gipfel, dann die Flüchtlingskrise. Anton Speer konnte nicht ahnen, was auf ihn als Landrat zukommen wird. Bislang hat er jede Herausforderung gemeistert. Auf die ihm eigene Art und Weise.

Wie stellt man sich im Rest der Republik ein gestandenes Mannsbild aus dem tiefsten Bayern vor? Vielleicht als einen beleibten Lederhosenträger, den man mitunter schwer versteht. Der gesellig ist, die Tracht und das Brauchtum liebt. Wenn man so will, dann steht an der Spitze des Landkreises Garmisch-Partenkirchen mit dem Freien Wähler Anton Speer ein Bilderbuch-Bayer. Einer, dem auch eine Landwirtschaft gehört, der als Hochzeitslader Gott und die Welt kennt, der die Sprache der Hiesigen spricht. Deshalb haben die Bürger ihn gewählt. Und das sogar im eigentlich so schwarzen Isartal – der CSU-Hochburg.

Vereine sind Speer wichtig

Seit der Kommunalwahl 2014 sind drei Jahre vergangen. Der „Toni“, wie ihn viele nennen, war schon vorher Landrat. Zumindest für einige Monate vertretungsweise für seinen Vorgänger Harald Kühn (CSU), der im September 2013 in den Landtag gewählt worden war. Seitdem zeichnet sich Speer vor allem durch seine Leutseligkeit aus. Er war und ist ein Mann des Volkes und einer, der gern bei den Menschen ist. Wenn es der Terminkalender irgendwie zulässt, fährt er zu den Bürgerversammlungen, zu Jubiläen und Geburtstagen und zu den Veranstaltungen zwischen Staffelsee und Karwendel. „Die Vereine sind ihm wichtig“, heißt es aus seinem Umfeld. Daran können auch die arbeitsreichen Tage nichts ändern.

So schneidet der Unterammergauer ab.

Seine Überstunden rund um den G7-Gipfel: ungezählt. Sein Einsatz zur Bewältigung der Flüchtlingskrise: enorm. „Für die normale Büroarbeit bleibt oft nur abends Zeit“, schilderte er selbst mal einen typischen Tag. Und der kann locker bis 23 Uhr gehen. Der Mann ist fleißig.

Dabei ist Speer zwar kein „Aktenfresser“ wie sein Vorgänger Kühn, er kennt sich aber aus. Und er weiß, dass es ohne seine Mitarbeiter und deren Fachwissen in den Abteilungen nicht geht. Als Landrat steht er einer großen Behörde vor. Und haut auch schon mal mit der Faust auf den Tisch, wenn’s seiner Meinung nach sein muss.

Zum Beispiel im Fall des langjährigen Streits um den Neubau der Leichenhalle Bad Kohlgrub. Speer war es, der das Hickhack zwischen der Gemeinde und dem Denkmalschutz beendet hatte. Sein Machtwort sprach er passenderweise kurz vor dem Fest und überbrachte die frohe Weihnachtsbotschaft gleich selbst. Speer ist anders als andere. Und er traut sich was.

Der Ammertaler scheut sich nicht, auch mal unpopuläre Entscheidungen, die nicht jedem in der Politik schmecken und die nach außen gar nicht bekannt werden, zu treffen. So war es dem Vernehmen nach zum Beispiel beim G7-Gipfel, als er nicht jede Vorgabe aus München umgesetzt hat. Wichtig ist für Anton Speer, dass das Ergebnis stimmt. Dass es läuft. Dass er die Kontrolle behält.

Unvorhersehbare Berichterstattung, die sich zum Beispiel nicht an von ihm gesetzte Termine hält, mag er deshalb gar nicht. Genauso wenig wie öffentliche Kritik. Auf ungewollte Schlagzeilen kann der Landrat sehr laut, fordernd und impulsiv reagierten. Das Positive daran: Er verhält sich noch menschlich und nicht mit jener antrainierten, alles abweisenden Teflon-Art, die viele Politiker pflegen.

Gegenkandidat dürfte es 2020 schwer haben

Anders ist es in den Kreisgremien: Dort reagiert Speer auf Kritik eher vermittelnd. Er gibt Angesprochenes weiter, lässt Dinge prüfen. Und sorgt mit seiner umgänglichen Art immer wieder mal für einen Lacher. Harte Auseinandersetzungen gibt es unter ihm nicht. Wobei er dazu auch kaum Anlass bietet: In seiner Amtszeit haben sich die Kreisfinanzen viel besser als erwartet entwickelt. Und auch die Flüchtlingskrise wurde bestmöglich gemeistert – ohne, dass eine Turnhalle belegt werden musste. Speers großer Vorteil: In fast allen Landkreis-Orten stehen Unterkünfte – oft leere Hotels zur Verfügung. Aktuell kämpft er für den sozialen Frieden: Bislang können alle Flüchtlinge in den Unterkünften bleiben, statt auf den ohnehin engen Wohnungsmarkt zu drängen. Nur einmal bekommt das Bild einen Riss: Als der Brandbrief der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) an die Regierung öffentlich wird. Darin kritisiert sie die Zustände in der damals vom Landkreis geleiteten Erstaufnahme-Einrichtung Abrams. Das Landratsamt wiegelt die Vorwürfe ab. Die Hintergründe bleiben aber unklar.

Ansonsten dürfte sich der politische Gegner schwer tun, dem Unterammergauer etwas anzukreiden. Bleibt die große Frage, wen die CSU in drei Jahren ins Rennen um den prestigeträchtigen Chefposten im Landratsamt schickt. Mit welcher starken Persönlichkeit die Christsozialen die Macht zurückerobern wollen. Klar ist schon jetzt, dass es der Gegenkandidat nicht leicht haben wird. Gegen einen Bilderbuch-Bayern mit großem Herzen, politischem Geschick und ganz viel Bodenständigkeit.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fall Zitzmann und das Bürgerbegehren: Räte müssen noch einmal abstimmen
Zurück auf Anfang. Wegen eines Formfehlers befasst sich der Gemeinderat erneut mit Spielwaren Zitzmann. Vielleicht ist das Bürgerbegehren zu dessen Erhalt am …
Fall Zitzmann und das Bürgerbegehren: Räte müssen noch einmal abstimmen
„Holländer“-Schiff kommt unter den Hammer
Es stand auf der Bühne, dann fuhr es durch den Ort, jetzt steht dem Schiff aus dem „Holländer“ ein neues Schicksal bevor: Es soll versteigert werden. 
„Holländer“-Schiff kommt unter den Hammer
„Bayerische Buam“ brechen zum Abenteuer ihres Lebens auf
Wochenlang mit einem alten Karren durch Russland, die Ukraine bis nach Tadschikistan fahren? Was sich für die einen wie Horror anhört, ist für Michael Hejda und Daniel …
„Bayerische Buam“ brechen zum Abenteuer ihres Lebens auf
Klares Bekenntnis zum Skistadion
8,75 Millionen Euro kostet die Sanierung des Olympia-Skistadions. Das ist nun klar, nachdem die Substanz der historischen Sportstätte gründlich untersucht wurde. Damit …
Klares Bekenntnis zum Skistadion

Kommentare