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„Wieder einmal versagt“: Kritik an Denkmalschutz-Behörde - Abriss von Haus Hohenleitner erregt die Gemüter

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Von: Tanja Brinkmann

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Ein altes Haus an einer großen Straße.
Denkmal, ja oder nein?: Diese Frage soll nun eine Prüfung des ehemaligen Kaufhauses klären. © Kornatz

Das ehemalige Kaufhaus Hohenleitner an der Fürsten-/Alleestraße soll abgerissen werden – nach über 280 Jahren. Dagegen hat ein Weilheimer Architekt nun eine Petition eingereicht. Und auch das Landesamt für Denkmalpflege ist alarmiert: Eine Prüfung des Anwesens soll zeigen, ob es schützenswert ist.

Garmisch-Partenkirchen – Jeder, der über die Burgstraße zum Marienplatz fährt, kennt es. Vielen, die es gesehen haben, ist es im Gedächtnis geblieben. Jetzt, da seine Tage gezählt sind, macht sich Empörung breit. Das Haus Hohenleitner an der Fürsten-/Alleestraße im Ortsteil Garmisch erregt die Gemüter.

Auch Heiko Folkerts ist entsetzt, dass das Gebäude, das 1735/36 errichtet und im Lauf der Jahre immer wieder erweitert worden war, abgerissen werden soll. Für den Architekten aus Weilheim ein klarer Fall:  „Das Landesamt für Denkmalpflege hat wieder einmal versagt.“ Deshalb hat er Anfang dieser Woche eine Petition an den Bayerischen Landtag eingereicht – „zur Rettung eines der bedeutendsten, ortsbildprägenden Denkmale am Ortseingang von Garmisch-Partenkirchen“. Für ihn ein „zentrales Sinnbild der Entstehung des berühmten Werdenfelser Marktes“. Nach etlichen negativen Erfahrungen, die er zuletzt in Kochel mit der Behörde gemacht hat, lautet seine Forderung: „Die offenbar vom Landesamt für Denkmalpflege gestützte Zerstörung der einzigartigen alpenländischen Kulturlandschaft des ,Blauen Landes‘ muss sofort beendet werden.“

Doch schützenswert?: Landesamt für Denkmalpflege startet Prüfung

Als Unterstützer hat er sich zunächst Josef Ostler ins Boot geholt. Der Vorsitzende des Vereins für Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der zudem direkter Nachbar des ehemaligen Kaufhauses Hohenleitner ist, distanziert sich allerdings mit Nachdruck von Folkerts Wortwahl und dessen Angriffen gegen das Landesamt. Deshalb beteiligt er sich auch nicht an der Petition.

Die Vorwürfe, die der Architekt erhebt, „entbehren jeder Grundlage“, betont Juliane Grimm-von Wedemeyer, Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Aufgabe der Behörde sei – unter anderem – das Bewahren und Erfassen von Denkmälern. Vor diesem Hintergrund nehmen sie sich auch das Haus Hohenleitner vor. „Ob es sich dabei um ein Denkmal handelt oder nicht, kann erst nach einer entsprechenden Prüfung gesagt werden.“ Dies wird nun zeitnah passieren. „Die Bestandspläne des Anwesens haben wir dem Landesamt schon zur Verfügung gestellt“, bestätigt Rathaussprecherin Silvia Käufer-Schropp. Jetzt bemühe man sich um eine Ortseinsicht, konkretisiert Grimm-von Wedemeyer das Vorgehen. Zudem hätten ihre Kollegen die Gemeindeverwaltung, die mit der Unteren Denkmalschutzbehörde auch über denkmalrechtliche Genehmigungen entscheidet, gebeten, bis zum Ergebnis dieser Prüfung baurechtliche Entscheidungen auszusetzen und einen Abriss beziehungsweise Umbau zu untersagen.

Haus Hohenleitner wurde in den 1950er Jahren stark überbaut

Damit hat Ostler erreicht, was er wollte: „Mir ging es darum, dass geprüft wird, ob das Haus schützenswert ist.“ Nachdem das nun passiert, verspricht er sich von Folkerts Petition wenig. Mittlerweile weiß er zudem, dass sich die Denkmalschützer sehr wohl schon einmal mit dem Anwesen beschäftigt haben. „Weil dieses aber in den 1950er Jahren stark überformt worden ist, ist es bislang niemandem als mögliches Denkmal aufgefallen und wurde darum auch nicht geprüft“, erklärt Grimm-von Wedemeyer.

Wann besagte Petition im Landtag auf die Tagesordnung kommt, steht noch nicht fest. „Der Zeitablauf ist ganz unterschiedlich“, heißt es aus der Pressestelle des Maximilianeums in München.

Bauausschuss lehnt Befreiung von der Geschossflächenzahl ab

Die Geschichte des Hauses ist interessant. Das bestätigt auch Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). Warum sich die Kritiker allerdings erst jetzt zu Wort melden, kann sie nicht nachvollziehen. Die Denkmalliste kann schließlich von jedermann jederzeit eingesehen werden. „Die ,fehlende‘ Nennung des Anwesens Fürstenstraße 20 dürfte somit für niemanden überraschend sein“, ergänzt Käufer-Schropp. „Auch wurde nach unserem Kenntnisstand in der Vergangenheit von keinem Ortshistoriker eine Überprüfung beim Landesamt für Denkmalpflege angeregt.“ Dazu kommt, dass jedermann, insbesondere die am Verfahren beteiligten Träger öffentlicher Belange in dem 2014 angestoßenen und 2017 abgeschlossenen Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans für dieses Gebiet ihre Einwände und Anregungen vorbringen hätten können. Passiert sei nichts dergleichen.

Stattdessen wurde das Haus verkauft. Die neuen Eigentümer, die Black Swan Properties GmbH mit Sitz in Seefeld (Landkreis Starnberg), erachten es als nicht sanierungsfähig und wollen nun zwei Wohngebäude samt Tiefgarage und einer kleinen Gewerbeeinheit auf dem circa 1800 Quadratmeter großen Grundstück errichten. „Mit diesem Vorhaben an sich haben wir kein Problem“, sagt Koch. Was der Bauausschuss allerdings in nichtöffentlicher Sitzung abgelehnt hat, war die Befreiung von der jeweils festgesetzten Geschossflächenzahl um circa 80 Quadratmeter Wohnfläche. Dafür hätte die Gemeinde, so das Angebot des Bauherren, für zehn Jahre ein Mitspracherecht bei der Vermietung erhalten. „Das war uns zu wenig“, stellt die Bürgermeisterin klar.

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