Autos verschwinden im Schnee
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Wo ist mein Auto? In Mittenwald verschwanden die Pkw unter einer dicken Schneedecke.

Das große Chaos bleibt aber aus

Heftiger Wintereinbruch im Landkreis - Ettaler Berg wird zum Brennpunkt

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  • Manuela Schauer
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  • Josef Hornsteiner
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  • Peter Reinbold
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Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist es zu ergiebigen Schneefällen gekommen – eine für die Jahreszeit typische Erscheinung. Beeinträchtigt war vor allem der Verkehr. Die meisten Autofahrer verhielten sich aber vorbildlich, es kam kaum zu Unfällen. 

  • Schnee, Schnee, Schnee: Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gab es am Donnerstag einen heftigen Wintereinbruch.
  • Trotz des Schneefalls kam es zu wenigen Unfällen.
  • Die Lawinengefahr ist groß.

Landkreis – Es ist im Vergleich zum Schneechaos, das vor zwei Jahren um diese Zeit über Südbayern hereingebrochen war, eher harmlos. Im Januar 2019 mussten Feuerwehr, Bundeswehr, THW und viele freiwillige Helfer Dächer von der Schneelast befreien, die unter dem Gewicht der Massen einzustürzen drohten. Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) stellen die starken Schneefälle, die am Donnerstag im Landkreis niedergingen, nichts Besonderes dar – trotz einer Unwetterwarnung, die die Meteorologen für die Region aussprachen. Bis Freitagvormittag waren bis zu 60 Zentimeter Neuschnee prognostiziert gewesen. „Rein subjektiv würde ich diese Niederschlagsperiode und ihre Intensität in der Jahreszeit im Alpenraum nicht als außergewöhnlich bezeichnen“, sagt ein DWD-Sprecher.

Die Menschen zwischen Mittenwald und Spatzenhausen, die von der weißen Pracht betroffen waren, mögen das anders sehen. Schneeschaufeln, häufig kamen auch Fräsen zum Einsatz, hieß für Hausbesitzer das Gebot des Tages. Allerdings blieben auch viele Gehwege nicht geräumt, was bei den Fußgängern für Unmut sorgte, da sie auf die Straßen ausweichen mussten. Der Winterdienst der Straßenmeisterei Oberau und Privatunternehmen befanden sich im Dauerstress, um die Straßen passierbar zu halten. Es gelang ganz gut – weil sich die meisten Verkehrsteilnehmer vorbildlich verhielten. Behinderungen blieben trotzdem nicht aus, auch auf der Schiene nicht.

Das Schlimmste scheint überstanden: Die Wetter-Prognosen für die kommenden Tage sagen nur noch ganz vereinzelte Schneefälle voraus. Allerdings soll es wieder deutlich kälter werden. Der Lawinenwarndienst Bayern schätzt die Lawinengefahr für die Ammergauer und Werdenfelser Alpen als „groß“ ein. Die Warnstufe liegt bei 4. Der Neuschnee könne sich an vielen Steilhängen von selbst als Locker- oder Schneebrettlawine lösen oder bereits durch geringe Zusatzbelastung sehr leicht als Schneebrettlawine ausgelöst werden, heißt es in dem Bericht.

Garmisch-Partenkirchen & Region
In Garmisch-Partenkirchen mussten der Michael-Ende-Kurpark im Ortsteil Garmisch und der Kurpark Partenkirchen am Donnerstag bereits in den frühen Morgenstunden gesperrt werden. „Aus Sicherheitsgründen“, sagt Elisabeth Brück von GaPa Tourismus. „Durch den Schnee waren etliche Äste abgebrochen.“ Die Sperrung soll so lange andauern „wie Gefahr besteht“.

In Mitleidenschaft gezogen war auch die Bahn. Die Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Reutte (Österreich) musste wegen eines Baums, der auf die Oberleitung gestürzt war, teilweise gesperrt werden. Die Feuerwehr Garmisch holte die Fahrgäste aus dem Zug – unterstützt von der Straßenmeisterei Oberau. Taxis brachten sie zurück nach Garmisch-Partenkirchen. Zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald verkehrten ebenfalls keine Züge. Die DB Regio setzte einen Schienenersatzverkehr ein. Wegen einer Störung an der Oberleitung war auch der Abschnitt zwischen Eschenlohe und Garmisch-Partenkirchen am Nachmittag gesperrt. Am Mittwochabend erklärten Polizei und Straßenmeisterei die B 23 ab Grainau in Richtung Österreich für nicht mehr befahrbar und machten sie dicht. „Die Gefahr durch Schneebruch ist zu groß“, erklärte Polizeisprecher Josef Grasegger.

Auf der Strecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Reutte muss der Zug auf offener Strecke im Bereich Ochsenhütte wegen Schneebruchs durch die Feuerwehr Garmisch evakuiert werden.

Bis Donnerstagnachmittag hatten die Beamten der Polizeiinspektion lediglich mit einem Unfall zu tun, der auf den Schneefall zurückzuführen war. Die Kollision ereignete sich gegen kurz nach 7 Uhr an der Kreuzung der Hauptstraße zur Hindenburgstraße. Ein 18-jähriger Garmisch-Partenkirchner rutschte mit seinem Auto auf den an der roten Ampel stehenden Pkw eines Farchanters (62). An beiden Fahrzeugen entstand lediglich ein geringer Schaden.

Auf der Zugspitze fielen nach Auskunft von Verena Altenhofer, Pressesprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), bis Donnerstagvormittag knapp ein halber Meter Schnee. Am Sonnalpin liege die Neuschneehöhe aufgrund von Verwehungen bei etwa zwei Meter. Im Einsatz sind die Pistenraupen auf der Kandahar, nachdem der Deutsche Skiverband seine Trainingswoche für die Topathleten bis 13. Januar verlängert hat. Zudem sind die BZB-Beschäftigten dabei, die Piste für die alpinen Weltcup-Rennen vorzubereiten. Das geschieht nach Auskunft von Altenhofen allerdings nicht in voller Mannschaftsstärke, da sich ein Großteil der Arbeiter wegen der Schließung der Bergbahnen weiter in Kurzarbeit befindet.

Mittenwald
Da in Tirol am Donnerstag aufgrund der Schneemengen bereits mehrere Lawinen abgegangen waren, hat auch die Mittenwalder Lawinenkommission reagiert. Sie legte dem Landratsamt nahe, die Staatsstraße zwischen Mittenwald und Leutasch wegen akuter Lawinengefahr zu sperren. Zur Mittagszeit hat die Marktgemeinde die Strecke dichtgemacht. Betroffen davon waren vor allem Berufspendler. Die Forststraße Vorderriß-Wallgau ist seit gestern 14 Uhr bis auf weiteres wegen Lawinengefahr gesperrt.

Murnau & Region
Die Murnauer Feuerwehr musste zwölfmal ausrücken, um liegen gebliebene Lastwagen wieder flottzubekommen. „Ein Schwerpunkt war die Kellerstraße“, sagt Florian Krammer, Kommandant der Murnauer Wehr. Die Murnauer Polizei befand sich zwar im Dauereinsatz, bekam es allerdings ebenfalls meist nur mit querstehenden Lkw zu tun. „Fehlanzeige“ bei größeren Unfällen meldete Inspektionsleiter Joachim Loy,

Ammertal
Brennpunkt Ettaler Berg: Auf dem Nadelöhr zwischen Oberau und Ettal fuhren sich der Polizei zufolge am Vormittag zwischen 9 und 10.20 Uhr drei Lastwagen und ein polnischer Kleintransporter fest, was zu Staus auf der B 23 führte. Die Polizei soll die Brummi-Fahrer dazu aufgefordert haben, den Ettaler Berg zu meiden. Ansonsten meldet die Polizeistation Oberammergau bis auf einige Fahrzeuge, die im Schnee stecken blieben: keine besonderen Vorkommnisse. Das änderte sich am Abend. Die Staatsstraße 2060 Richtung Linderhof war kaum mehr passierbar und musste teilweise gesperrt werden.

Liegen geblieben ist dieser Lkw bei Saulgrub auf dem Zubringer zur B23.

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