Drei Polizeibeamte kontrollieren einen Autofahrer.
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Auf österreichischer Seite, wie hier an der Schanz bei Ehrwald, werden Einreisende nach wie vor kontrolliert und gegebenenfalls auch zurückgeschickt.

Hindernisse beim kleinen Grenzverkehr

„Ein Wirrwarr“: Regelungen an den Grenzen machen auch Polizeibeamten zu schaffen

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Es bleibt schwierig: Wer aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen ins Außerfern fahren oder von dort einreisen möchte, muss sich weiterhin diversen Vorschriften stellen. Erleichterungen gibt es nur für Besuche von Eltern und Kindern sowie für Pendler.

  • Hoffnung auf einen Osterbesuch im Außerfern zerschlug sich an der ehemaligen Tiroler Grenze.
  • Pendler müssen sich alle 28 Tage registrieren und einmal pro Woche testen lassen.
  • Wer nach Bayern einreist muss spätestens nach 48 Stunden einen Corona-Test vorlegen.

Landkreis – „Es ist ein Wirrwarr.“ Der Polizeibeamte sagt’s ganz nüchtern, muss dann aber doch seufzen. Die ständig wechselnden Regelungen an den Grenzen zwischen Bayern und Tirol machen auch ihm und seinen Kollegen zu schaffen. Regional unterschiedlich, relativ komplex und sie können sich sehr rasch ändern – so beschreibt ein Ordnungshüter auf österreichischer Seite die Vorgaben. Mit der Herabstufung Tirols vom Virusvarianten- zum Risikogebiet – als solches gilt auch Bayern – sind zwar die Kontrollen auf deutscher Seite weggefallen. Vorgaben, die es zu beachten gilt, bestehen aber weiterhin – und zwar jede Menge.

Das kann eine Garmisch-Partenkirchner Familie nur bestätigen. Deren Hoffnung, die Verwandtschaft in Ehrwald während der Osterferien sehen zu dürfen, platzte an der Schanz, der ehemaligen Tiroler Grenze. Was ihnen nicht bewusst war, nur Angehörige ersten Grades dürfen relativ problemlos einreisen. Wer hingegen seine Tante samt Cousins und Cousinen sehen will, muss sich mittels „Pre-Travel-Clearance-Formular“ (PTC) registrieren, einen Corona-Test nachweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, und sich außerdem zehn Tage in Österreich in Quarantäne begeben. Diese Einreiseverordnung gilt bis 31. Mai. Die Garmisch-Partenkirchner jedenfalls haben sich mittlerweile schweren Herzens damit abgefunden, dass sie ihre Lieben vorerst nur per Video-Chat sehen können.

Besuche bei Eltern und Kindern sind ohne Quarantäne erlaubt

Geplante Verwandtenbesuche unterliegen der allgemeinen Regelung, die zehntätige Quarantäne darf dabei nicht im Haushalt der Verwandten verbracht werden, weil ein Kontakt währenddessen nicht erlaubt ist. „Im Falle von Familien könnte jedoch auch die Pendlerregelung gelten, oder aber es liegt ein Notfall vor“, verdeutlicht Bettina Sax von der Tiroler Landesregierung die Vorgaben. Das betrifft alle Angehörigen ersten Grades, also nur Eltern und ihre Kinder. Zudem ist die Einreise ohne Einschränkungen bei schweren Krankheits- oder Todesfällen, Beerdigungen, Geburten sowie der Betreuung von unterstützungsbedürftigen Personen im Notfall möglich. Natürlich sind dafür an der Grenze entsprechende Dokumente vorzulegen. Wer zu einer Hochzeit, Taufe oder einem Geburtstag nach Tirol fahren möchte, hat hingegen Pech gehabt. Diese gelten dem österreichischen Sozialministerium zufolge als „planbare Ereignisse“. Folglich sollte, wer darauf nicht verzichten will, besagte Einreiseverordnungen berücksichtigen.

„Pendler müssen sich nur alle 28 Tage registrieren, ihr Testnachweis ist bis zu sieben Tage gültig und eine Quarantäne ist nicht erforderlich“, sagt Sax. Darunter falle, wer regelmäßig (mindestens monatlich) aus familiären, schulischen, studienbedingten oder beruflichen Zwecken pendelt. Davon betroffen ist Franco Viola. Der Wirt eines italienischen Restaurants in Mittenwald lebt in Scharnitz. Um den Abhol-Service, mit dem er seine Gäste auch während des Lockdowns versorgt, anbieten zu können, fährt er täglich zweimal über die Grenze. „Jetzt kontrollieren nur noch die Österreicher, das ist eine Erleichterung“, sagt Viola. Die Regelungen zu den Zeiten, als Tirol noch als Virusvariantengebiet galt, nennt er „Schikane“. Insbesondere lange Wartezeiten erschwerten es ihm und anderen Pendlern, pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Durchreise ist mittlerweile wieder problemlos möglich

Für Österreich-Rückkehrer gelten auch in Deutschland Test- und Quarantäne-Regeln. Besonders verschärft wurden diese dem ADAC zufolge für Tagesausflügler in Bayern: Wintersportler und andere Touristen, die auch nur kurz über die Grenze reisen, müssen in Bayern ebenfalls verpflichtend in Quarantäne. Eine Ausnahmeregelung für Aufenthalte unter 24 Stunden gibt es auch hier nur beim Vorliegen triftiger Gründe wie insbesondere Arbeit, Schule, Arztbesuche oder familiäre Angelegenheiten – „das betrifft aber auch bei uns nur Verwandte ersten Grades“, betont Thomas Borowik, Sprecher der Bundespolizeidirektion München. Ansonsten müsse sich, wer nach Bayern will, digital registrieren und „spätestens 48 Stunden nach der Einreise einen negativen Test vorlegen“. Geregelt ist das alles in der Einreise-Quarantäneverordnung, die auch auf deutscher Seite für alle, die aus einem Risikogebiet kommen, eine zehntägige Quarantäne vorsieht. „Wer nur durchreist, ist davon nicht betroffen“, sagt Borowik. Der Tiroler Regierungschef Günther Platter, dem eine entsprechende Ausnahmegenehmigung von deutscher Seite noch Anfang März verwehrt worden war, dürfte nun also wieder die schnellste Route von Innsbruck nach Wien über Rosenheim wählen.

Insgesamt – das betonen die Zuständigen auf bayerischer und auf Tiroler Seite – sollten Reisen möglichst vermieden werden. „Lieber aufpassen“, empfiehlt ein Polizeibeamter, der namentlich nicht genannt werden will. Unnötige Touren in Pandemiezeiten auf sich zu nehmen, „macht wenig Sinn“.

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