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Kommt unter den Hammer: dieses Landhaus an der Münchner Straße in Garmisch-Partenkirchen.

Es ist mehr als eine Million wert

Historisches Haus wird zwangsversteigert! Dahinter steckt erbitterter Familienstreit

Spannend könnte es vor dem Amtsgericht Weilheim werden. Denn an diesem Tag kommt ein denkmalgeschütztes Haus, das in Garmisch-Partenkirchen steht, unter den Hammer. 

Garmisch-Partenkirchen – Die Stimmung bei Miteigentümern einer denkmalgeschützten Immobilie in Garmisch-Partenkirchen ist nicht die beste. Denn sie fühlen sich aufs Kreuz gelegt. Im Zentrum des Familienstreits steht ein Haus an der Münchner Straße. Zum Hintergrund: Die Eigentümergemeinschaft hatte den Beschluss gefasst, das Anwesen zu verkaufen. Man beauftragte also einen Makler. In der Folge meldeten sich mehrere Interessenten. Aber: „Diese Verkaufsgespräche wurden massiv hintertrieben“, behauptet Max Pfleger (Name geändert), Ehemann einer der Miteigentümerinnen. Und zwar aus seiner Sicht von Miteigner Hans Bergmann (Name geändert). Der Kritisierte weist dies entschieden zurück. Er sagt: „Diejenigen, die interessiert waren, konnten keine ausreichende Sicherheitsleistung bringen.“ Zudem beklagt Pfleger, dass Bergmann die anderen auch nicht „zu einem vernünftigen Preis auszahlen wollte“. Diese hätten „zu viel verlangt“, entgegnet darauf Bergmann.

Der Schwabacher hat nun die Zwangsversteigerung beantragt, die am Mittwoch um 10.30 Uhr am Amtsgericht Weilheim stattfindet. Er sei aber nicht der „treibende Keil“, betont er. Vielmehr habe zunächst die Gegenseite die Zwangsversteigerung beantragt, allerdings am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen, das dafür nicht zuständig ist. Bergmann erklärt, sich daraufhin über seinen Anwalt an die richtige Stelle in Weilheim gewandt zu haben. „Daher bin ich federführend in der Sache.“ Pfleger wirft ihm jedenfalls vor, „über dieses Verfahren möglichst günstig an das Objekt“ kommen zu wollen. Bergmann nennt das eine „Vermutung“, mit der er leben könne. Hat er Interesse, das Haus zu erwerben? „Das muss ich mir noch überlegen.“

Im Juni 2016 hatte Bergmann das Landesamt für Denkmalpflege „gebeten“, das Anwesen „auf seine Denkmaleigenschaft zu prüfen“. So steht es in einem Schreiben von Generalkonservator Professor Mathias Pfeil. „Dies geschah hinter dem Rücken aller anderen, die einem solchen Vorhaben niemals zugestimmt hätten“, betont Pfleger. Bergmann erzählt, er sei von einem Miteigentümer angesprochen worden, den Denkmalschutz prüfen zu lassen. „Ich bin dabei meiner Verpflichtung als Bürger nachgekommen.“

Seit fünf Jahren keine Einigung

Bemerkenswert: Im Mai 2017 hatte Bergmann gegenüber dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt erklärt, das Landesamt nicht auf das Anwesen aufmerksam gemacht zu haben und auch nicht zu wissen, wer dies getan hat. Heute sagt er, er sei damals falsch wiedergegeben worden. Im August 2016 fand ein Ortstermin statt, bei dem sich Bergmann laut Pfeil als Eigentümervertreter vorstellte. Dies sei „sachlich völlig falsch“, erklärt Pfleger. Bergmann sei „ein Eigentümer wie jeder andere und teilt sich mit meiner Frau die Verwaltung“. Und weiter: „Er ist weder Sprecher der Eigentümer noch hat er alleine die Hausverwaltung inne. Er wurde nie als Hausverwalter bestellt.“ Bergmann, der nach eigenen Angaben 50 Prozent an dem Anwesen besitzt, macht hingegen deutlich, dass er Hausverwalter sei und in dieser Funktion die Eigentümer vertrete.

Klar ist: Der Eintrag in die Denkmalliste im März 2017 wirkte sich deutlich wertmindernd aus. Denn die Möglichkeiten auf dem Grundstück sind dadurch eingeschränkt. Gutachter legten den Verkehrswert der Immobilie, die 1770 Quadratmeter Grund umfasst, auf 1,15 Millionen Euro fest. Pflegers Ehefrau und die restlichen Besitzer gingen in die Offensive – und werben mit Anzeigen für das Gebäude. Sie sehen darin die einzig mögliche Gegenmaßnahme, um möglichst viele Interessenten für das Objekt zu gewinnen, so dass „ein annähernd fairer Preis erzielt werden kann“.

Bei dem Termin am Weilheimer Amtsgericht handelt es sich um eine so genannte Teilungsversteigerung. Eine solche wird angesetzt, um eine Gemeinschaft an einem Grundstück zu beenden. „Seit fünf Jahren ist keine Einigung zustande gekommen“, betont Bergmann, der von einem „Theater“ spricht – und sich beklagt, als „böser Bube“ dargestellt zu werden.

Das Landhaus, ein zweigeschossiger Flachsatteldachbau mit holzverschalten Giebeln, wurde 1929 von Josef Zwerger im alpenländischen Heimatstil errichtet. Das Gebäude ziert eine Wandmalerei von Heinrich Bickel. Eine auf dem Grundstück befindliche Liegehalle steht ebenfalls unter Denkmalschutz. „Der äußere Gesamteindruck der Gebäude ist mit ,befriedigend’ zu bewerten“, heißt es im Gutachten. Darin wird auch auf „massive Feuchtschäden“ vor allem im Keller verwiesen.

Der Murnauer Immobilienmakler Rupert Poettinger vermutet, dass bei der Versteigerung ein Preis erzielt wird, der über den Verkehrswert hinausgeht. Für 1,2 bis 1,3 Millionen, so schätzt er, könnte das Anwesen am Ende den Besitzer wechseln.

Roland Lory

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