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Jede Menge Schwemmholz kamen  2018 durch den  Ferchenbach. Experten hatten diese Gefahr unterschätzt. 

Gründe für Verzögerungen und positive Beispiele

Hochwasserschutz im Landkreis: Warum manche Projekte auf der Strecke bleiben

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Das Pfingsthochwasser 1999 hat es gezeigt: Der Landkreis war schlecht geschützt. Viele Baustellen taten sich auf. Manche gibt es bis heute. Warum ziehen sich Projekte so lange hin? Es gibt viele Gründe für Verzögerungen. Und positive Beispiele.

Peter Kratz vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim war Projektleiter in Garmisch-Partenkirchen. 

Landkreis – Eigentlich, sagt Peter Kratz, ist das undenkbar. Ein solches Projekt in dieser Zeit durchzuziehen, von Null bis Baubeginn – unglaublich. Er sagt’s, obwohl er weiß: Es geht. 2001 gelang es unter seiner Projektleitung. Zwei Jahre nach dem Pfingsthochwasser 1999 begannen die Überlegungen für das Rückhaltebecken in Garmisch-Partenkirchen. 2004 startete der Bau. Drei Jahre für Planung und Genehmigung – 10 bis 15 wären normal.

Für manche Vorhaben reichen auch die bei Weitem nicht. Eschenlohe nennt Horst Hofmann als Parade-Negativbeispiel, wie viel Zeit manches Hochwasserschutzprojekt frisst. Bereits 1967 lag der erste Entwurf für eine Lösung an der Loisach vor. Es folgten fünf weitere, der siebte wurde umgesetzt. 2000 kam Hofmann zum Wasserwirtschaftsamt, seit 2004 ist er für den Landkreis zuständig. Ein Jahr später startete in Eschenlohe unter dem damaligen Bürgermeister Peter Stahr das Hochwasserschutzprojekt. Unter kritischer Beobachtung. „Die Leute standen uns sehr misstrauisch gegenüber“, erinnert sich Hofmann. Gerade in der Planungsphase. Zu viel war passiert: Alle vorherigen Varianten sahen den Abriss von Häusern vor. „Das konnte man nicht akzeptieren“, sagt Rathauschef Anton Kölbl. Die Bürger wehrten sich.

Kaum Widerstand in Garmisch-Partenkirchen gegen Schutz-Projekt

Kaum Widerstand erlebte Kratz in Garmisch-Partenkirchen, obwohl um die 1000 Menschen von den Baumaßnahmen betroffen waren. Alle, sagt der 63-jährige vom Wasserwirtschaftsamt, zogen an einem Strang. Zu präsent war die Katastrophe. Jeder hatte die überschwemmten Küchen und Wohnzimmer vor Augen. Die zerstörten Möbelstücke. Den Schlamm in den Hausfluren. Gemeinderäte, Bürgermeister und Bürger – jeder wollte Sicherheit.

Horst Hofmann vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim ist heute für den Hochwasserschutz im Landkreis zuständig. 

Zeitliche Nähe zum Ereignis, persönliche Betroffenheit und Engagement der Kommunalpolitik – für Hofmann wichtige Punkte, um ein Projekt rasch voranzutreiben. Schwierige Planungen, zähe Grundstücksverhandlungen und Bürokratiewahnsinn bremsen es. In der Pflicht sieht er seine Behörde ebenso wie Gemeinden. In erster Linie „sollte es der Betroffene sein, der die Initiative ergreift“ – und dranbleibt, nachhakt. Präventiv aber wird das Wasserwirtschaftsamt aktiv. Dort sitzen die Experten, die Gefahren erkennen. Das heißt jedoch nicht, dass sie gebannt werden.

Der Ferchenbach in Garmisch-Partenkirchen „liegt mir im Magen“

Diesen Gedanken „Hätten wir doch. . .“ – er kommt Hofmann immer mal wieder, zuletzt beim Ferchenbach. „Der liegt mir im Magen.“

Nach dem Hochwasser 1999 „hatte man den auf dem Schirm“. Daran erinnert sich auch Kratz. Er war für den Sylvensteinspeicher zuständig, doch Kollegen hatten ihm davon erzählt. Muren waren vor 20 Jahren nach dem starken Regen abgegangen, der Bach war enorm angeschwollen. Aber: Es gab keine Verklausungen. Anders im Juni 2018. Bei dem Hochwasser ertrank ein Mann in der Partnach, in die der Ferchenbach fließt. Das Ereignis – für Kratz angesichts der Vorgeschichte „keine Überraschung“. So weit geht Hofmann nicht. Er schaute sich den Bach nach dem Unglück im vergangenen Jahr an. Was er sah – „unfassbar“. Wie sich so viel Holz, Stämme mit bis zu acht Metern Länge ihren Weg durch die enge Schlucht bahnen können, die zum Teil maximal drei Meter breit ist – Hofmann kann es nach wie vor kaum glauben. Seinen Vorgängern erging es ähnlich. „Man hat das riesige Gefahrenpotenzial nicht erkannt“, sagt er. „Wir wurden eines Besseren belehrt.“

Nichts geändert hat sich an der Ausgangslage. Schon 1999 wussten die Experten: Eine Lösung wird schwierig.An diesem Punkt sind die Verantwortlichen auch heute. 20 Jahre nach dem Pfingsthochwasser steht der Ferchenbach auf der Prioritätenliste ganz oben.

Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat beim Hochwasserschutz viel zu tun

Hofmann gibt sich selbstkritisch. Kämpft man jahrelang gegen Windmühlen, verliere man Projekte auch mal aus den Augen. Weil der Frust zu groß wird. „Dann kümmer ich mich lieber um Dinge, bei denen etwas vorwärtsgeht.“ Es gibt schließlich so viel zu tun. „Und irgendwas bleibt auf der Strecke.“

Kratz und Hofmann erinnern an das große Ganze. 1999 lag nicht nur ein Projekt auf dem Tisch, sondern „so viele“, sagt Kratz. Viel wurde auch umgesetzt, bekräftigt Hofmann. Fast 100 Millionen Euro investierte der Freistaat in den vergangenen 20 Jahren im Landkreis. Rund 7,6 Millionen Euro in den Schutz in Eschenlohe, 25,4 Millionen in Arbeiten an Kanker und Partnach sowie das Rückhaltebecken in Partenkirchen, laut Kratz „das größte Wildwasser-Schutzprojekt Bayerns“. Und eines der planungsschnellsten.

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