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Viel ist am Fauken-Oberlauf passiert: Sperren sind eingebaut, Hänge stabilisiert, ein Rückhaltebecken erweitert.

Viel Arbeit in nur einem Ort

Hochwasserschutz: Projekte in Garmisch-Partenkirchen gehen voran, sind aber kompliziert

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Es geht voran mit dem Hochwasserschutz in Garmisch-Partenkirchen. Viel ist passiert, viel wird noch passieren. Doch einige Planungen sind überaus kompliziert.

Garmisch-Partenkirchen – Horst Hofmann wird ganz bestimmt nicht langweilig. Für den Landkreis kümmert er sich beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim um den Hochwasserschutz. „Die Arbeit“, sagt er, „geht nicht aus.“ Allein mit Garmisch-Partenkirchen wäre er gut beschäftigt. Der Faukenbach, der Ferchenbach, die Kanker, die Loisach: nur vier der Baustellen in der Marktgemeinde, die ihm im Magen liegen.

Der Fauken – Das Gerinne ist marode

Am Fauken muss dringend etwas passieren, stellt Horst Hofmann klar. Und zwar noch mehr, als schon passiert ist. Oberhalb des Gebirgsbaches haben sich die Experten intensiv mit Murenabgängen und Hangrutschen befasst, die bereits zu massiven Überflutungen im Ortsteil Partenkirchen – zuletzt 2005 – geführt haben. Deshalb investierte der Freistaat rund 930 000 Euro, zwischen 2012 und 2015 entstanden gestaffelte Sperrenbauwerke, gigantische Gabionenwände, oberhalb der Ortschaft. Eine vorherige Sperre am Talausgang wurde zudem erhöht. „Im Oberlauf haben wir unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Hofmann bereits vor zwei Jahren bei einem Rundgang mit dem Tagblatt. Schon damals stand er vor der nächsten, wohl schwierigeren Aufgabe: jenem Abschnitt des Fauken, der durch Partenkirchen führt – zum großen Teil unterirdisch. Und durch marodes Gerinne. Das zu ertüchtigen wird teuer, kündigt Hofmann nun an, ohne dass er konkrete Zahlen nennen kann. Seine Behörde ist für den oberirdischen, die Marktgemeinde für den unterirdischen Teil zuständig. Dort setzt man sich mit dem Thema auseinander. Vor-, Entwurf- und Genehmigungsplanung mit einer Auftragssumme von etwa 50 000 Euro wurden Ende 2018 an ein Ingenieurbüro vergeben. Es hat Hofmann zufolge bereits den Bach vermessen als Grundlage für weitere Planungen und Kostenschätzungen zum Ausbau.

Der Ferchenbach – Auf der Liste weit oben

Verwüstung hat der Ferchenbach nach dem Starkregen vom 12. Juni 2018 in seinem Tal hinterlassen.

Lange schon weiß man: Der Ferchenbach könnte einmal Probleme bereiten. Wie groß die Gefahr tatsächlich ist, die von ihm ausgeht, wurde erst im vergangenen Jahr klar. Starkregen ließ den Bach, der kurz vor der Klamm in die Partnach fließt, anschwellen. Er riss Bäume mit, zum Teil bis zu acht Meter lange. Die Verklausungen hatten verheerende Folgen. Ein Mann ertrank in der Partnach, schwere Schäden entstanden. Spätestens seitdem steht dieser Wildbach in Hofmanns Prioritätenlisten ganz oben. Schutzmaßnahmen gestalten sich dort jedoch als schwierig. Die Gemeinde, die für den Unterhalt des Baches zuständig ist, hat eine Studie in Auftrag gegeben, um die beste Variante zu finden. Sie liegt nun vor. Hofmanns Fazit: Es wird wohl auf einen Wildholzrückhalt hinauslaufen.

Gerade schreibt die Behörde Bodenerkundungen aus. Die Kosten sind noch offen, sie dürften sich mindestens in der Größenordnung des Mittenwalder Lainbach-Projektes bewegen, vermutet Hofmann. Es hat rund eine Million Euro gekostet. Bis der Hochwasserschutz am Ferchenbach kommt, vergeht noch einige Zeit. Die Planungen sind kompliziert. Kopfzerbrechen bereitet auch die Zufahrt mit schwerem Gerät. In zwei, drei Jahren, schätzt Hofmann vorsichtig, könnte der Bau beginnen.

Die Kanker – Im Ort wird’s schwierig

Ein Wildholzrechen am Kankerbach reicht nicht, ein zweiter Schwemmholzrückhalt kommt.

An der Kanker hat man bereits 2010 festgestellt: Ein Wildholzrechen reicht nicht, um bei Hochwasser das gesamte Treibgut vor dem Überleitungsbauwerk oberhalb des Klinikums zurückzuhalten. Dort aber darf nichts das System blockieren, das im Notfall über gesteuerte Schützentafeln Wasser in die Partnach überleitet oder aufstaut. Als zusätzlichen Schutz vor Schwemmholz wurde ein zweiter Rückhalt für rund 550 000 Euro geplant. Der Auftrag für den Einbau der 16 Bohrpfähle ist bereits vergeben. Spätestens im August rückt das Großbohrgerät an. Mit den Anliegern habe man sich mittlerweile nach intensiven Gesprächen geeinigt, sagt Hofmann. Solche führte er auch zum Ausbau der Kanker im Ort. Und viele Gespräche liegen wohl noch vor ihm.

Rund 100 Jahre ist das Gerinne alt, bereits seit 2013 arbeiten die Fachleute an dessen Sanierung. Nach wie vor fehlen rund 600 Meter zwischen der Brücke an der Mittenwalder Straße und dem Kurpark. Vor allem rund 200 Meter zwischen Schorn- und Badgasse „werden uns noch eine Weile beschäftigen“. Hofmann schüttelt den Kopf, wenn er an die rund zehn Häuser in dem Bereich denkt, die größte Probleme bereiten. „Dass man früher so nah an einen Bach hingebaut hat. . .“ Heute würde das wohl keine Gemeinde mehr genehmigen. Zum Teil schließen die Gebäude mit der Ufermauer ab, zum Teil überragen sie diese sogar.

Das Wasserwirtschaftsamt hat eine Spezialfirma beauftragt, um nach Lösungen zu suchen. Das erste Büro präsentierte inakzeptable Ideen. Das zweite Büro lieferte nun eine Variante, die Hofmann gefällt. Statt einer schrägen Böschung schafft man eine U-förmige Wanne aus Spritzbeton, die einen senkrechten Ausbau ermöglicht. Zum ersten Mal seit gut zwei Jahren ist Hofmann zuversichtlich. „Ja, so könnte es hinhauen.“ Nicht nur, was die Häuser, sondern auch was alte Bäume betrifft. Zum Teil stehen sie ebenfalls an oder auf der Ufermauer. Bislang waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, die Bäume fällen zu müssen. Dagegen formierte sich Widerstand. Hofmann macht Hoffnung. „Vielleicht können wir zumindest ein paar Bäume retten.“

Die Loisach – Die Suche nach Lösungen läuft

Ein „bisschen Sorgen“ bereitet Hofmann die Loisach im Ortsteil Garmisch. Die aufwendigen Berechnungen und Planungen gerieten ins Stocken. „Aber wir sind jetzt dran.“ Ein Masterstudent hat einige Rechenläufe durchgespielt, wo sich Wasser staut, wo Probleme auftreten könnten. Ein Engpass bildet sich an der Loisachbrücke, der Durchlass ist zu klein. Hier wird nach einer Lösung gesucht. Hofmanns Ziel wäre, für dieses Projekt 2020 das Planfeststellungsverfahren anzugehen.

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