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Hat für immer die Türen geschlossen: die Hotelfachschule an der Bahnhofstraße in Garmisch-Partenkirchen.

Einrichtung ist bereits geschlossen

Zu wenig Einnahmen: Hotelfachschule in der Insolvenz

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Zu wenige Schüler und deshalb zu wenig Geld: Der Betrieb der Hotelfachschule ließ sich nicht länger aufrechterhalten. Am Montag dieser Woche musste Geschäftsführer Werner Prochaska den Weg zum Insolvenzgericht antreten. Ein Schock für die 16 Schüler. Zehn davon stehen wenige Wochen vor der Abschlussprüfung.

Garmisch-Partenkirchen – „Oh, nein! Da ist etwas schiefgelaufen“, erfährt der, der versucht, im Internet die Webseite der Hotelfachschule Garmisch-Partenkirchen aufzurufen. Sie existiert nicht mehr. Bei der Bildungseinrichtung, die vor 60 Jahren gegründet wurde und deren Absolventen für gehobene Tätigkeiten und Führungsaufgaben in der Gastronomie und Hotellerie qualifiziert wurden, ist wirklich etwas schiefgelaufen. Geschäftsführer Werner Prochaska hat Insolvenz für die GmbH angemeldet. „Der Antrag ist am 26. Februar bei uns eingegangen“, sagt Christiane Serini, Pressesprecherin des Amtsgerichts Weilheim, das für Insolvenzangelegenheiten auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zuständig ist. Serini zufolge ist noch kein vorläufiger Insolvenzverwalter bestimmt.

Prochaska bestätigt, dass die Schule, die ihre Räume in einem Gebäude an der Bahnhofstraße hatte, am Mittwoch für immer ihre Türen geschlossen hat. Viereinhalb Stellen fallen weg. „Da sind Tränen geflossen, auch bei mir. Immerhin habe ich seit 1988 für die Schule gearbeitet.“ Die rückläufigen Studentenzahlen und die vielen Schulen gleichen Zuschnitts, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, macht er für das Aus verantwortlich. Zudem seien Bildungsaufträge weggebrochen. „Wir hatten einfach zu wenig Einnahmen.“ Ob und wie tief die Schule in den roten Zahlen steckt, wollte er nicht sagen. „Darüber gebe ich keine Auskunft.“

„Wir sind aus allen Wolken gefallen und waren wie vor den Kopf gestoßen.“

Johanna Emehrer zählt zu den Betroffenen, die über Nacht ihren Fortbildungsplatz verloren haben. Staatlich anerkannte Hotelbetriebswirtin wollte sie werden. Die Schüler, sechs davon im ersten Jahr, zehn, die in einigen Wochen ihre Abschlussprüfungen machen sollten, erfuhren die schlechte Nachricht durch Prochaska bereits in der vergangenen Woche. „Wir sind aus allen Wolken gefallen und waren wie vor den Kopf gestoßen“, sagt die 28-Jährige. Der Schule stellt sie trotz der zahlreichen Schwierigkeiten, die sie jetzt meistern muss, ein gutes Zeugnis aus. „Ich war sehr zufrieden.“ Sie kenne viele Leute, die auch dieser Meinung sind. „Ich hatte mich im Vorfeld erkundigt: Der Ruf ist gut gewesen.“

Zum Grund, warum die Hotelfachschule in finanzielle Schieflage geraden ist, dafür hat Emehrer die identische Erklärung wie Prochaska. „Es waren mit Sicherheit zu wenig Schüler. Damit lässt sich meiner Meinung nach kein kostendeckender Betrieb aufrechterhalten.“

Die Studenten ließen sich ihre Ausbildung etwas kosten. Für das zweite Semester habe sie schon 1990 Euro gezahlt. Von diesem Betrag, befürchtet Emehrer, wird sie nichts mehr zurückbekommen. „Der fließt sicherlich in die Insolvenzmasse.“ Prochaska bestreitet allerdings, dass Schüler Vorkasse geleistet haben. „Wir haben jeden aufgefordert, nichts zu überweisen. Niemand hat meines Wissens etwas bezahlt.“

Emehrer ist froh, dass sie ihre Ausbildung an der Hotelfachschule in München fortführen kann. Aber auch die gibt’s in der Landeshauptstadt nicht zum Nulltarif. Ganz im Gegenteil. Auf sie kommen weitere finanzielle Belastungen zu. Für die nächsten eineinhalb Jahre fordern die Münchner pro Monat 420 Euro. „Natürlich habe ich etwas gespart, um die Ausbildung finanzieren zu können.“ Im Eibsee-Hotel in Grainau hat Emehrer Hotelfachfrau gelernt. Derzeit jobbt sie einmal pro Woche in der Schranne in Garmisch-Partenkirchen, um sich ein Zubrot zu verdienen. Sie dürfe während der Ausbildung, die in Vollzeit absolviert werden muss, nur 450 Euro erhalten.

Für Jutta Griess, die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG), bedeutet das Aus der Hotelfachschule „eine Katastrophe. Sie war sehr wichtig für uns.“ Dass es der Einrichtung zuletzt nicht mehr besonders gut gegangen ist, hatte sie schon läuten gehört. „Allerdings kannte ich die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht.“

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