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Lächeln für den Fotografen: (v. l.) Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer, Thorsten Unseld (GaPa-Tourismus), Dr. Sigrid Meierhofer, Tourismus-Direktor Peter Nagel, Jutta Griess und Peter Wolf (Hotel Obermühle). 

Gastgeber zahlen teilweise drauf

Hotellerie in der Bredouille: Gemeinde führt erhöhte Kurtaxe zu schnell ein 

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Zwischen Hotellerie und Gemeinde läuft’s derzeit nicht wie geschmiert. Es geht um die Kurtaxe. Streitpunkt ist nicht die Erhöhung, sondern der Zeitpunkt der Einführung. Weil mit den großen Reiseveranstaltern Festpreise abgeschlossen wurden, kann es sein, dass auf die Hotels Kosten zukommen, die sie nicht zu verantworten haben.

Garmisch-Partenkirchen – Als streitbare Frau hat sich Jutta Griess über die Grenzen von Garmisch-Partenkirchen hinaus einen Namen gemacht. Die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands setzt sie sich vor allem für das wirtschaftliche Fort- und Auskommen ihrer Mitglieder ein, hat aber auch das große Ganze im Blick: den Tourismus. Beides ist eng miteinander verknüpft. Die Rahmenbedingungen, damit alle Rädchen wie geschmiert ineinandergreifen, muss allerdings die Politik schaffen. Und da knirscht es offenbar etwas im Getriebe. Deutlich wurde dies beim Hoteliers-Stammtisch im Kurpark-Pavillon, zu dem Griess stets die Führung von GaPa-Tourismus sowie Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und deren Vize Wolfgang Bauer (CSU) einlädt. Nachdem Meierhofer rund 45 Minuten zu aktuellen Themen referiert und auch Fragen beantwortet hatte, kam erst ganz am Schluss jener Punkt zu Sprache, der deutlicht machte, dass die Hotellerie nicht alles gutheißt, was Ausschüsse und Gemeinderat produzieren.

Stein des Anstoßes: die Kurtaxe, die von zwei auf drei Euro pro Tag angehoben wurde. Die war nach Vorberatungen im Tourismus- und Finanzausschuss durch den Gemeinderat am 22. November vergangenen Jahres verabschiedet worden und heuer am 1. Februar in Kraft getreten. Die schnelle Umsetzung, nicht die Erhöhung stellt für die Hotels ein Problem dar. „Dadurch sind wir in die Bredouille geraten“, sagt Griess. Ihr Verband und die örtlichen Mitglieder hätten sich einen längeren Vorlauf gewünscht, um darauf reagieren zu können. „Ein Jahr wäre nötig gewesen“, meint Griess. Die Chefin des Rheinischen Hofs ist sauer, weil sich die Kurtaxe nun für sie und ihre Kollegen zu einem Minusgeschäft entwickelt hat. „Das ist für uns der Worst Case. Da krieg ich so einen Hals“, schimpft Griess. Die Hotels müssen teilweise die Erhöhung der Kurtaxe aus der eigenen Tasche bezahlen und bleiben womöglich auf einem vier- bis fünfstelligen Euro-Betrag sitzen. „Die genaue Höhe lässt sich nicht beziffern.“

Der Grund: Die Vereinbarungen mit den großen Reiseveranstaltern waren längst geschlossen, als der Gemeinderat die Erhöhung der Kurtaxe durchwinkte. Im Preis, die der Urlauber zahlen muss, ist die damals geltende Gebühr inkludiert. „Es geht allein ums Volumengeschäft. Der Individualgast ist nicht das Problem“, sagt Kerstin Schumann, Direktorin des Riessersee Hotels. „Es kann doch nicht sein, dass wir Geld einholen und dann noch draufzahlen.“

Seit November befindet man sich Griess zufolge mit der Gemeinde in Gesprächen. Ohne greifbares Ergebnis. Auf eine Übergangslösung pocht Griess. „Die muss her.“ Am liebsten wäre ihr eine Kompensation. Doch die scheint nicht möglich. Das stellte dem Vernehmen nach Marktrechtsrat Uwe Gaber fest. „Man kann das nicht nur vom juristischen Standpunkt aus sehen“, sagt Griess. Es gebe auch eine moralische Verpflichtung. Wenn man einen Fehler gemacht habe, dann sei man auch verpflichtet, den zu beheben. Beim Hotellerie-Stammtisch versprach Bauer, der sich sichtlich unwohl in seiner Haut angesichts der Kritik fühlte, er wolle die Kurtaxe im Tourismusausschuss, den er leitet, „noch einmal thematisieren“. Doch der ist offenbar nichts das richtige Gremium, um das Problem zu beheben. Meierhofer bestätigt, dass nur der Gemeinderat eine Änderung herbeiführen könne.

Und weil sich Griess beim Stammtisch so schön in Fahrt befand, fragte sie Meierhofer, warum sie nie zu den Jour-fix-Terminen zwischen Hotellerie und GaPa-Tourismus erscheine. „Ich habe keine Einladung bekommen“, erklärte die Rathaus-Chefin. Dem widersprach Griess energisch. „Sie erhalten immer eine.“ Ein weiteres Indiz, wie frostig das Klima zwischen Gemeinde und Leistungsträgern derzeit ist.

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