Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch.
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Zu deutschlandweitem Renommee hat Professor Dr. Herbert Leyh dem Klinikum verholfen.

Im Ausschlussverfahren zum Traumberuf

Ein gut bestelltes Feld: Professor Dr. Herbert Leyh verlässt das Klinikum

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Nach fast 22 Jahren verlässt Professor Dr. Herbert Leyh das Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Ein Abschied, der dem Chefarzt der Urologie und Kinderurologie schwerfällt. Sein Fachgebiet lässt ihn aber auch im Ruhestand nicht los, er engagiert sich noch für die Weiterbildung junger Mediziner.

  • „Ich arbeite gern“: Professor Dr. Herbert Leyh fällt der Abschied vom Klinikum schwer.
  • Unter Leyhs Ägide wurde die Kinderurologie ausgebaut und die Abteilung umbenannt.
  • Freundeskreis und der Garten kamen während seiner aktiven Zeit am Klinikum zu kurz.

Garmisch-Partenkirchen – Im Ausschlussverfahren hat sich Professor Dr. Herbert Leyh während seines Studiums für eine Fachrichtung entschieden. Herausgekommen ist die Urologie. „Da kann man am meisten machen – operieren und konservativ behandeln“, sagt der Chefarzt der Urologie und Kinderurologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Am Freitag verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Vor allem die Möglichkeit, endoskopisch zu operieren, die damals in der Chirurgie noch nicht verbreitet war, faszinierte ihn an der Urologie. „Ein überschaubares, aber sehr vielseitiges Fach.“ Dass er mit dieser Wahl in die Fußstapfen seines Vaters tritt, ergab sich erst im Lauf der Zeit an der Ludwig-Maximilian-Universität. „Er hat’s nicht mehr miterlebt, er ist zu Beginn meines Studiums gestorben“, sagt der Münchner. Klar ist aber: „Er hätte sich riesig gefreut.“

Sein Nachfolger, Dr. Michael Reiter, fängt zum 1. Juni an

Die Praxis seines Vaters gab’s nicht mehr, als Leyh seine Approbation in der Tasche hatte. Sicher auch ein Grund, warum er sich für eine Krankenhaus-Karriere entschied. Ein weiterer: „Da hat man sehr viel mehr Abwechslung.“ Nach Stationen an der Chirurgischen Klinik Bogenhausen sowie am Klinikum rechts der Isar kam er 1999 nach Garmisch-Partenkirchen. Eine gute Wahl, schließlich hatte er an diesem, im bayernweiten Vergleich eher kleinen Haus die Möglichkeit, seine Passion weiterzuverfolgen. Die Weiterbildung junger Ärzte ist dem 67-Jährigen ein großes Anliegen. Das lässt ihn wie einige andere Tätigkeiten auch im Ruhestand nicht los. Ein Glück. Sich aus dem Klinikum zurückzuziehen, fällt ihm nämlich gar nicht leicht. „Ich arbeite gern.“ Nachdem jetzt mit Dr. Michael Reiter ein geeigneter Nachfolger gefunden wurde, der zum 1. Juni anfängt, kann Leyh seine Abteilung beruhigt abgeben.

Reiter übernimmt ein gut bestelltes Feld. Sein Vorgänger, dem zufriedene Patienten am wichtigsten waren, hat ein breites Behandlungsspektrum angeboten. „Alle urologischen Erkrankungen konnten vor Ort versorgt werden“, erklärt Leyh. Sein Schwerpunkt: die gutartige Prostatavergrößerung. Damit erreichte er deutschlandweites Renommee, ist seit Jahren als Top-Mediziner im Fokus gelistet – als einer von drei Ärzten vom hiesigen Klinikum. Neben ihm sind dort noch Dr. Christian Fulghum von der endogap Klinik für Gelenkersatz und Professor Dr. Hans-Dieter Allescher vom Zentrum Innere Medizin aufgeführt. Ein Erfolg, der auch auf das Haus an der Auenstraße ausstrahlt.

Wichtig ist, bis 14 Uhr mindestens eineinhalb Liter zu trinken

Unter Leyhs Ägide geschah zudem die Umbenennung der Abteilung in Urologie und Kinderurologie. Mit seiner Oberärztin Dr. Ulrike Necknig, die sich dafür eigens in Linz weiterbildete, baute er den Bereich für die jungen Patienten sehr erfolgreich auf. Bis aus München kommen Kinder und Jugendliche, um in Garmisch-Partenkirchen behandelt zu werden. Bei ihnen macht sich Leyh wenig Sorgen, dass sie zu wenig trinken. „Da ist die heutige Jugend fleißig, fast alle haben immer einen Trinkbecher oder eine Flasche dabei.“ Viele, gerade ältere Damen, haben es hingegen versäumt, sich ein richtiges Trinken anzugewöhnen. Bis 14 Uhr sollten es mindestens eineinhalb Liter sein. Die unschöne Folge, wenn man das nicht befolgt: chronische Blasenentzündung und dann Inkontinenz. „Ein Teufelskreis“, sagt der Mediziner. Auch deshalb sind längst bis zu ein Drittel aller Patienten Frauen. Er und sein Team kümmern sich eben um sämtliche Blasen- und Nierenerkrankungen.

„Tüchtig und engagiert“ beschreibt der Professor seine Mitarbeiter. „Vier Assistenten, mit denen ich seit zwei Jahrzehnten zusammenarbeite, wurden im Laufe der Zeit zu Oberärzten ernannt und stellen heute eine wesentliche Stütze der Abteilung dar.“ Darauf ist er stolz. Genau wie auf die Junior-Akademie, die er als Weiterbildungsbeauftragter der Deutschen Gesellschaft für Urologie etabliert hat. Hier wird sich Leyh weiterhin einbringen – „zumindest ein paar Jahre noch“.

Mit seinen Oberärzten gründete er das Assistentenseminar, das seit 2002 in Garmisch-Partenkirchen tagt. „Das ist richtig Kult, sobald es im Internet steht, ist es ausgebucht.“ Der Vorteil dieser Veranstaltung: Hier trifft sich die Jugend, arbeitet „in toller Atmosphäre“ von früh bis spät intensiv zusammen, bildet Netzwerke und traut sich, alle Fragen loszuwerden. Auch künftig sollen diese Treffen unter der Alpspitze stattfinden. „Mein Nachfolger hat zugesagt, dass er das unterstützt“, sagt Leyh erfreut.

Mehr Zeit für die Freunde und zum Reisen

Loslassen fällt ihm schwer. Das gibt der mehrfach ausgezeichnete Mediziner unumwunden zu. Deshalb ist er froh, dass er in etlichen Bereichen noch gefragt ist. Etwa als Generalsekretär der Bayerischen Urologenvereinigung. Seinen Wohnsitz verlegt er mit seinem Abschied vom Klinikum, „das gut aufgestellt ist und den richtigen Geist hat“, wieder nach München.

Die Wohnung seiner Eltern in Haidhausen hat er all die Jahre behalten. Bislang ist er, abhängig vom Dienstplan, meist an den Wochenenden gependelt, auch um seine Konzert- und Opern-Abonnements auszukosten. Kunst und Kultur sind ihm wichtig. Genau wie sein Freundeskreis. „Der kam in der Vergangenheit häufig zu kurz.“ Nachdem jetzt aber all seine Schul- und Studienkameraden in den Ruhestand gehen, können diese Verbindungen wieder aufleben.

Auf Leyhs Agenda stehen zudem Reisen. Eine Leidenschaft, die zuletzt zu kurz kam. Vorzugsweise stellt er seine Touren selbst zusammen, einen Mix aus Natur und Kultur. 2019 war er in der Provence, wo es ihn als nächstes hinzieht, weiß er er noch nicht. „Ich habe verschiedene Ziele im Kopf.“ Und dann freut er sich auf seinen Garten, „den musste ich bisher fremdversorgen lassen“. Damit ist jetzt Schluss. Denkt er an diese Aktivitäten, fällt ihm der Abschied aus dem Klinikum etwas leichter.

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