Hansjörg Wiesböck, Leiter des Impfzentrums in Garmisch-Partenkirchen, führt die BRK-Mitarbeiter ein und zeigt eine Ampulle des Impfstoffs
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Das Mittel, auf das viele gewartet haben: Hansjörg Wiesböck mit einer Ampulle bei der Einweisung der BRK-Mitarbeiter.

Corona-Pandemie

Impf-Auftakt nach Maß im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Die ersten 100 Heimbewohner im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind am Sonntag in zweieinhalb Stunden mit dem Impfstoff versorgt worden - Komplikationen sind bisher nicht bekannt. Schon Mitte dieser Woche soll es weitergehen.

Landkreis – In nicht einmal drei Stunden war alles erledigt. 100 Dosen des ersten Impfstoffs haben zwei mobile Teams des Bayerischen Roten Kreuzes mithilfe zweier Ärzte und unter Beobachtung des Gesundheitsamtes an Bewohner von drei Pflegeeinrichtungen in Garmisch-Partenkirchen verimpft. Fazit: „Fürs erste Mal ist alles sehr gut gelaufen“, betont Hansjörg Wiesböck, organisatorischer Leiter des Impfzentrums. „Wir hatten ein sehr gutes Team.“ Auch medizinisch habe es bisher keine Probleme gegeben. Das unterstreicht Jörg Jovy, Sprecher des BRK-Kreisverbands. „Uns ist nichts von Komplikationen bekannt. Wir werden die Lage aber weiter beobachten.“

Zweieinhalb Stunden Impfen waren’s, mindestens so viele aber auch in der Vorbereitung an diesem Sonntag. Wiesböck hatte am Morgen die wertvolle Ware aus einem geheimen Lager persönlich an die Impfstation des Landkreises am Alpspitz-Wellenbad in Garmisch-Partenkirchen gebracht. Dort warteten bereits die Mitarbeiter des BRK und die beiden Ärztinnen – Dr. Kristina Ott und Dr. Verena Wörndle – auf die kleinen, gekühlten Ampullen. Ein Schnelltest aller Beteiligten gehörte selbstverständlich mit zum Programm, dann erfolgte die Einweisung zur Anwendung. Ein wichtiger Punkt, versichert Jovy. „Die Aufbereitung des Impfstoffes ist ein wenig ungewöhnlich.“ Das gekühlte Präparat, das in Spezialbehältern bei rund null Grad transportiert und gelagert wird, muss zunächst mit Kochsalzlösung angereichert und auf spezielle Weise vermischt werden, bevor es einsatzfähig ist. „Einmal in eine Spritze aufgezogen, darf es zudem nicht mehr geschüttelt werden. Das heißt zum Beispiel auch, nicht über Treppen oder weite Wege transportiert werden“, erklärt Jovy.

Mit Eskorte zum Einsatzort: Das BRK-Impfteam ist mit Polizeibegleitung unterwegs.

Tross fährt mit Polizeieskorte zu den Pflegeheimen

Kurz vor 12 Uhr brach der Tross dann auf in Richtung der Heime – mit einer Polizeieskorte. Den Anfang machten die mobilen Mannschaften in den Seniorenwohnheimen Sonnenhof und Bellevue und dem Pflegeheim Haus Alexandra, allesamt im Ortsteil Garmisch. „Natürlich war die Aufregung zu spüren“, räumt Jovy ein. „Auch wenn unsere Kräfte alle Profis sind, ist das schon immer wieder Neuland.“ Die ersten Impfungen bei den Patienten setzten die Ärztinnen selbst. „Aber die Routine hat sich sehr schnell eingestellt“, lobt Jovy. „Die Einsatzbedingungen sind ja an fremden Orten im mobilen Dienst auch nicht die einfachsten, da muss sich alles erst ein wenig einspielen.“

In den Heimen wurden die Teams sehr positiv empfangen. „Sowohl von den Leitungen wie auch dem Pflegepersonal und den Bewohner selbst“, bestätigt Wiesböck. Von 45 Menschen im Sonnenhof an der Zugspitzstraße zeigten sich 44 einverstanden, sich impfen zu lassen. „Die Bereitschaft war erfreulich hoch“, urteilt Ott, die Koordinatorin der Hausärzte in der Corona-Pandemie. „Einige wenige meinten, dass sie erst abwarten, sich aber grundsätzlich impfen lassen“, merkt Wiesböck an.

Neuer Impfstoff wird für 29. oder 30. Dezember erwartet

Spannend werden nach diesem Auftakt die kommenden Tage bis zum und über den Jahreswechsel. Denn der nächste Impfstoff ist für den 29. oder 30. Dezember angekündigt. Dann soll es auch eine deutlich größere Menge für den Landkreis geben. „Die Rede ist von zweimal rund 320 Dosen“, präzisiert Wiesböck. Damit könnten deutlich mehr Menschen versorgt werden. „Wir würden dann vom 30. Dezember bis 2. oder 3. Januar impfen.“ Die Teams dafür stehen in den kommenden Tagen immer bereit. Es gibt einen festgezurrten Bereitschaftsplan. „Vielleicht schaffen wir es in den nächsten 14 Tagen, all die Heimbewohner von 800 im Landkreis zu impfen, die das auch wollen“, sagt Jovy. Danach wäre das Pflege- wie auch das Klinikpersonal an der Reihe. Dazu würde dann auch die Impfstation in Garmisch-Partenkirchen tatsächlich eröffnet. Ein mögliches Zeitfenster könnte die zweite Januarwoche sein.

Eine der Ersten im Landkreis: Annemarie Scherer (85) lässt sich den Impfstoff injizieren.

Zunächst aber gilt alle Aufmerksamkeit den Heimbewohnern. Annemarie Scherer war am Sonntag eine der Ersten, die geimpft wurde. Die 85-Jährige verbindet den Vorgang mit Hoffnung: „Nun wird alles besser, und wir können bald wieder uneingeschränkt Besuch bekommen.“ Das ist ihr Wunsch. Einer, den viele hegen.

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