Protest gegen die Absperrung: Rund 30 Kinder demonstrieren vor dem Baustellenzaun, der den Zugang zu ihrem improvisierten Fahrradparcours unmöglich macht.
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Protest gegen die Absperrung: Rund 30 Kinder demonstrieren vor dem Baustellenzaun, der den Zugang zu ihrem improvisierten Fahrradparcours unmöglich macht.

Kinder errichteten Parcours auf Ablagefläche

Fahrradpark abgesperrt: Der Aufstand der Kleinen

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Plötzlich war ein Zaun um ihren „Spielplatz“: Kinder demonstrierten jetzt an der Garmisch-Partenkirchner Krankenhausstraße gegen die Absperrung ihres Fahrradparcours, weil er als Lagerfläche genutzt werden soll. Die beiden Bürgermeisterinnen kamen, um den Zaun zu öffnen – der Schritt bereitet ihnen jedoch Bauchweh.

Garmisch-Partenkirchen – Heulende Kinder, verärgerte Mütter und mitten drin zwei frischgewählte Bürgermeisterinnen, die sich mit so mancher Altlast aus der vergangenen Legislaturperiode konfrontiert sehen. Diese Szenerie bot sich während einer spontanen Demonstration von rund 30 Kindern auf der geplanten Spielwiese an der Garmisch-Partenkirchner Krankenhausstraße. Es geht um einen Bauzaun und um eine Spielwiese, die einfach keine werden will.

Aber von vorn. Im Frühjahr 2014 ist der Spielplatz auf dem Areal zwischen Krankenhaus- und Gartenstraße abgerissen worden. Wenig später hat der Gemeinderat entschieden, auch das alte Krankenhaus dem Erdboden gleich zu machen. Beides wich dem Neubaugebiet, auf dem sowohl das Hotel Quartier als auch ein Wohngebiet Platz gefunden haben. Das war vor sechs Jahren.

Spielwiese bietet bislang trostlosen Anblick

Den Dialog mit den Kindern suchen Bürgermeisterin Elisabeth Koch (r.) und ihre Stellvertreterin Claudia Zolk (2.v.r.).

Seither ist der Grund im gemeindlichen Besitz mehr als einmal in die Schlagzeilen geraten. Versprochen wurden rund 150.000 Euro, die man in die Hand nehmen wolle, um hinter der Krankenhausschule auf etwa 12.000 Quadratmetern einen neuen Bereich zu schaffen, auf dem die Kleinen nach Herzenslust spielen können. Bei der Realisierung kam es allerdings durch die Fachfirma immer wieder zu Verzögerungen, wie Rathaussprecherin Ute Leitner mitteilt.

Seither bietet das Areal ein eher trostloses Bild: eine steinige Wiese, hart wie Beton, ein abgesperrter Bolzplatz und große Schutthaufen – nur wenig erinnert an eine Spielwiese. Die Kinder sind deshalb selbst kreativ geworden. Auf Eigeninitiative haben sie aus dem Schutt das in ihren Augen Beste gemacht: einen etwa eineinhalb Meter hohen Kieshaufen, den sie als Rad-Parcours benutzen, der in einer abenteuerlichen Sprungschanze gipfelt.

Damit war am Mittwochvormittag Schluss – ausgerechnet kurz vor den Pfingstferien. Ein Baustellenzaun umschloss plötzlich das improvisierte Bike-Paradies. Das Areal ist kurzfristig zur Ablagefläche für das Material der Baumaßnahmen an der Olympiastraße umfunktioniert worden. Der Grund: Diese Fläche ist laut Bebauungsplan kein Teil der naturnahen Spielfläche. Die zutiefst traurigen Kinder erzählten weinend ihren Eltern davon. Ihr kleines Spielparadies war hinter Gittern. Sie machten sich mit Buntstiften ans Werk, bemalten große Pappschilder mit Bildern, taten mit Schriftzügen ihren Unmut kund.

Bürgermeisterinnen-Duo Koch und Zolk kommen persönlich, um Zaun zu öffnen

Als Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) von dem Aufruhr erfuhr, ließ sie sofort im Rathaus ihre Akten liegen und schnappte sich die zweite Bürgermeister Claudia Zolk (CSB). Kurze Zeit später landete das Rathaus-Duo mitten in einer spontanen Demo der Kleinen vor dem Baustellenzaun an der Krankenhausstraße.

Noch bevor Koch mit den Beteiligten sprach, schreckte sie kurzzeitig auf. Die Kinder würden am liebsten das Rathaus einzuzäunen, teilten sie auf den Schildern mit – und malten Messer und Totenkopf dazu. „Das geht überhaupt nicht“, sagte Koch zu den zahlreichen anwesenden Müttern. Noch am selben Tag kümmerte sich die Rathauschefin um eine andere Ablagefläche am Eisstadionareal. Sie öffnete gemeinsam mit Zolk den Baustellenzaun, allerdings mit Bauchweh: Denn es ist nicht restlos geklärt, wer für Schäden oder Verletzungen haftet. Sie wollen sich aber darum kümmern, „im Garmischer Zentrum endlich wieder einen attraktiven Spielplatz und Aufenthaltsort zu schaffen“, versprach Zolk.

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