Schneekanonen laufen an der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen. Zu sehen ist der Streckenabschnitt FIS-Schneise auf der bekannten Rennstrecke am Kreuzeck
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Die Strecke ist bereit: An der Kandahar herrschen beste Bedingung wie hier an der FIS-Schneise.

Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen

Ski-Weltcup: Garmisch-Partenkirchen bereitet sich auf dreiwöchige Belastungsprobe vor

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Das wird ein hartes Stück Arbeit für die Mitarbeiter des Weltcup-OK in Garmisch-Partenkirchen, die Ski-Rennen der Damen und Herren Ende Januar und Anfang Februar über die Bühne zu bringen. Corona sorgt für einen großen Mehrwaufwand.

Garmisch-Partenkirchen – Diese Nachricht aus Wengen hat Peter Fischer dann doch ein wenig aufgeschreckt: Die Klassiker, die Lauberhornrennen, sind dort am Montag kurzfristig abgesagt worden. Die Teams befanden sich teilweise schon in der Anreise. „Ich bin gespannt, ob denen als Reaktion jetzt noch etwas Neues einfällt“, sagt der Chef des Weltcup-Organisationskomitees in Garmisch-Partenkirchen. Mit „denen“ meint er die Verantwortlichen des Ski-Weltverbands FIS. Die wachen darüber, dass in diesem Ski-Winter alle Wettbewerbe in einem coronakonformen Rahmen über die Bühne gebracht werden können.

Viel Hintergrundarbeit hat das Organisationsteam schon hinter sich. Fritz Dopfer, Fischers Vize und avisierter Nachfolger, hat ein Hygienekonzept aufgestellt. Zuerst mit Zuschauern. Dann ohne. „Seit August“, sagt Fischer, „tun wir schon rum mit Corona und Hygiene.“ Exakt jenes Thema war es freilich, das nun den Schweizer Kollegen das Genick gebrochen hat. Hohe Inzidenzen plagen die Region um Wengen im Berner Oberland. Bei mehr als 450 lag der Wert zuletzt. Die Schweizer berechnen ihn allerdings für zwei Wochen. Das eigentliche Problem: War der Skiort zunächst kaum betroffen, „hat sich das Virus seit Mitte Dezember sehr schnell verbreitet. In nur vier Wochen wurden über 60 Fälle innerhalb der Wengener Bevölkerung gemeldet“, heißt es in einer Presseerklärung des Kantons Bern. Entscheidend: Es soll Infektionen gegeben haben, die auf die Organisation der Rennen unmittelbar Einfluss genommen hätten. Also zog der Kanton die erteilte Genehmigung für die Wettbewerbe zurück.

Fischer weiß: In Corona-Zeiten ist alles nur eine Momentaufnahme

Fischer weiß, dass jede aktuelle Entwicklung nur eine Momentaufnahme ist. „Es kann einen Tag später alles anders sein.“ Er hofft es freilich nicht. Denn grundsätzlich sieht er das Garmisch-Partenkirchner OK und vor allem alle Helfer und Partner drumherum sehr gut aufgestellt für die mächtige Herausforderung, die Ende Januar, Anfang Februar naht. „Wir haben das Theater ja im Doppelpack“, merkt Fischer an und lacht. Tatsächlich ist Garmisch-Partenkirchen im derzeit gültigen Kalender der einzige Skiort, der heuer Damen- und Herren-Rennen austrägt. „Die letzten Überlebenden quasi.“ Sonst gehören Lake Louise (Kanada) und Val d’Isère (Frankreich) stets noch diesem kleinen feinen Klub an. Nicht so im Corona-Winter.

Die Theorie bereitet Fischer tatsächlich nicht mehr ganz so viel Kopfzerbrechen. Mit der Zugspitzbahn habe von der ersten Minute alles gepasst. „Es hat nie zur Debatte gestanden, dass wir diesen Weltcup nicht fahren wollen.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt lobt er in höchsten Tönen. „Da wird wirklich versucht, auf uns einzugehen, Lösungen zu finden, das müssen die auch nicht tun, könnten auf ihre Paragrafen verweisen.“

Auf sein Team Kandahar kann Fischer sowieso bauen. Das hat über Jahrzehnte bewiesen, was es zu leisten im Stande ist – bei widrigsten Bedingungen. Fischer kramt in dieser Hinsicht gerne einen seiner Klassiker aus der Sprüche-Kiste hervor: „Wenn’s leicht wäre, könnte es ja jeder machen.“ Heißt im Umkehrschluss: Wenn’s zaach wird, braucht’s halt die Garmisch-Partenkirchner Crew. Man denke nur an den vergangenen Winter mit den massiven Wetterkapriolen.

Der Faktor Natur sorgt für die bangen Gedanken im OK-Team

Genau dieser Faktor Natur führt dann aber auch zu etwas bangeren Gedanken. „Die Praxis ist es, die uns vor eine enorme Belastungsprobe stellen könnte“ – das weiß Fischer. Stürmt es, schneit es in rauen Mengen, dann wird es knifflig. Denn: Heuer ist alles anders. Ein Satz, den sicher kaum noch einer hören kann. Aber, er trifft zu: Die Arbeitsteams beim Weltcup dürfen maximal aus vier Personen bestehen – und sollen sich nicht vermischen, am besten dauerhaft aus dem Weg gehen. Nicht einfach, aber machbar. Der Sicherheit wegen. „Hätten wir wirklich einen Positivfall im Team, dann müssten wir nur diese vier Betroffenen rausnehmen, nicht gleich eine ganze Einheit mit 30 Mann oder so.“ Das würde in einer organisatorischen Notlage am Berg zu vielleicht unüberwindbaren Problemen führen. Also gibt es die klare Absprache mit dem Gesundheitsamt, die Teams auf diese Größe zu fixieren.

Für den medizinischen Positivfall ist das OK selbstverständlich gewappnet. Im Haus des Deutschen Skilehrerverbands direkt neben der Talstation der Alpspitzbahn unweit des Kandahar-Ziels entsteht das medizinische Zentrum. Dort wird getestet in den Weltcup-Tagen, dort gibt es sogar ein Isolierzimmer. Dr. Ludwig Rauch aus dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen, der dort auch im Krisenstab sitzt, wird neben Rennarzt Dr. Christoph Mößmer die Leitung übernehmen.

Rennstrecke Kandahar bereits in Top-Zustand

Bisher ist an alles gedacht. Bleibt der Sport. Aber der macht Fischer keine Angst. „Die Strecke ist top beieinander.“ Am 18. Januar startet der finale Aufbau. Dann beginnt die dreiwöchige Herausforderung. Fischer fasst sie noch einmal zusammen: „Wir tun alles, damit diese Rennen stattfinden können.“

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