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Das Levi-Mausoleum, das während der Nazi-Herrschaft zerstört wurde, stammt von dem bekannten Architekten Adolf Hildebrandt.

Das Grab des Ehrenbürgers soll endlich an die Gemeinde übergehen

In Erinnerung an sein Lebenswerk: Drei Tage für Hermann Levi

In die Causa Hermann Levi kommt Bewegung. Endlich. Das Grab des Ehrenbürgers soll in Kürze an die Gemeinde übergehen. Außerdem wird das musikalische Wirken des Künstlers geehrt – durch Hermann-Levi-Tage mit Konzerten und musikwissenschaftlichen Beiträgen.

Garmisch-Partenkirchen In regelmäßigen Abständen flammt der Name Hermann Levi in den letzten Jahren in den Medien auf, sorgt in der Kommunalpolitik für Diskussionen, dann wird es wieder still. Jetzt scheint erneut Bewegung in die Sache zu kommen. Auf künstlerischer Seite mit „Hermann-Levi-Tagen“, in der Ortspolitik mit der Übernahme der Grabstätte.

Ein langer Prozess“, bestätigt Rathaus-Sprecherin Ute Leitner. „Dem Markt Garmisch-Partenkirchen geht es letztendlich darum, das Erinnern an Hermann Levi nicht nur in Einzelaktionen festzumachen.“ Den berühmten jüdischen Dirigenten, Wohltäter und Ehrenbürger des Ortes endlich die ihm zustehende Würdigung zukommen zu lassen, darum bemühen sich Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und mit ihr weitere Kommunalpolitiker seit Langem. Speziell ihr ist es zu verdanken, dass der Erinnerungsprozess wieder in Gang kam.

Die Bürgermeisterin suchte 2017 Rat und Hilfe bei Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelischen Kultusgemeinde Oberbayern, berichtete ihr vom Zustand der verfallenen Gruft. Diese war zuerst von den Nazis geschändet, Ende der 1950er Jahre wegen Straßenerweiterung bis auf eine zerborstene Bodenplatte abgetragen worden, ringsum lag Gerümpel. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich das erfuhr“, äußerte Knobloch damals gegenüber der Presse. Inzwischen ist nach der Öffnung der Gruft die zunächst geplante Überführung des Zinksarges auf den jüdischen Friedhof nach München vom Tisch. Das Grab auf dem früher zur Levi-Villa gehörenden, jetzt im Privatbesitz von Ecko Eichler befindlichen Grundstück am Riedhang soll an die Gemeinde übergehen. „Die Überlassung steht kurz bevor“, sagt Leitner. Es tut sich also was.

Prominenter Besuch hat zum Erfolg beigetragen

Dazu hat wohl auch der prominente Besuch Kyrill Petrenkos, des Generalmusikdirektors der Münchner Staatsoper, quasi des Amtsnachfolgers von Levi, im Januar dieses Jahres beigetragen. Er könne sich durchaus vorstellen, mit einem Kammerorchester zu Ehren von Levi nach Garmisch-Partenkirchen zu kommen, hier zu dirigieren, berichtete eine überregionale Zeitung. Da Petrenko ab kommender Spielzeit Chef der Berliner Philharmoniker ist, bleibt die Realisierung abzuwarten.

Kyrill Petrenko will zu Levis Ehren ein Kammerorchester dirigieren.
Hermann Levi wurde 1898 Ehrenbürger von Partenkirchen. 

Konkretes gibt es dagegen im Richard-Strauss-Institut. „Als ich die Leitung des Instituts übernommen habe, bin ich sofort auf Levi gestoßen, der für mich neben Hans von Bülow und Arthur Nikisch zu den drei größten Dirigenten des 19./20. Jahrhunderts zählt“, erklärt Dr. Dominik Sedivy. Selbstverständlich also, dass vom 8. bis 10. November 2019 in der Marktgemeinde Hermann-Levi-Tage mit Kammerkonzert, Liederabend und musikwissenschaftlichen Beiträgen stattfinden werden. „Seelenverwandtschaft“, das Konzert am Freitag, 8. November, im Olympiasaal des Kongresshauses, bei dem Streichquartette von Mozart und Strauss sowie das Streichsextett von Brahms erklingen, wurde in Kooperation mit den Ammergauer Klassiktagen konzipiert. „Ich freue mich, dass wir dafür Christian Altenburger und seine Künstlerkollegen aus Wien gewinnen konnten“, betont Sedivy.

Auch das Programm des darauffolgenden Liederabends „Künstlerfreundschaft“, gleichzeitig der erste Termin in der Kammermusik-Konzertreihe im Saal des Strauss-Instituts, steht bereits fest. Ausführende sind der Bassbariton René Perler und Pianist Edward Rushton. Dabei darf vom Publikum Levi als Liedkomponist entdeckt werden. „Das wissenschaftliche Symposion ist dagegen noch in Arbeit, aber ich freue mich sehr darauf.“ Dieses findet am Sonntag, 10. November, statt. Spannend bleibt, ob noch verschollene Kompositionen, zu denen eine Symphonie, Violinsonate, Chorwerke, Bearbeitungen und Opernübersetzungen gehören, in Zukunft auftauchen. Ob das Institut irgendwann im Hermann-Levi-Park steht, bleibt abzuwarten. Passen würde es, immerhin förderte Levi den jungen Strauss, und die Jugendstilvilla gehörte einst Levis Schwiegereltern. 

MARGOT SCHÄFER

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