Sie geben Hoffnung in schweren Zeiten, zaubern trotz der Coronakrise dem einen oder anderen ein Lächeln ins Gesicht. Jetzt müssen die meisten der bunt bemalten Steine weg. In Garmisch-Partenkirchen gibt es eine Frist bis 16. Juni.
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Bunte Mutmacher sind die Steine, die gerade viele Kinder zu Schlangen aufreihten. Nun sollen die ersten Exemplare weg - weil gemäht werden muss. 

Kleine Kunstwerke machen dem Bauhof Probleme

Kinder legten sie als bunte Mutmacher in Corona-Pandemie: Gemeinde räumt Steinschlangen weg

  • Josef Hornsteiner
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Sie geben Hoffnung in schweren Zeiten, zaubern trotz der Coronakrise dem einen oder anderen ein Lächeln ins Gesicht. Jetzt müssen die meisten der bunt bemalten Steine weg. In Garmisch-Partenkirchen gibt es eine Frist.

Landkreis – Wie viele es sind? Kann man nicht mehr sagen. 3000? 4000? Vielleicht sogar 10.000? Selten hat eine Aktion so eine Eigendynamik entwickelt, war so ein Selbstläufer, wie die der bunt bemalten Steine. Irgendwann hat irgendwer irgendwo damit angefangen. Wer den Stein X gestaltet und abgelegt hat, ist unbekannt. Jedoch folgten auf das erste Kunstwerk unzählige weitere.

Steinschlangen gibt es in Corona-Zeiten überall im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Sie waren seit März zu finden – überall im gesamten Landkreis. In Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald und Oberau liegen die meisten. Großteils bemalten sie Kinder. Sie schrieben Botschaften darauf. Durchhalteparolen und Mutmacher zu einer Zeit, als wegen des Coronavirus’ unter anderem Kindergärten und Schulen schließen mussten. Die Steine sind versehen mit bunten Bildern, lachenden Gesichtern oder dem Lieblingstier.

Die meisten Steinschlangen liegen auf Gemeindegrund

Sie liegen eng an eng – wie eine Schlange – an Pfadrändern, in Parks oder versteckt am Waldrand. Für die Kommunen ist es nun fast unmöglich, die Erschaffer der kleinen Kunstwerke ausfindig zu machen. Das Problem: Die meisten liegen auf Gemeindegrund. Und den Kommunen gehen sie dort nun im Weg um.

Wie können die Steine entsorgt werden?

Wie in Garmisch-Partenkirchen: „Leider muss der Bauhof die Wiesen mähen und pflegen“, sagt Martin Bader, Sprecher des Rathauses Garmisch-Partenkirchen. „Da machen die Steine gehörig Probleme.“ Ein Brocken im Mähwerk kann teure Schäden nach sich ziehen. „Auch für den Winterdienst wäre es schwierig, wenn die Steine nach dem Schneeräumen überall herum liegen.“ Deshalb müssen die Corona-Aufmunterer verschwinden.

Garmischer Steine können am Bauhof abgeholt werden

Doch was tun? Einen Vorsitzenden oder Ansprechpartner gibt es nicht. Den Bauhofmitarbeitern gefiel die Aktion aber. Sie wollten den zahlreichen Hobbykünstlern deshalb die Möglichkeit geben, ihre kleinen Werke abzuholen, anstatt sie einfach weg zu transportieren. Das ist auch nicht so einfach. Die hohe Anzahl geht beim Abtransport gehörig ins Gewicht. Zudem ist nicht klar, wie die Steine „entsorgt“ werden könnten – schließlich wurden sie mit den unterschiedlichsten Farben bemalt.

Die Marktgemeinde hat deshalb eine Frist bis zum 16. Juni eingeräumt. Bis dahin können die Hobbykünstler ihre Schmuckstücke abholen. Geschieht das nicht, lagern Gemeindemitarbeiter die Steine vorerst am Bauhofgelände ab, wo sie nachträglich für kurze Zeit noch mitgenommen werden können.

Steinschlagen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Aus kleinen Kunstwerken ein großes Kunstwerk machen

Auf Facebook sind nun viele Menschen – meist Eltern – enttäuscht, dass die Steine von ihnen und ihren Kindern weg müssen. Eine Mutter erklärte ihrem traurigen Kind bereits, dass „die Schlange jetzt einfach weiterziehen muss“. Doch gibt es auch schon pfiffige Ideen: Sabine Schulze hat in einer eigens dafür eingerichteten Facebook-Gruppe verkündet, dass sie etwas ganz Besonderes mit den kleinen Kunstwerken vor hat. Nämlich ein großes daraus zu machen: aus den Schlangensteinen eine Skulptur zu fertigen. „Alle, die nichts dagegen haben, sollen die Steine liegen lassen. Dann sammle ich sie ein“, verkündet sie.

In Mittenwald sieht man das mit den Steinschlangen entspannter

In Mittenwald scheinen die Schlangen – vor allem im Ortsgebiet – noch eine längere Schonfrist zu genießen. Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) sieht aktuell keinen Anlass zum Handeln. „Die können da ruhig noch liegen bleiben“, sagt er. Die Gemeindegärtnerei hat beim Mähen der Wiese um den Maibaum – an dem dortigen Fußweg liegt die längste Schlange im Ort – um die Steine herum gemäht. So bleibt es vorerst jedem selbst überlassen, ob er seine Schmuckstücke mit nach Hause nimmt, zu einem Kunstwerk gestalten lässt oder sie einfach irgendwo von den Gemeindemitarbeitern abholen lässt.

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