Man blickt von oben in einen tiefen Schacht, unten steht ein kleiner Bagger.
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Wie ein Spielzeugbagger schaut das Gefährt im Abluftschacht aus. Dieser entsteht gerade am Kramerplateau. 80 Meter tief wird er, 30 Meter fehlen noch. Sein Durchmesser misst 5,50 Meter.

40 Prozent der Hauptröhre ausgebrochen

Kramertunnel: In sehr kleinen Schritten durch den Berg

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Am 7. Januar wird am Kramertunnel, der künftigen Umfahrung von Garmisch, weitergearbeitet. Viel ist passiert im vergangenen Jahr. Für 2021 hat man sich viel vorgenommen. Ein schwieriger Bereich steht bevor.

Garmisch-Partenkirchen – Ruhe herrscht rund um den Kramertunnel. Kein Bagger baggert, kein Sprengstoff sprengt, kein Arbeiter arbeitet. Die Männer aus verschiedenen osteuropäischen Staaten sind zu Hause bei ihren Familien. Hinter ihnen liegt ein ereignisreiches Jahr. Viel ist passiert an der künftigen Umfahrung für den Ortsteil Garmisch – wenn auch weniger als geplant. Viel hat das zuständige Straßenbauamt Weilheim auch für 2021 vor. Doch könnte der Berg die eine oder andere Überraschung bereithalten.

Kramertunnel Nord- und Südportal: 40 Prozent des Haupttunnels ausgebrochen

Die Männer arbeiten aufeinander zu. Ab 7. Januar 2021, wenn alle aus ihrer Heimat zurück sind, werden sie wieder an beiden Seiten, im Norden und im Süden, sprengen und baggern. Tag und Nacht, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Um sich möglichst bald zu treffen. Das wird ein großer Moment: der Durschlag, ein Meilenstein für das mit 264 Millionen Euro veranschlagte Großprojekt. Dann führt die Hauptröhre für den künftigen Kramertunnel einmal komplett durch den Berg. Auf einer Strecke von 3,6 Kilometern. Aktuell sind die Männer im Süden 925 Meter weit vorgedrungen, im Norden am Ortseingang von Garmisch-Partenkirchen 565 Meter weit. Damit haben sie 2020 – der Vortrieb startete mit dem Tunnelanschlag am 7. Februar – rund 40 Prozent des Haupttunnels ausgebrochen und gesichert, auch die beiden Verbindungen zum Rettungsstollen sind hergestellt. Ob die Männer 2021 schon den Durchbruch schaffen, lässt sich aktuell nicht sagen. Die große Frage: Wie kommen sie im Bergsturzbereich voran? Welche Überraschungen erwarten sie dort?

350 Meter lang ist der Bergsturzbereich. Er stellt den schwierigsten Abschnitt des Tunnels dar. Im Norden haben ihn die Arbeiter bereits erreicht.

Bergsturzbereich: Der schwierigste Abschnitt im Kramertunnel

Von Anfang an war klar: Dieser Abschnitt wird schwierig, „der schwierigste“, sagte Projektleiter Martin Wohlketzetter bei einem Baustellenbesuch Ende August (wir berichteten). Seit 4. November stecken die Arbeiter im Norden in diesem problematischen Bergsturzbereich, kommen deutlich langsamer voran als zuvor. Denn dort finden sie kein festes Gestein, sondern unterschiedliche Schichten, in denen sie auch immer wieder auf Restwasservorkommen stoßen könnten. Statt gesprengt wird weitgehend gebaggert. 30 von 350 Metern haben die Mineure bislang geschafft. Wenig, aber man hatte in diesem Bereich immer mit „sehr kleinen Schritten“ gerechnet, sagt Nadine Heiß, als Abteilungsleiterin am Staatlichen Bauamt Weilheim für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen zuständig. „Die Geologie ist herausfordernd und kann sich regelmäßig ändern.“ Mögliche zeitliche Verzögerungen inklusive. Von Süden her sprengen sich die Männer aktuell durch Hauptdolomit, zum Bergsturzbereich fehlen noch rund 1,7 Kilometer.

Schachtbauwerk: 90 Meter tiefer Abluftschaft entsteht

Parallel zu den Vortrieben von Norden und Süden erstellen die Arbeiter vom Kramerplateau her den etwa 90 Meter tiefen Abluftschacht. 50 Meter haben sie bereits geschafft. Ab 31. Januar 2021 müssen sie die Arbeiten jedoch wegen der Vogelbrutzeit unterbrechen. Mit einem Durchmesser von 5,50 Metern mündet der Schacht später unterirdisch in eine hallenartige Kaverne, wo zwei große Abluftventilatoren installiert werden.

Hangquellmoore: System zum Schutz funktioniert offenbar

Um sie hatten sich Umweltschützer große Sorgen gemacht. Drei der einzigartigen Hangquellmoore fielen beim Bau des Erkundungsstollens bereits trocken. Sie wären wohl ohne Gegenmaßnahmen komplett verloren gewesen. Denn nach einem Baustopp 2013 – im Erkundungsstollen war es zu einem massiven Wassereintritt gekommen – entschieden sich die Experten, den Grundwasserspiegel vorübergehend abzusenken. Um die Moore zu retten, installierte das Bauamt für 1,46 Millionen Euro ein Bewässerungssystem. Die Arbeiten 2020 haben Heiß zufolge gezeigt: „Es läuft gut.“ Unabhängige Experten würden regelmäßig den Zustand überprüfen. „Die Rückmeldung war immer positiv.“ Zum Schutz der Moore gehören auch Entbuschungs- und Mulcharbeiten.

Grundwasserwanne für den Verkehr: Fertigstellung bis Mitte 2022

Der Verkehr zwischen Burgrain und dem Ortsteil Garmisch läuft künftig unter der B23. Deshalb muss die Straße wasserdicht gebaut werden, es braucht eine Grundwasserwanne. Dafür wurden 2020 die Ver- und Entsorgungsleitungen für Gas, Wasser und Strom verlegt. Seit Mitte August ist zudem die Baugrube ausgehoben. Die Grundwasserwanne, für die 260 Bohrpfähle eingebracht werden, soll inklusive Brücke darüber bis Mitte 2022 fertig sein.

Drei Brücken über die Loisach sind fertig - früher als geplant

Seit Mitte des Jahres sind die beiden Loisachbrücken in Grainau fertig – eineinhalb Jahre früher als geplant. Eine dritte Loisachbrücke kam im Dezember in Burgrain hinzu. Sie hat eine Spannweite von rund 50 Metern, 880 Kubikmeter Beton wurden verbaut.

Pandemie: Vortrieb am Kramertunnel im März für drei Wochen eingestellt

Der 21. März 2020 war’s. Ab diesem Tag standen plötzlich alle Arbeiten still. Für drei Wochen wurde wegen der Pandemie der Tunnelvortrieb eingestellt. Denn Personal fehlte. Die Mitarbeiter aus osteuropäischen Ländern mit jeweils verschiedenen Corona-Bestimmungen konnten nicht problemlos ein- und ausreisen. Auch auf den Betrieb wirkte sich die Pandemie aus. Es gelten verschärfte Hygieneregeln, die Teams wurden komplett umstrukturiert, die Wohnanlagen umgebaut. Seit März war der Baubetrieb Heiß zufolge „immer wieder leicht eingeschränkt“. Inwieweit sich dies auf den Tunnel-Eröffnungstermin auswirkt, lasse sich nicht abschätzen. Geplant war, dass Ende 2024 die ersten Autos durch den Kramertunnel fahren. Nach seiner Fertigstellung wird er der längste Straßenbautunnel Bayerns sein.

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