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Scheidet die Geister: das Kongresshaus am Richard-Strauss-Platz.

Torpedo gegens Bürgerbegehren?

Entscheidend ist die Fragestellung: Schröter strebt Ratsbegehren zum Kongresshaus an

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Abriss und Neubau? Oder Sanierung und Erweiterung? Die Frage, wie es mit dem Kongresshaus weitergehen soll, spaltet die Garmisch-Partenkirchner. Ein Bürgerbegehren ist schon angelaufen. Jetzt fordert Martin Schröter (FDP), diesem ein Ratsbegehren entgegenzusetzen.

Garmisch-Partenkirchen – Die Bürger müssen entscheiden – darauf legt Martin Schröter großen Wert. Die Garmisch-Partenkirchner sollen festlegen, „ob unser Kongresshaus abgerissen und neu gebaut oder erhalten und auf den neuesten technischen Stand gebracht wird“. Gegen den Abriss läuft bereits ein Bürgerbegehren unter dem Titel „Rettet unser Kongresshaus“. Dieses möchte der FDP-Gemeinderat keinesfalls torpedieren, wenn er ein Ratsbegehren beantragt. „Es ist unsere originäre Pflicht, die Bürger zu involvieren.“ Insbesondere vor dem Hintergrund, dass diese bereits 2012 befragt worden waren, wie es mit dem Veranstaltungskomplex weitergehen soll. Das klare Ergebnis damals: Eine absolute Mehrheit (62,58 Prozent) sprach sich dafür aus, das Kongresshaus am bestehenden Standort von Grund auf zu sanieren und auszubauen, beziehungsweise teilweise oder ganz zu errichten. Passiert ist seither wenig. „Kein Wunder, dass sich massiver Widerstand regt“, sagt Schröter.

Viele Garmisch-Partenkirchner verbinden das Haus am Richard-Strauss-Platz mit zahlreichen Erinnerungen, Konzertbesuchen, Begegnungen und anderen Momenten, weiß Harald Helfrich (SPD) aus zahlreichen Gesprächen. „Darum sind höchst emotionale Reaktionen auf einen eventuellen Abriss und Neubau menschlich und verständlich.“ Die Entscheidung des Gemeinderats hält er aber für absolut richtig: Im Bestand „ist viel toter Raum vorhanden, außerdem sind die Logistik und die Akustik schlecht“. Dazu komme die ungenügende Parkplatzsituation. „Der kaufmännische Leiter von GaPa-Tourismus meint, ein neues Kongresshaus in ansprechender Architektur könnte ein Alleinstellungsmerkmal in den deutschen Alpen sein“, unterstreicht Helfrich. Er plädiert daher dafür, „denen zu vertrauen, die das Haus tagtäglich nutzen und die eine Veränderung für dringend notwendig erachten“.

Die Garmisch-Partenkirchner müssen entscheiden

Allein darauf vertraut Schröter aber nicht. Er bleibt dabei, die Garmisch-Partenkirchner entscheiden zu lassen. „Sonst erhitzen sich die Gemüter weiter.“ Sein Antrag steht Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zufolge „wahrscheinlich in der Gemeinderatssitzung am 30. Januar auf der Tagesordnung“. Damit, ein Votum der Bürger einzuholen, hat sie kein Problem. „Allerdings brauche ich mehr Daten, ehe ich mich an die Öffentlichkeit wende.“ Klar ist für sie aber schon jetzt, dass „ein Neubau die Energie- und die Umbaukosten senkt“. Das im Altbestand, der aus vier Bauphasen zusammengestückelt wurde, zu erreichen, sei mit enormen Kosten verbunden.

Argumente, die Jörg Setzpfand als Vertreter des Bürgerbegehrens „Rettet unser Kongresshaus“, nicht gelten lassen kann. „Die geplante Verkleinerung der Nutzfläche ist für unseren Ort nicht zukunftsträchtig, sondern als Rückschritt zu betrachten“, betont er. Große Kongresse könnten unter diesen Bedingungen nicht mehr stattfinden, und auch für die Kultur sei es ein Rückschritt. Dass sich die FDP, der auch er angehört, hinter das Bürgerbegehren stellt, freut Setzpfand. Über Schröters Vorstoß „bin ich aber zwiegespalten“. Würde ein Ratsbegehren die Fragestellung seiner Initiative übernehmen, könnte er das akzeptieren. Wenn nicht, „fährt unser Dampfer erst einmal unbeirrt weiter“.

Eine konkrete Fragestellung kann Elisabeth Koch (CSU) dem Schröter-Antrag nicht entnehmen. „Deshalb geht er ins Leere“, meint sie. Daher empfiehlt sie Schröter, sich doch zunächst mit seinem Parteifreund Setzpfand abzustimmen, „was denn tatsächlich gewollt ist“.

Worte, die Schröter erstaunen. Zumal selbstverständlich Kontakt zwischen den beiden Liberalen besteht. Trotz Schröters Antrag sammeln Setzpfand und seine Helfer weiterhin fleißig Unterschriften für ihr Bürgerbegehren. Wie beim Neujahrskonzert mit den Münchner Symphonikern. Dass Moderator Max Müller explizit den schönen Saal gelobt hatte, „war natürlich Honig für unsere gequälten Seelen“.

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