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Hochkarätige Musiker stehen beim Auftritt des Anna Maria Sturm Quintetts auf der Bühne.

Die Palette an Sounds war breit gefächert

Internationales Jazzfestival: Breites Spektrum an Klangfarben

Das Internationale Jazzfestival in Garmisch-Partenkirchen hat am Freitag seinen Auftakt genommen. Die Palette an Sounds und Stimmungen war breit gefächert. Beim Paier Preinfalk Projekt verschmolzen die Stilrichtungen. Das Anna Maria Sturm Quintett überzeugte unter anderem mit einer Mischung aus französischem Chanson und Jazz.

Garmisch-Partenkirchen – Jazz-Akkordeonist Klaus Paier hat spätestens seit seinem Auftritt im Garmisch-Partenkirchner Katharinenhof-Keller eine richtige Werdenfelser Fangemeinde. Die bejubelte am Freitag sein Comeback im zweiten Teil des Jubiläumskonzerts im Richard-Strauss-Saal des Garmisch-Partenkirchner Kongresshauses freudig.    

 „Danke, dass wir beim Konzert zum zehnten Geburtstag von Jazz-Gap dabei sein dürfen“, erklärte der Akkordeonist. Statt des Cellos komplettierten diesmal Saxophon- und Klarinettenklänge seinen besonderen Sound. Gerald Preinfalk, Professor für klassisches Saxophon an der Grazer Kunstuniversität, ist seit 2000 immer wieder Paiers Projektpartner.

Was beide auf dem Podium an improvisatorischen Exkursen ablieferten, wie sie gegeneinander und miteinander spielten, sich im Tempo jagten und immer wieder im großen Melodienstrom zusammenfanden, das war einfach klasse. Frei und ohne Zwang wurde hier mit Klangfarben von Schottischem über Klezmer, arabischer Tonkunst und Tango experimentiert. Die Stilrichtungen verschmolzen, Folklore und Klassik trafen aufeinander und die Jazzer, die Können und Erfahrung mitbringen, hatten unglaublichen Spaß dabei. Alle Möglichkeiten ihrer Instrumente reizten die beiden Österreicher aus: der Akkordeonkörper wurde auch als Schlagzeug benutzt, der Bassklarinette dumpfe Klänge entlockt. Ohne Zugabe wurden die Künstler natürlich nicht entlassen.

Chris Elschenbroich und sein Team hatten bei der Programmgestaltung ins Schwarze getroffen. Überhaupt ist es seinem beharrlichen Einsatz, in Garmisch-Partenkirchen eine Jazzszene zu installieren und damit eine kulturelle Lücke zu schließen, zu verdanken, dass der Verein jazzGAP sein zehnjähriges Bestehen feiern kann. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) würdigte Elschenbroichs Engagement.

„Gut Ding will Weile haben“, spielte dieser seine Enttäuschung herunter, dass bisher nicht mehr als 40 Mitglieder für seinen Verein zu gewinnen waren. Auch bei diesem Konzert verloren sich die nur circa 100 Gäste etwas in dem Saal, der wegen der Größe des engagierten Ensembles gewählt worden war.

Mit dem Anna Maria Sturm Quintett hatte nach Elschenbroichs Anmoderation der Abend begonnen. Als Jazz-Trio formierten sich zunächst der bekannte israelische Pianist Uri Gincel, der mit seinen unglaublicher Spieltechnik vom ersten Ton an begeisterte, der Italiener Igor Spalatti am Bass und der deutsche Schlagzeuger Tobias Backhaus auf dem Podium. Nicht das Original Uri Gincel Trio, sondern Musiker, die sich nicht so genau kannten, spielten hier miteinander. Wie dicht trotzdem die Kommunikation der Profis war, wie man sich nach jedem Chorus wieder zusammenfand, war einfach genial.

„Sich in einer solches Situation zu bewähren, ist der Alltag von Jazzmusikern – Stichwort Jam Session“, hatte Elschenbroich zuvor erklärt. Mit dem Einstieg von Saxophonist Wanja Slavin komplettierte sich dann das Ensemble zum Quartett. Technisch perfekt, mit vollem, weichem Ton spielte Slavin nicht nur einen besonderen Sound, sondern etwas ganz Eigenes. Und schließlich wechselte der Musikcharakter noch einmal grundlegend, als der Gesang von Anna Maria Sturm dazukam. Ein Reiz, der aus dem Kontrast lebte. Die Mischung aus französischem Chanson und Jazz gefiel. Ein Abend mit hochkarätigen Musikern – eben einem Festival gemäß.

Margot Schäfer

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