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Euphorisch: (v.l.) Matthias Fladner, Astrid Eggensberger, Dr. Sigrid Meierhofer und Markus Gehrle-Neff. 

Entwicklungskonzept, auf dem große Hoffnungen ruhen

Die Riesen-Chance für Garmisch-Partenkirchen

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„ISEK“ – es ist ein sperriger Name. Aber in dem Projekt steckt viel Potenzial. Es ermöglicht nicht nur hohe Zuschüsse durch das Städteförderungsprogramm der Regierung von Oberbayern. Es ist eine wichtige Grundlage für die Ortsentwicklung von Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – Sie stehen Schlange vor dem Luftbild von Garmisch-Partenkirchen. Einer nach dem anderen bringt seine runden Aufkleber an. Grüne Punkte für die attraktiven Bereiche der Marktgemeinde, rote für die verbesserungswürdigen. Schnell zeichnen sich die Präferenzen ab. Während am Mohrenplatz oder der Ludwigstraße die grüne Farbe dominiert, schneiden Olympia-Eissportzentrum, Bahnhofsareal oder Kongress- und Kurhaus schlecht ab. Eine aufschlussreiche Aufwärmrunde.

Markiertes Luftbild: Die Anwesenden kleben grüne Aufkleber an schöne Stellen im Ort, rote Punkte auf unattraktive.

Es war nicht die einzige interaktive Aktion im Rathaus, die beim ersten Treffen des Forums des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) auf dem Programm stand. Es ging darum, sich kennenzulernen, die Ausgangslage zu ermitteln, herauszufinden, was die Teilnehmer bezüglich der Gemeinde bewegt. Rund 50 Personen aus sämtlichen Bereichen wie Kultur, Wirtschaft, Klimaschutz, Tourismus und Vereinen kamen der Einladung nach oder schickten Vertreter. Der Runde Tisch im Sitzungssaal – voll besetzt, die Stühle dahinter ebenfalls. Für Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) das erste Indiz, dass großes Interesse an der Ortsentwicklung besteht. „Das ist jetzt schon die beste Nachricht von ISEK“, sagte die Rathauschefin. Weil Bürgerbeteiligung dabei von „fundamentaler“ Bedeutung sei. Das wollte auch Astrid Eggensberger vom Projektteam hervorheben. „Wir wollen dem Ort nichts überstülpen“, betonte sie. Es sei eineGemeinschaftsaufgabe.

Hohe Förderquote für das Projekt

Interaktives Arbeiten: Die Meinungen der Forums-Teilnehmer sind bei Aktionen gefragt.

Und vor allem eine „Riesen-Chance“ für Garmisch-Partenkirchen. Denn wie Meierhofer mitteilte, ist ISEK die Voraussetzung, um ins Städtebauförderprogramm zu kommen. Heißt: Der Freistaat gibt finanzielle Unterstützung bei Einzelvorhaben.

Die ersten positive Signale hat die Kommune, die im Mai 2017 die Architekten und Stadtplaner Koch+Partner mit einem interdisziplinären Team beauftragte, bereits empfangen. Mit 80 Prozent werden die Projekt-Gesamtkosten von rund 200 000 Euro bezuschusst. Viel Geld, zumal es in anderen Orten nur 40 bis 60 Prozent sind, wie Meierhofer sagt. Warum Garmisch-Partenkirchen von der hohen Quote profitiert? Die Bürgermeisterin liefert die Erklärung: „Das liegt allein am Konversionsgelände Abrams.“ Selbst den Förderrahmen habe die Gemeinde von der Regierung von Oberbayern schon zugesagt bekommen. „Das ist ungewöhnlich.“ Über die Hintergründe kann sie nur spekulieren. Ändert aber auch nichts an der Freude darüber.

Umsetzungen ab 2018

Für Garmisch-Partenkirchen könnte sich ISEK als Glücksfall erweisen. Finanziell als auch und vor allem bei der Ortsgestaltung. Die Planungen haben Struktur, die Zeiten, in denen eher willkürlich Einzelprojekte gestartet wurden – sie sollen der Vergangenheit angehören. Damit das gelingt, müssen alle Akteure an einem Strang ziehen. Vierteljährlich sollen Treffen stattfinden. Klausurtagungen, Workshops, Einzelgespräche sind ebenfalls geplant. „Sie sind die Keimzelle, die die Informationen nach außen tragen“, betonte Matthias Fladner, neben Eggensberger federführend für das Entwicklungskonzept. Nach zwei bis drei Foren-Sitzungen wird dann eine große Bürgerversammlung anvisiert.

18 Monate dauert es, bis ISEK fertigerstellt ist und es an die Umsetzung geht. Solange muss der Markt aber nicht warten, um einzelne Projekte zu realisieren. Noch so ein Vorteil, wie Meierhofer findet. Die Rathauschefin ist voller Euphorie: „Wir wollen so schnell wie möglich loslegen.“ Damit die roten Punkte auf dem Luftbild verschwinden und durch grüne ersetzt werden können.

Das steckt hinter ISEK: 

-bezieht sich auf das gesamte Gebiet des Marktes und stimmt teilräumliche Planungen mit übergeordneten räumlichen Ebenen ab 

-ist langfristiger Orientierungsrahmen für eine zielführende Entwicklung von Garmisch-Partenkirchen (15 bis 20 Jahre) 

-beschreibt Ziele und Handlungsschwerpunkte

-verfolgt einen ganzheitlichen, integrierten Planungsansatz unter Beachtung sozialer, kultureller, städtebaulicher, ökonomischer und ökologischer Handlungsfelder -entwickelt konkrete lösungsorientierte Maßnahmen mit Priorisierung 

-ist interdisziplinäre Gemeinschaftsaufgabe verwaltungsexterner und -interner Akteure -entsteht unter Beteiligung der Öffentlichkeit -erleichtert die Bündelung öffentlicher sowie privater Mittel und fokussiert sie auf zielgerichtete und untereinander abgestimmte Maßnahmen

 -ist auf kontinuierliche Fortschreibung angelegt 

-Voraussetzung für Förderung von Einzelmaßnahmen

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