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Beeindruckende Kulisse: 5131 Zuschauer wollen 2013 den SCR sehen. Bei olympischen Wettkämpfen strömen sicher noch mehr nach Garmisch-Partenkirchen.

Winterspiele 2026 in Tirol: Eissportzentrum eine mögliche Wettkampfstätte

Ist Garmisch-Partenkirchen bald wieder Olympiaort?

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Olympische Winterspiele allein in vorhandenen Sportstätten – das ist der Ansatz der Tiroler. Deshalb mussten sie auf der Suche nach Anlagen auch nach Oberbayern blicken. Die Eishockey-Partien 2026 könnten somit in Garmisch-Partenkirchen stattfinden.

Garmisch-Partenkirchen/ Innsbruck – Der Anruf kam überraschend, weckte aber sofort das Interesse von Wotan Lichtmeß. Teil der Tiroler Bewerbung um Olympische Winterspiele 2026 zu sein, erscheint dem Vorstand der Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen durchaus verlockend. Zumal die Strategie, die das Land Tirol, die Stadt Innsbruck und das Österreichische Olympische Comité verfolgen, auch ihn überzeugt. „Sie wollen allein auf vorhandene Sportstätten zurückgreifen, nichts Neues bauen und dadurch zusätzlichen Flächenverbrauch vermeiden.“ Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, könnte das Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen eine entscheidende Rolle spielen. „Als Austragungsort für Eishockey“, erklärt Lichtmeß. „Das kann ich mir absolut vorstellen.“

Noch ist nichts spruchreif. „Das war bisher nur eine lose Anfrage“, betont der Werke-Chef. Zumal neben seiner Sportstätte auch die in Wien, München und Bozen in die Überlegungen der Tiroler einfließen. „Wir schließen gar nichts aus“, sagt Projektleiter Gernot Uhlir. Vor weiteren Gesprächen haben aber erst einmal die Bürger das Wort. An diesem Sonntag findet parallel zur Nationalratswahl in Österreich eine tirolweite Volksbefragung statt. Dabei gilt es zu klären, ob „das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen“ soll. Dem Ergebnis blickt Uhlir gespannt entgegen. 50:50 wertet er die Chancen. Zu einer konkreten Prognose lässt er sich nicht hinreißen. Geht es um Olympia, das ist ihm durchaus bewusst, „setzen viele auf ihr Bauchgefühl“.

Innsbruck zehrt noch von den Winterspielen 1964 und 1976

Dass dieses die Wahlberechtigten – abstimmen darf man im Nachbarland ab 16 Jahren – pro Winterspiele lenkt, hofft Uhlir. „Olympia wäre für das ganze Land gut“, meint er. „Und würde gerade Kindern und Jugendlichen einen Riesenimpuls in Richtung Sport und Bewegung geben – und zwar für Jahre.“ Dazu kommt der touristische Wert. Noch heute zehrt Innsbruck davon, dass es 1964 und 1976 Gastgeber der Weltspiele war. „Vor allem dadurch ist die Stadt bekannt geworden.“ Marketing-Experten hätten dieses Phänomen auch in anderen Austragungsorten beobachtet – etwa im japanischen Nagano und Sapporo sowie in Calgary/Kanada. „Die würde ohne Olympia kaum jemand kennen.“

Die Skepsis der Öffentlichkeit, was Fehlentwicklungen in der olympischen Bewegung anbelangt – Stichwort Gigantomanie –, versteht aber auch der Projektleiter. Durch die Winterspiele 2018 in Pyeongchang (Südkorea) und 2022 im chinesischen Peking erhalten diese Stimmen neue Nahrung. Dem begegneten die Verfechter der Tiroler Bewerbung mit einer offenen Informationspolitik. „Ich hoffe, dass sich viele unser Konzept anschauen und auch damit beschäftigen“, sagt Uhlir.

Verzicht auf Neubauten ein großes Plus

Innsbruck-Tirol gewinne Gold für Generationen mit Olympischen Winterspielen, heißt es auf der Webseite der Bewerbungsgesellschaft. „Mit Einsatzwillen, Sparsamkeit und unserer legendären Gastfreundschaft machen wir gemeinsam Olympische Spiele wieder zu dem, was sie sein sollen: ein Fest mit großartigen Leistungen im besten Wintersportland der Welt – mitten im Herz der Alpen.“ Worte, hinter denen Uhlir zu 100 Prozent steht. Was ihn, wie auch Lichtmeß, überzeugt, ist der Verzicht auf Neubauten. Die Machbarkeitsstudie zeigt, dass nur für die Snowboard- und Freestyle-Wettbewerbe im Kühtai temporäre Anlagen nötig sind. Alles andere ist vorhanden.

Neben den Eishockey-Begegnungen, die in Garmisch-Partenkirchen stattfinden könnten, kommt ein zweiter oberbayerischer Ort bei möglichen Tiroler Spielen zum Zug: Eisschnelllauf soll in Inzell ausgetragen werden. Schlüssig findet Lichtmeß dieses Vorgehen. „Wir gehören alle zu Europa, da ist es doch kein Problem, in ein Nachbarland auszuweichen.“

Der Abstimmung an diesem Sonntag blickt auch er gespannt entgegen. Ein positiver Entscheid bedeutet, dass in den kommenden eineinhalb Jahren alles festgezurrt werden muss. Nur so kann sich der Kandidat Innsbruck-Tirol im September 2019 bei der 132. Session des Internationalen Olympischen Komitees – voraussichtlich in Mailand – präsentieren. 15 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Für Garmisch-Partenkirchen wäre dieses Konstrukt mit keinen Kosten verbunden, sondern nur mit einem Gewinn. Über einen möglichen Zuschuss für sein Eisstadion will Lichtmeß zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht spekulieren. „Olympia würde aber einen großen Schub für den Eissport bringen. Das wäre nur positiv.“

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