Gegner unter sich: Rudolf Utzschneider (l.) und Markus Hörmann stimmten wie acht CSU-Kollegen dagegen.
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Gegner unter sich: Rudolf Utzschneider (l.) und Markus Hörmann stimmten wie acht CSU-Kollegen dagegen.

Entscheidung zu Unesco-Weltkulturebene

38:13 – Garmisch-Partenkirchner Kreistag sagt „Ja“ zur Unesco-Bewerbung

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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Anträge über Anträge, Pausen, altbekannte Argumente: 74,5 Prozent der Lokalpolitiker stimmen in wilder Kreistagssitzung fürs Weltkulturerbe. Die Bewerbung muss bis 30. September eingereicht werden.

Oberammergau – Die Entscheidung ist gefallen. Aber was war das wieder für ein Zirkus, so weit zu kommen? Mit 38:13 hat der Garmisch-Partenkirchner Kreistag am Freitagnachmittag gegen 16.40 Uhr für eine Bewerbung um das Unesco-Weltkulturerbe votiert. Eine klare Mehrheit von 74,5 Prozent der 51 anwesenden Lokalpolitiker stimmte für das seit 2011 laufende Projekt. Zuvor aber gab es zweieinhalb Stunden Komödienstadl im Ammergauer Haus zu Oberammergau.

Das nahe Passionstheater scheint die Gemüter ein wenig in seinen Bann zu ziehen. Anders ist es kaum zu erklären, was sich am Freitagnachmittag abspielte. Diskussionen über Diskussionen über Anträge, eine fehlende ordnende Hand, am Ende Chaos pur. Das garnierte Christian Hornsteiner sicher unbeabsichtigt mit einem wunderbaren Spruch: „Wir haben jetzt abgestimmt, damit wir überhaupt abstimmen dürfen.“ Der Höhepunkt. Genau so war die Gemütslage über zweieinhalb Stunden beim Punkt Unesco-Weltkulturerbe.

Den Sack zuzumachen, fällt den Kreisräten gar nicht so einfach

Die Argumente sind ja bekannt – von beiden Seiten. Also ging es vielmehr darum, dieses Thema endlich zu einem Ende zu bringen, „den Sack zuzumachen“, wie es Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) formulierte. Doch das gelang den Kreispolitikern nicht so einfach. Denn der eigentliche Antrag, über den zuvor im Kreis- wie auch im Umweltausschuss abgestimmt worden war, gefiel der CSU plötzlich nicht mehr. Hornsteiner sprach im Namen der Fraktion und brachte einen Antrag vor, man möge doch noch einmal eine Frist bis 10. August ausstellen, während der sich alle Grundstückseigentümer nochmals Gedanken über einen Einspruch machen könnten. Denn Gemeinden, die früh abgestimmt hatten, hätten ihre Beschlüsse womöglich unter einem anderen Wissenstand getätigt. Gleichzeitig forderte er die namentliche Abstimmung.

Klarer Fürsprecher: Landrat Anton Speer konnte am Ende aufatmen. Die erste Hürde ist genommen.

Letzteres war kein Problem: Mit großer Mehrheit willigten die Kreisräte ein. Der erste Antrag jedoch, der ging irgendwie unter. Die Abstimmung darüber zumindest. Der Passus wurde einfach in den Beschlussvorschlag integriert. Tessy Lödermann ergänzte noch eine Passage – ein seltsames Vorgehen.

Eine gute Stunde später kam das dann auf. Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und Andreas Krahl (Grüne) mischten sich ein – mit Recht. Nun wurde es konfus. Das ging so weit, dass sogar Hornsteiner aufstand und das Prozedere auch mit besagtem Zitat erklärte. Die Abstimmung wurde nachgeholt, der CSU-Antrag fiel deutlich durch. Keine neue Frist. Man merkte: Das Gremium wollte den Sack zumachen.

Rudolf Utzschneider bringt eine Liste an Anschuldigungen, Peter Strohwasser entkräftet vieles

Das ließ Rudolf Utzschneider (CSU) so schnell aber nicht zu. Vor dem Grundsatzbeschluss musste er seine Rede noch anbringen. Wieder brachte er viele Vorwürfe, zitierte aus ministeriellen Schreiben, „die hier nie jemand zu sehen bekommen hat. Ich weiß nicht, ob euch sowas nicht stört, mich schon“. Peter Strohwasser vom Unteren Naturschutz im Landratsamt meldete sich in der Folge, entkräftete Utzschneiders Anschuldigungen weitgehend. Er merkte an, dass es „tausende Seiten gibt, die nicht alle Kreisräte bekommen haben. Sie würde uns erschlagen, wenn wir ihnen alles schicken würden“.

Letztlich Geplänkel. Denn die Fronten waren geklärt. Alles lechzte nach dem finalen Votum. Geschäftsleiter Michel Kleißl übernahm nun die Regie, las die Mitglieder des Gremiums in alphabetischer Reihenfolge vor: Diese antworteten mit Ja oder Nein. Und nach 51 Namen stand das Resultat: 38:13.

Letztlich also doch eine klare Geschichte. Landrat Anton Speer hat zu Beginn den Weg kurz skizziert. Bis 30. September müsse nun der Antrag fertiggestellt, der Text ins Englische übersetzt und alles in ein vernünftiges Layout gepackt werden. 2022 steht der Evaluierungsprozess an, in dem entschieden wird, ob die Bewerbung angenommen wird. Mit einer Klage ist nun aber zu rechnen.

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