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Ehrengäste der Hegeschau: (v. l.) Landrat Anton Speer, Kreisjagdberater Karl Hörmann, Forstdirektor Markus Hildebrandt, Regierungsrätin Verena Seeberger, Jäger-Vorsitzender Thomas Bär und Zweiter Bürgermeister Wolfgang Bauer.

Verbesserung bei der Waldverjüngung erreicht

Hegeschau: Abschussquote um 762 verfehlt

Waldverträgliche Wildbestände war eines der Themen, die bei der Hegeschau in Garmisch-Partenkirchen besprochen wurden. Was dem entgegensteht, sind die Abschusszahlen, die wieder nicht erfüllt wurden.

Garmisch-Partenkirchen – Alle Jahre zu Beginn des Frühjahrs ist die Bayernhalle Treffpunkt all jener Menschen, die ihr Leben draußen im Tann verbringen, beruflich oder privat: Bei der Hegeschau von Landratsamt und Kreisjägerschaft ist die Halle gefüllt mit großen grünen Tafeln, an denen tausende Geweihe hängen, Kopfschmuck all jener Hirsche, Rehe und Gams, die im abgelaufenen Jahr in den 80 Werdenfelser Jagdrevieren erlegt wurden. Freilich sind bei dieser von Jagdhornklang umrahmten Präsentation nicht nur die Trophäen des im Landkreis erlegten Wilds zu sehen, es wird auch erörtert, ob und warum zu wenig oder zuviel geschossen wurde.

Das Fazit des vergangenen Jahrs zog in der voll besetzten Halle Kreisjagdberater Karl Hörmann: In allen vier hiesigen Hegegemeinschaften wurde 2016 zu wenig Wild erlegt. 4510 Stück waren es insgesamt, während die Vorgabe bei 5272 lag. Mit nur 86 Prozent vom Abschuss-Soll lagen die Jäger auch 2016 ähnlich niedrig wie im Jahr vorher. Dies habe in erster Linie an der Witterung gelegen, sagte Hörmann. Spät einsetzender Schneefall und Kälte hätten im Winter 2016/17 den Jagderfolg erschwert, weshalb es wichtiger denn je sei, bereits im Sommer einen großen Teil des Abschusses zu erfüllen: „Da ist Luft nach, und darüber sollten wir uns Gedanken machen.“ Im Detail nannte er folgende Ergebnisse: Beim Rotwild lag das Soll bei 1657 Stück, erlegt wurden aber mit 1411 Tieren nur 85 Prozent. Bei den Gams waren 1145 Stück vorgegeben und mit 1028 wurden immerhin 90 Prozent geschossen, während es beim Rehwild 2071 der vorgesehenen 2452 Tiere waren (84 Prozent).

Garmisch-Partenkirchens Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) schob diese Zahlen derweil weniger auf die Jäger. Er sah das Problem vielmehr im zunehmenden Freizeitdruck im Gebirge mit immer neuen Sportarten, die das Wild verscheuchten.

Als besonders wichtig bezeichnete auch deshalb Hörmann eine artgerechte Fütterung, die nicht nur dem Wild, sondern auch dem Wald zugute komme. „Denn nur dadurch können Verbiss- und Schälschäden vermindert werden“. Dringend appellierte er obendrein an die Hundebesitzer, im Wald, im Gelände sowie in Fütterungsbereichen ihre Vierbeiner anzuleinen. „Denn mehr als früher hetzen heute freilaufende Hunde das Wild.“ Jäger-Kreisgruppenvorsitzender Thomas Bär hatte sich, wie vorher schon der Jagdberater, ebenfalls eingehend mit der Notzeit-Wildfütterung als bedeutenden Teil der Hege befasst, schließlich reduziere sie Verbiss- und Schälschäden.

Breiten Raum nahm der Bericht von Markus Hildebrandt ein, dem Forstbereichsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Zwar seien im Landkreis noch größere Anstrengungen notwendig, um den Zielen des Wald- und Jagdgesetzes gerecht zu werden, dennoch hätten sich einige Verbesserungen bei der Waldverjüngung ergeben, die hoffnungsvoll stimmten. „Lassen Sie in Ihren Bemühungen um waldverträgliche Wildbestände nicht nach“, rief er den Jägern zu. Denn der Klimawandel mache auch vor dem Gebirge nicht halt, und der Alpenraum sei durch Temperaturzunahme überproportional betroffen: Das führe unter anderem zu mehr Hochwasser-Ereignissen sowie zu einem Anstieg des Risikos von Muren, Rutschungen, Steinschlag und Lawinen. Zudem werde es der Fichte deutlich zu warm, während die Buche von der Erwärmung zu profitieren scheint. Jedenfalls sei ein Mischwald aus Fichte, Tanne, Buche sowie anderen Laub- und Nadelbäumen die beste Klima-Vorsorge.

Passend dazu erinnerte Landrat Anton Speer (Freie Wähler) an die Landesausstellung „Wald, Gebirg, Königstraum – Mythos Bayern“, die 2018 in Ettal stattfindet. „Der Wald prägt nicht nur unsere Landschaft, er ist vielmehr seit vielen Generationen wichtiger Rohstofflieferant und Schutzfaktor.“ Zudem sei er Lebensraum für viele Arten und gerade die Jäger stünden in der Verantwortung.

Wolfgang Kaiser

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