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Jagdexperten zwischen den Trophäen des vergangenen Jahres: (v.l.) Forstdirektor Markus Hildebrandt, Regierungsrat Matthias Hindl vom Landratsamt, Landrat Toni Speer, Kreisjagdberater Karl Hörmann, Jä ger-Bezirkschef Thomas Schreder und Kreisvorsitzender Thomas Bär.

Positive Meldung bei Hegeschau

Jagd: Abschussquote zu fast 100 Prozent erfüllt

Bei der diesjährigen Hegeschau in der Bayernhalle von Garmisch-Partenkirchen ging‘s nicht nur um Abschussquoten und tausenden Geweihen.  Kreisjäger-Vorsitzender Thomas Bär auf das Spannungsfeld zwischen Abschussplänen, Jagdrecht, Tierschützern, Freizeitsportlern und allerlei Vorschriften hin.

Garmisch-Partenkirchen – Alle Jahre um diese Zeit ist die Bayernhalle Treffpunkt für jene, die große Teile ihres Lebens draußen im Tann verbringen – beruflich oder privat: Bei der Hegeschau von Landratsamt und Kreisjägerschaft ist die Halle gefüllt mit großen grünen Tafeln, an denen tausende Geweihe hängen. Es ist der Kopfschmuck all jener Hirsche, Rehe und Gämsen, die im abgelaufenen Jagdjahr in den 79 Werdenfelser Revieren erlegt wurden.

Freilich sind bei dieser von Jagdhornklang umrahmten Präsentation nicht nur die mit kleinen Hinweisschildern versehenen Trophäen zu sehen, aus denen hervorgeht, wer wann und wo das Tier erlegt hat. Vielmehr wird auch erörtert, ob und warum zu wenig oder zuviel geschossen wurde. Das Fazit des vergangenen Jagdjahres 2017/18 zog wie immer Kreisjagdberater Karl Hörmann: In allen vier hiesigen Hegegemeinschaften, so seine positive Meldung, wurden im Gegensatz zu vorangegangenen Jahren, als das Abschuss-Soll nur zu etwa 85 Prozent erfüllt wurde, die amtlichen Vorgaben nahezu erreicht: „Von den zu erbringenden 5316 Stück des Gesamtabschusses“, sagte der Experte, „konnten in diesem Jahr einschließlich Fallwild 4929 Stück erbracht werden, was insgesamt 93 Prozent bedeutet.“

Auch wenn 100 Prozent nicht ganz erreicht wurden, stelle dies ein passables Ergebnis dar, sagte Hörmann. Er konstatierte, dass sicher der früh einsetzende Winter zu diesem guten Ergebnis beigetragen habe: „Ich meine, dass dies trotz aller jagdlichen Erschwernisse, mit denen sämtliche Revierinhaber und Jäger zu kämpfen hatten, Respekt verdient.“

Beim Rotwild lag das Abschuss-Soll bei 1694 Tieren, erlegt wurden 1587 Stück (94 Prozent). Schneereicher Winter und starke Kälte hätten zu brauchbaren Ergebnissen geführt, überdies gehe er von einem steigenden Rotwildbestand aus. Bei den Gämsen waren 1170 Stück vorgegeben. Mit 1018 Stück wurden 87 Prozent geschossen, während es beim Rehwild 2324 der geplanten 2452 Tiere waren (95 Prozent). „Die Schwierigkeiten sind uns allen bekannt“, unterstrich Hörmann seine Worte. „Daher ist es wichtig, mit der Abschuss-Planerfüllung rechtzeitig zu beginnen, das nimmt nicht nur den Druck für die Jägerschaft, sondern ermöglicht auch dem Wild Ruhe während des Winters.“

Im Jagdjahr wurden auch 391 Füchse erlegt, als Fallwild seien 130 Tiere angezeigt worden, 94 davon kamen durch Verkehrsunfälle um. Daneben wurden auch 40 Dachse zur Strecke gebracht, 33 sind verendet, 31 davon dem Verkehr zum Opfer gefallen. Im Gegensatz zum vorvergangenen Jahr, als noch 63 Stück Schwarzwild erlegt wurden, hat sich die Zahl im Jahr 2017 im nördlichen Landkreis auf 137 erhöht.

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) hatte mit werbenden Worten für die Anfang Mai bevorstehende Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum“ eröffnet. Ein Drittel der bayerischen Landesfläche sei bewaldet, erinnerte er, „doch das Wild hat genauso eine Daseinsberechtigung wie der Wald. Nur wenn der Wolf irgendwann Einzug hält, müssen rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden“.

Auf das Spannungsfeld zwischen Abschussplänen, Jagdrecht, Tierschützern, Freizeitsportlern und allerlei Vorschriften verwies Kreisjäger-Vorsitzender Thomas Bär in seinen Betrachtungen. Er beschwerte sich deutlich über zwei verschiedene Beschilderungen an den ausgehängten Trophäen: Jene der in seinem Verband organisierten Jäger seien eingehend und aussagekräftig, jene des Forsts nur knapp mit verschlüsselten Namen. Das entspreche exakt den gesetzlichen Vorgaben, war darauf von einem Forstbediensteten zu erfahren.

Forstdirektor Markus Hildebrandt ging auf das Vegetationsgutachten zur Situation der Waldverjüngung ein, das wie alle drei Jahre auch heuer in seiner Verwaltung erarbeitet wird. Sein Amt biete dafür die Teilnahme an einer Waldbegehung an und er bat alle Interessenten, daran teilzunehmen. „Es soll so transparent wie möglich gestaltet werden“. Sehr aktuell sei auch die „Waldumbauoffensive 2030“, mit der die Staatsregierung die Waldbesitzer bei der Anpassung an den Klimawandel unterstütze, um klimatolerante, stabile und zukunftssichere Bestände zu erhalten. „Denn ein Mischwald aus Fichte, Tanne, Buche und sonstigen Laub- und Nadelbäumen ist nämlich je nach Standort die beste Vorsorge für die Auswirkungen der Klima-Veränderung“.

Wolfgang Kaiser

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