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Wie geht es nach dem Weggang von Peter Nagel (l.) und Peter Ries weiter? Jutta Griess ist in Sorge.

Ärger um GaPa-Tourismus

Jutta Griess: Eine „Bankrotterklärung der Politik“

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Der Weggang der beiden Tourismusdirektoren versetzt die Garmisch-Partenkirchner Hotellerie in Alarmbereitschaft. Um den erfolgreichen Kurs, der unter Peter Nagel und Peter Ries eingeschlagen wurde, beizubehalten, fordern sie ein Umdenken der Politik.

Garmisch-Partenkirchen – Zwei Touristiker, die sich mit viel Engagement und vor allem Leidenschaft für den Ort stark gemacht haben, kehren Garmisch-Partenkirchen den Rücken. Der eine, Peter Ries, geht zum Jahresende in den Vorruhestand. Der andere, Peter Nagel, wechselt zum 1. April 2018 ins Berchtesgadener Land. Das Aufgeben der beiden Tourismusdirektoren nennt Jutta Griess „eine Bankrotterklärung der Politik“. Diese habe es nicht verstanden, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Touristikern auf der Basis von Vertrauen und Wertschätzung wirtschaftliches Agieren mit kreative Freiheiten ermöglichen. Für die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) ein Unding. Nachdem sie und ihre Kollegen sich nach den Anstrengungen der vergangenen Jahre „auf einem gangbaren Weg wähnten in Richtung einer Rechtsformänderung, mit der man unabhängig von kommunalen Zwängen wirtschaftlich denken und arbeiten hätte können“, ist ihr Frust enorm.

Passiert ist nämlich wenig, abgesehen von „Lippenbekenntnissen, die mit immer weiteren Forderungen nach Nachweisen, Gutachten und daraus resultierenden Einschränkungen nie zu umsetzbaren Entscheidungen, geschweige denn Handlungen führten“. Griess schlägt Alarm und wird dabei von BHG-Ortsobmann Christian Wolf unterstützt. „Wir wollten weiterhin in hervorragender Zusammenarbeit mit dem GaPa-Team den Qualitätstourismus steigern und das in Ausgewogenheit mit der Bevölkerung“, erklärt der Direktor des Hotels Obermühle. Der bisherige Erfolg, der sich auch an den Ankunfts- und Übernachtungszahlen festmachen lässt, habe den Gastronomen und Hoteliers Recht gegeben. Daher ist das Unverständnis bei Wolf und Griess, Inhaberin des Hotels Rheinischer Hof, gewaltig: „Warum wurde trotz der offiziellen Zusage, die Rechtsformänderung voranzutreiben, alles getan, diese zu verhindern“, fragt Griess. Und das „bis hin zu einem personellen Kahlschlag“.

Was Griess und Wolf fehlen, sind Zukunftsperspektiven. „Es ist keine Lösung, einfach die Stelle neu auszuschreiben und weiter so“, betont der BHG-Ortsobmann. Ein Nachfolger ohne Ortsbezug, Netzwerk und emotionales Verständnis wird sich ihm zufolge an den kommunalen Hürden erst recht die Zähne ausbeißen. Die Folge: Demotivation. Ein Zustand, der dem Standbein Tourismus, bei dem laut Griess mindestens 80 Prozent der Marktgemeinde involviert sind, massiv schaden würde.

Die Überlegung, das Amt 80 dem kommunalen Eigenbetrieb Gemeindewerke anzugliedern oder möglicherweise einer Zugspitzbahn zu unterstellen, „ist des Gedankens nicht wert“, meint Griess. Während der Fokus der Werke auf dem Energiesektor liegt, gilt der der Bayerischen Zugspitzbahn der Vermarktung ihrer Bergbahnen. Beide Unternehmen seien in ihrem Metier durchaus erfolgreich, sagt die Kreisvorsitzende. „Aber sie sind eben nicht auf einen Garmisch-Partenkirchen Tourismus fokussiert.“ Derartige Gedankenspiele, von denen sie schon von verschiedenen Seiten gehört hat, „führen zu einem massiven Vertrauensverlust auf Seiten der Leistungsträger“.

Die Lösung aus dem Dilemma sehen sie und Wolf in einem politischen Umdenken – hin zu Entscheidungsfreudigkeit und Mut, etwas zu riskieren. „Sonst fürchten wir, dass größte Probleme auf Garmisch-Partenkirchen zukommen“, betont Griess. Und wirft die Frage in den Raum: Wollen Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und die 30 Mitglieder des Gemeinderats, „dass der Tourismus zusammenbricht?“ Die Antwort gibt sie gleich selber: „Sicher nicht.“ Deshalb sollten sich die Kommunalpolitiker über Hintergründe und Chancen informieren lassen, um die richtigen Weichen zu stellen.

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