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Auch die Zugspitze war ursprünglich mal Bestandteil von Plänen eines Nationalparks Ammergebirge. Eine neue Seilbahn hätte sich da nur schwerlich realisieren lassen.

Kabinettssitzung auf der Zugspitze

Nationalpark ist endgültig Geschichte

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Wie ein Damoklesschwert schwebte das Thema mitunter über den Häuptern von Bauern und Lokalpolitikern. Seit Dienstag können die Betroffenen aufatmen: Ein Nationalpark Ammergebirge wird nicht kommen! Das beschloss das Bayerische Kabinett in seiner Sitzung auf der Zugspitze.

Garmisch-Partenkirchen– In den vergangenen Jahren hatten die Pläne, im Freistaat einen dritten Nationalpark neben dem Berchtesgadener Land und dem Bayerischen Wald zu installieren, viel Wirbel und Protest ausgelöst. Der frühere Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte sich dafür stark gemacht. Bauern, Grundbesitzer, Jagd-, Wald- und Weidevertreter sowie die Kommunen befürchteten jedoch eine massive Einschränkung bei der Nutzung. Ein möglicher Nationalpark, der von Füssen bis Garmisch-Partenkirchen reichen sollte, war auf einer Gesamtfläche von 230 Quadratkilometern angedacht.

Einen Namen bekam der Widerstand gegen diese Pläne dann im Frühjahr 2017, als in Schwangau der landkreis-übergreifende Förderverein „Unser Ammergebirge“ gegründet wurde. Über 300 Interessierte traten dem Verbund auf Anhieb bei, heute sind es rund 600 Mitglieder. Zum Vorsitzenden wurde Michael Weisenbach aus Schwangau gewählt. Der nahm gestern die Kunde von Deutschlands höchstem Berg, dass ein möglicher Nationalpark Ammergebirge nun offiziell Geschichte ist, „mit großer Freude“ auf: „Wir sind natürlich glücklich darüber, dass die Vernunft über die Ideologie gesiegt hat. Ein Nationalpark hätte einfach zuviele Einschränkungen und Einschnitte ins Eigentum mit sich gebracht. Jetzt müssen wir nichts mehr verteidigen, sondern können etwas gestalten.“

Mit der Aufgabe der Pläne für einen Nationalpark einher geht nach dem gestrigen Beschluss des Kabinetts die Förderung anderer Maßnahmen im Rahmen der „Naturoffensive Bayern“. Für eine ganze Reihe von Projekten sollen 120 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Auch der neue und jüngste Naturpark Bayerns, die Ammergauer Alpen, kommen in den Genuss dieser Förderung: Einmal werden die beiden Vollzeit-Ranger-Stellen mit jeweils 70 000 Euro im Jahr unterstützt, und dann gibt es einmal noch einmal zwei Millionen Euro für ein Naturparkzentrum.

Die Opposition im Bayerischen Landtag kritisierte das Aus für den dritten Nationalpark sehr deutlich. „Wir brauchen mehr Naturschutz und mehr Engagement für den Erhalt unserer Heimat statt weniger“, sagte der SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn, und mahnte: „Wenn es um den Kampf gegen Artensterben geht, sind weitere Nationalparks unverzichtbar.“ Hubert Aiwanger von den Freien Wählern verlangt: „Es muss gezielt bayernweit in den Artenschutz investiert werden, anstatt punktuell in Begegnungsstätten und Schautafeln.“

Einen Blick voraus richtet der Vorsitzende des Fördervereins „Unser Ammergebirge“ nach der gestrigen Entscheidung: „Wir werden unseren Verein nun keinesfalls auflösen, im Gegenteil. Die Entwicklung des Naturraums, dessen Erhalt und dessen Schutz, ist ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Satzung. Wir begrüßen die neuen Pläne ausdrücklich und sind gerne bereit, uns hier einzubringen. Ein Gutes hat die Gründung des Fördervereins auf jeden Fall schon gehabt, denn der Austausch zwischen den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Ostallgäu ist wesentlich besser geworden.“ Man sei sich darüber bewusst geworden, dass man irgendwo vor den gleichen Herausforderungen stehe, egal, ob man nun in Oberammergau oder in Halblech lebe. Als „sehr positiv“ bewertet der Zweite Vorsitzende des Fördervereins, Robert Stumpfecker aus Unterammergau, die gestrige Entscheidung von der Zugspitze: „Man sieht daran, dass der Widerstand aus der Bevölkerung ernst genommen wurde und was gebracht hat. Aber man muss abwarten, ob nach der Landtagswahl neue Mehrheiten entstehen.“

Was wäre geworden, wenn . . . , dazu äußerte sich gestern auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler): „Zwei Drittel der Landkreisfläche sind schon unter Schutz gestellt, außerdem haben wir bei uns bereits das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Deutschlands, da hätte ein Nationalpark wirklich keinen Sinn mehr ergeben. Die Umsetzung hätte eine brutale Einschränkung in der Ausübung bestimmter Rechte wie in Wald und Weide mit sich gebracht.“ Erfreut zeigte sich Speer, dass mit den Mitteln, die ein Nationalpark verschlungen hätte, nun die Naturparks in Bayern unterstützt werden, darunter auch jener vor der Haustüre in den Ammergauer Alpen.

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