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Noch gibt es sie: Ein Schild am Olympia-Eisstadion weist in Richtung Curlinghalle.

Die Sprache der Zahlen 

Der Kampf um die Curling-Halle 

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Ende Februar 2018 soll Schluss sein. Ab diesem Stichtag wollen die Gemeindewerke die Curling-Halle anderweitig nutzen. Ein herber Schlag für die Curler, die gerade alle Hebel in Bewegung setzen, um das Aus abzuwenden. Ein Lichtblick: Im Oktober kommt ihr Anliegen noch einmal im Verwaltungsrat auf den Tisch.

Garmisch-Partenkirchen – Es sind Welten, die aufeinanderprallen. Die eine, die von Zahlen und Fakten, in der es vor allem darum geht, dass die Bilanz passt. Die andere, die der Leidenschaft. In der es darum geht, wofür das Herz schlägt. Diese Welten unter einen Hut zu bringen, ist nahezu unmöglich. Das zeigt sich gerade beim Olympia-Eissportzentrum (OEZ) immer wieder. Jüngstes Beispiel: das Aus für die Curling-Halle. Die Gemeindewerke, unter deren Zuständigkeit die traditionsreiche Sportstätte fällt, wollen die Räumlichkeiten ab Februar 2018 anderweitig nutzen (wir berichteten).

„Das wäre der Tod der Curling-Abteilung des SC Riessersee“, sagt deren Leiter Rainer Schöpp. Deshalb versuchen er und seine Mitstreiter, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Werke-Vorstand Wotan Lichtmeß doch noch umzustimmen. Was Schöpp besonders sauer aufstößt: Allein den Curlern sei zu verdanken, „dass das Stadion jetzt so dasteht“. Das zeigt ein Blick in die Historie. Schöpp bezieht sich auf die Zeit Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, als der gesamte Komplex ziemlich marode war. Über den Umweg, daraus ein Curling-Leistungszentrum mit 17 Bahnen zu machen, gelang es, 40 Prozent Förderung vom Land und genauso viel vom Bund für das komplette Stadion zu bekommen. „Das war mit der Verpflichtung verbunden, 25 Jahre Curling-Eis zur Verfügung zu stellen“, erklärt Schöpp. Zusätzlich schaffte er es 2007 über den Olympiastützpunkt Bayern, einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 20 000 Euro nach Garmisch-Partenkirchen zu holen – „der ist insgesamt sieben Jahre geflossen“.

Damit ist jetzt Schluss genau wie mit besagter Zweckbindung, und Lichtmeß zieht die Konsequenzen. Ihm geht es nicht allein um die Kosten, sondern auch darum, dass die Halle, wenn sie fürs Curling beeist ist, nicht anderweitig genutzt werden kann. „Eislaufen oder Eisstockschießen kann man da nicht. Das ist ein Problem.“ 200 000 Euro Defizit verbucht er jedes Jahr für die Halle III. 60 000 Euro davon sind Energiekosten (Kühlung, Strom und Wärme), rund 100 000 Euro entfallen fürs Personal. Nachdem Curling aber nur von wenigen Aktiven betrieben wird – Lichtmeß spricht von 20 bis 25, Schöpp von 35 bis 40 – war für den Werke-Chef jetzt der perfekte Zeitpunkt, um die Reißleine zu ziehen. Eine Entscheidung, hinter der die Mehrheit des Verwaltungsrats steht.

„Aufgabe einer Gemeinde ist die Daseinsvorsorge“, erklärt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die zudem diesem Gremium vorsitzt. „Da gehört auch der Breitensport dazu, zu dem Curling aber nicht zählt.“ Für etwa 25 Aktive eine sechsstellige Summe in die Hand zu nehmen, hält sie für schwierig.

Meierhofer, Lichtmeß und auch die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrats stehen voll hinter dem Eisstadion. Das werden sie nicht müde, zu versichern. „Eishockey würde ich nie in Frage stellen“, betont der Vorstand der Gemeindewerke. Jetzt die Curling-Halle zu schließen, ist für ihn auch „eine Maßnahme, um das OEZ insgesamt zu erhalten und weniger Defizit zu machen“. Aktuell sind es jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Euro, für das gesamte Stadion. Andere Nutzungen, die er sich in der Halle vorstellen kann, würden hingegen Geld in die Kasse spülen. Eine Idee von vielen: ein Indoor-Spielplatz. Im Raum steht auch eine Nutzung als Turnhalle. An Übungsstätten besteht im Markt bekanntlich ein großer Mangel. „Es herrscht auf jeden Fall Konsens, die Halle breiteren Schichten zur Verfügung zu stellen“, unterstreicht Lichtmeß.

Argumente, denen Schöpp nur wenig entgegenhalten kann. Die Zahlen, die der Werke-Chef ins Spiel bringt, bezweifelt er jedoch stark. Er geht von maximal 30 000 Euro für Energie aus und auch die angegebenen Personalkosten mag er nicht so recht glauben. Schöpps Dilemma ist aber der fehlende Rückhalt im Curling-Verband, der alle Mittel und Kräfte in Richtung Füssen kanalisiert. „Eine vertrackte Situation“, meint Schöpp.

Einen kleinen Funken Hoffnung verspürt er bei Lichtmeß’ Ankündigung, dass die Causa Curling-Halle im Oktober noch einmal im Verwaltungsrat auf den Tisch kommt. „Herr Schöpp hat mir von einer Bahn erzählt, die man ausrollen kann“, sagt Lichtmeß. Daraus könnten sich möglicherweise erhebliche Einsparungen bei den Energiekosten ergeben. Und darüber ist der Herr der Zahlen gerne bereit, noch einmal zu sprechen – „schon aus Gründen der Fairness“.

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