+
Applaus für Kanzlerkandidat Martin Schulz gibt es auch aus dem Landkreis. Doch die Sozialdemoktraten sehen nicht nur ihn als Grund für die Zustimmung. 

Zehn Prozent Mitgliederzuwachs bei Sozialdemoktraten im Landkreis

Schulz-Effekt und weitere Gründe: SPD im Aufwind

  • schließen

Knapp zehn Prozent – so viele Mitglieder hat die SPD im Landkreis dazugewonnen. 16 neue Parteibücher wurden ausgegeben, die Sozialdemokraten befinden sich im Aufwind. Das liegt nicht nur an Kanzlerkandidat Martin Schulz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Garmisch-Partenkirchen – Die Welle der Euphorie hat auch den Landkreis Garmisch-Partenkirchen erfasst. Das bestätigt Dr. Sigrid Meierhofer – vor allem aus Gesprächen in den vergangenen Tagen und Wochen. Ob die 16 Eintritte, durch die der SPD-Kreisverband mit den Ortsgruppen Garmisch-Partenkirchen (52), Murnau (74), Mittenwald (27), Oberau (17) und Farchant (15) auf 185 Mitglieder gewachsen ist, auf Kanzlerkandidat Martin Schulz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zurückzuführen sind, darüber kann die Kreisvorsitzende nur spekulieren. „Der Aufwind liegt sicher auch daran, dass wieder mehr Gewicht auf soziale Gerechtigkeit gelegt wird.“

„Viele sagen, dass die SPD wieder wählbar ist“

Enrico Corongiu ist froh, dass wieder soziale Themen im Fokus stehen.

Ein Thema, das Bundestagskandidat Enrico Corongiu ebenfalls am Herzen liegt. „Viele sagen, dass die SPD jetzt wieder wählbar ist.“ Das bezieht der Mittenwalder eindeutig auf die personellen Veränderungen an der Spitze. Sigmar Gabriel, der als Wirtschaftsminister vor allem mit der Debatte um das Freihandelsabkommen TTIP in Verbindung gebracht wurde, habe sich wie der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder Richtung Mitte gen Union bewegt. „Jetzt grenzen wir uns wieder ab und besinnen uns auf sozialdemokratische Themen.“ Darin unterscheide er sich auch von Alexander Dobrindt, betont der 38-Jährige. Der Bundesverkehrsminister (CSU) sei zwar beim Urnengang im Herbst ein gewaltiger Gegner, einschüchtern lässt sich Corongiu nicht. „Nicht alleine der Bundesverkehrswegeplan ist für unsere Zukunft entscheidend, sondern auch nachhaltiger Tourismus, gute und sichere Arbeitsplätze sowie stabile Renten.“

Profiliert habe sich der Kandidat aber nicht nur damit, sondern auch durch seinen Einsatz für einen Schwimmbad-Neubau in Mittenwald, bescheinigt ihm Ortsvorsitzender Detlef Hardt. Auch darauf führt er die vier Eintritte seit Jahresbeginn zurück. Jetzt hofft er nur noch, den Aufwind bis zur Bundestagswahl mitzunehmen. „Entscheidend ist schon einmal, dass die Stimmung gut ist, auch untereinander.“

„Spüren größeres Interesse an der Politik“

Eine Einschätzung, die seine Kollegen aus den anderen Ortsverbänden teilen. „Außerdem spüren wir wieder ein größeres Interesse an der Politik“, sagt Ulrike Bittner-Wolff (Garmisch-Partenkirchen). Ein Effekt, den sie nicht auf Schulz und Steinmeier zurückführt, sondern auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump. Der Schock über seinen Einzug ins Weiße Haus habe viele wachgerüttelt. „Die Menschen merken, dass sie sich engagieren müssen.“ Deshalb baut Meierhofer darauf, dass im September viele zur Wahl gehen. „Mein größter Wunsch wäre eine ordentliche Beteiligung.“ Und, dass sich die Wähler mit den Programmen, die die Parteien anbieten, auseinandersetzen. Sein Kreuz alleine bei einer Gruppierung zu machen, deren einziges Markenzeichen es sei, gegen alles zu sein, hält sie für wenig zielführend. Deshalb setzt sie auch auf gute Gespräche an den Infoständen.

Fokus auf sozialen Themen

Den Fokus auf soziale Themen zu legen, das ist auch Christian Allinger (Oberau) und Christoph Sörgel (Farchant) wichtig. Auf den Ausgang der Wahl sind sie äußerst gespannt. „Ich glaube, es bewirkt etwas, nicht auf einen vorgefertigten Stiefel zu setzen“, sagt Sörgel. Gerade im Landkreis, in dem viele Menschen im Tourismus und Gesundheitswesen arbeiten und eben keine Spitzenverdiener sind, „ist es enorm wichtig, für sozialen Wohnungsbau zu sensibilisieren“.

Viele Zweitstimmen wünschenswert

Eine Herausforderung, die Elisabeth Maise-Ball ebenfalls sieht. „Deshalb ist Martin Schulz ein Gewinn“, findet das SPD-Urgestein aus Murnau. „Er besinnt sich auf soziale Themen, vertritt das positive Denken und versprüht Freude.“ Mit ihm verspricht sie sich ein besseres Ergebnis für die Sozialdemokraten bei der Wahl im September. Und für den Landkreis-Kandidaten Corongiu. Auch wenn er gegen Dobrindt nichts ausrichten sollte, so wären doch viele Zweitstimmen erstrebenswert.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gästeglück auf drei Rädern
Der Mittenwalder Kranzberg ist um eine Attraktion reicher: Ab sofort können Erholungssuchende, die es mal rasant wollen, mit den sogenannten Mountaincarts ins Tal …
Gästeglück auf drei Rädern
Kein Traumergebnis für Tunnelgott Dobrindt
60, 70 oder 80 Prozent? Lediglich die Höhe von Alexander Dobrindts Mega-Triumph in Oberau schien im Vorfeld der Bundestagswahl spannend zu sein. Am Ende siegte die …
Kein Traumergebnis für Tunnelgott Dobrindt
So geht‘s nach dem Bad Kohlgruber Bürgerentscheid weiter
Der Bürgerentscheid in Bad Kohlgrub hat ein deutliches Ergebnis gebracht. Doch wie geht es nun weiter? Darüber muss sich der Gemeinderat Gedanken machen.
So geht‘s nach dem Bad Kohlgruber Bürgerentscheid weiter
Farchanter Hotel-Pläne kommen auf den Tisch
Die Farchanter haben entschieden: Das neue Hotel an der Frickenstraße kann kommen. Mit dem Votum der Bürger ist auch der klare Auftrag zum Weiterplanen verbunden. Den …
Farchanter Hotel-Pläne kommen auf den Tisch

Kommentare