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Hier soll das Gewerbegebiet entstehen. 

Ein Gordischer Knoten

Kaum Fortschritte beim Gewerbegebiet Garmisch-Partenkirchen

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Der Bedarf ist da, die Nachfrage entsprechend groß. Seit Jahren. Passiert ist derweil wenig. Noch immer gibt es kein neues Gewerbegebiet in Garmisch-Partenkirchen. Handwerkern und Gewerbetreibenden, die deshalb existenzielle Probleme plagen, bietet die Gemeinde nun Zwischenlösungen an.

Garmisch-Partenkirchen – Die Weichen wurden schon 2014 gestellt. Wenige Monate später, im Frühjahr 2015, sollten die ersten Bagger rollen. Passiert ist herzlich wenig. Noch immer ist kein Flächennutzungsplan für das künftige Gewerbegebiet am nördlichen Ortseingang von Partenkirchen aufgestellt. „Das kann’s eigentlich nicht sein“, meint Franz Hummel. „Wir haben uns darauf verlassen, dass etwas passiert.“ Damit spricht der Investor nicht nur von sich und seinen Mitarbeitern, sondern auch von den zahlreichen Handwerkern und Gewerbetreibenden aus Garmisch-Partenkirchen, die händeringend Flächen suchen. „Ohne Werbung zu machen, hatten wir gleich 46 ernsthafte Interessenten auf der Matte stehen“, erinnert sich Hummel an die anfängliche Euphorie. Die ist bei vielen mittlerweile der Ernüchterung gewichen.

50.000 Quadratmeter stehen Hummel zur Verfügung, um seine Pläne zu realisieren. Bei weitem nicht genug Platz, um alle Ansprüche zu befriedigen. „Da bringen wir etwa ein Drittel der Interessenten unter“, vermutet der Bauunternehmer. Die große Lösung, die noch ein Sondergebiet Handwerk und ein gemischtes Baugebiet bis zum Partenkirchner Friedhof beinhaltet, hat er längst ad acta gelegt. „Die werden wir nie erleben“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. Zu viele Grundbesitzer sind involviert, zu kleinteilig sind die Flächen. „Die Leute in diesem Bereich verkaufen nicht.“ Das ist dem Unternehmer klar, davon weiß aber auch die Gemeinde. Warum auf dem Teil, über den er verfügt – „teils haben wir’s erworben, teils getauscht“ –, nach wie vor nichts passiert, versteht er nicht.

Meierhofer: „Wir sind immer noch am Anfang“

Einen „Wahnsinn“ findet auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) den momentanen Zustand. Die Probleme, vor denen Handwerker und Gewerbetreibende stehen, sind ihr durchaus bewusst. Erst jüngst musste die Gemeinde eingreifen und einem Betroffenen eine Zwischenlösung mittels Containern ermöglichen, der ansonsten von seinen Lieferanten nicht mehr hätte angefahren werden können. „Das ist schlecht“, räumt die Rathaus-Chefin ein. „Mir ist klar, dass viele dringend Flächen brauchen.“ Trotz des Grundsatzbeschlusses vom 15. Oktober 2014, übrigens der sechsten Sitzung unter Meierhofers Regie, „sind wir immer noch am Anfang“.

Diese Situation vergleicht die Bürgermeisterin „mit einem Gordischen Knoten, der Stück für Stück gelöst werden muss“. Entscheidend für sie ist es, die Interessen der Gemeinde zu wahren. „Wir müssen den Planungsgewinn abschöpfen“, betont sie. Und dabei kann sie nicht alleine das Gewerbegebiet betrachten, sondern muss die Pläne rund ums Bahnhofsareal miteinbeziehen. „Vor meiner Zeit wurden Fakten geschaffen, die meiner Meinung nach nicht gut waren“, sagt Meierhofer. Nachdem sie aber nicht alles rückgängig machen kann, pocht sie auf eine saubere Lösung ihres Gordischen Knotens. Wann diese zu erwarten ist, steht in den Sternen.

Hilfe bei existenziellen Problemen

Was sie den Gewerbetreibenden anbietet, sind vorläufige Modelle, beispielsweise mit Hilfe von Containern, wie bereits geschehen. „Wer vor existenziellen Problemen steht, dem können wir helfen“, verspricht Meierhofer.

Hummel nutzt das freilich wenig. Er und sein Team von der FH Innova GmbH müssen sich weiterhin in Geduld üben. Seiner Meinung nach wäre es ideal, das Gewerbe auf den Flächen gegenüber dem Wohngebiet Am Brünnl anzusiedeln. „Die Erschließung soll über die Münchner Straße erfolgen, der Schwerlastverkehr ist dann aus dem Ort.“ Was auf besagten 50 000 Quadratmetern entsteht, liegt dem Investor zufolge rein in der Planungshoheit der Gemeinde. „Es geschieht nichts ohne ihr Einverständnis. Klar ist außerdem, dass eine Tankstelle oder ein Baumarkt nicht unser Thema sind.“ Hummel ist sich seiner Verantwortung gegenüber dem Ort schließlich bewusst.

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