Endlich wieder Proben: Die Darsteller von „Wir sind die Neuen“ bereiten sich auf die Premiere vor.  Foto: thomas sehr
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Endlich wieder Proben: Die Darsteller von „Wir sind die Neuen“ bereiten sich auf die Premiere vor.

Zurück im Saal

„Kleines Theater“ startet wieder mit Programm - Proben für Premiere laufen

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Die Corona-Zwangspause ist vorbei: Das Ensemble des Kleinen Theater in Garmisch-Partenkirchen spielt wieder im gemütlichen Saal.

Garmisch-Partenkirchen – Immer mal wieder stand Tatjana Pokorny in den vergangenen Monaten in dem gemütlichen Saal. Im verwaisten Saal. Jedes Mal überkam sie Wehmut. „Es gibt nichts Traurigeres, als ein Theater, das nicht bespielt wird“, sagt sie. Ist es doch ein Ort des Gefühls, der Tränen, der Freude. Ein Ort, an dem das Leben tobt. Das kehrt nun wieder zurück. Die Juniordirektorin sperrt am Samstag, 17. Oktober, das „Kleine Theater“ in Garmisch-Partenkirchen nach der Corona-Zwangspause wieder auf. Sogar eine Premiere steht schon bald an.

Pokorny schlägt die Hände dankend vor dem Gesicht zusammen. „Keiner dachte, dass wir heuer noch was machen“, räumt die 44-Jährige ein. Inzwischen fanden erste Proben statt. Drinnen. Daheim im Theatersaal. „Wir wollen gar nicht mehr raus.“ Das Ensemble knüpft an die Vor-Corona-Zeit an. Kurz vor dem Lockdown hatte es bereits das Stück „Wir sind die Neuen“ nach der Bühnenfassung von Jürgen Popig einstudiert. Schon damals befürchtete Pokorny, dass es keine Premiere geben würde. Nur laut aussprechen wollte sie das nicht.

Kehrtwende im Kopf

Während ab Samstag bereits aufgeführte Inszenierungen auf dem Spielplan stehen, fällt am Samstag, 14. November, zum ersten Mal der Vorhang für die deutsche Komödie, die Regisseur und Produzent Ralf Westhoff 2014 als Film auf die Leinwand brachte. Mit Gisela Schneeberger und Heiner Lauterbach in den Hauptrollen. Pokorny lacht schon beim Gedanken an den Inhalt, an den Generationenkonflikt, der ihrer Meinung nach wegen Corona aktueller denn je ist: Drei Ü60-er ziehen zusammen und geraten schnell mit den Bewohnern einer Studenten-WG aneinander. Die Jungen – Spießer, wie sie im Buche stehen. Die ihre Schuhkartons mit Bildern ihrer Fußbekleidung bekleben und überehrgeizig für ihre Prüfungen büffeln. Die Alten – wild wie Hippies. Die nachts trinken, philosophieren und laut Musik hören. Doch irgendwie müssen sie sich zusammenraufen. Die gängigen Klischees werden ins Gegenteil verkehrt. „Es ist eine verdrehte Welt“, sagt Pokorny.

Auch sie als Regisseurin musste eine Kehrtwende im Kopf machen. Wegen Covid-19 verzichtet sie bei der Inszenierung auf Kussszenen, so gut wie möglich auf Berührungen. Alle Stücke, die nun auf die Bühne kommen, hat sie deshalb ein wenig geändert. Der einzige Vorteil des Virus’: Er setzt zusätzliche Kreativität frei, meint sie. Das war’s aber auch schon mit den positiven Effekten – gerade aus Sicht der Kunstschaffenden, von denen einige in Zeiten ohne Veranstaltungen mehr denn je ums finanzielle Überleben kämpfen.

Theater erlegt sich strengere Regeln auf als erfordert

Pokorny hofft, dem Publikum wieder ein Stück weit Normalität bieten zu können. So weit das eben möglich ist. Die Auflagen hält sie ein. Mehr noch: Sie handhabt den Betrieb sogar noch strenger. Statt den erlaubten knapp 45 Zuschauern, lässt sie nur 33 ins Theater. Die erste Reihe bleibt frei, dann jede zweite. Und jene werden nicht komplett besetzt. Das Stück, das etwa eineinhalb Stunden dauert, ziehen die Darsteller sogar ohne Pause durch. Nach jeder Vorstellung gibt’s eine Corona-Reinigung. Alles sehr aufwendig. Doch Pokorny liegt eines vor allem am Herzen: „Die Besucher“, betont sie, „sollen sich wohlfühlen.“

Besetzung

Elisabeth Hofmeister, Rainer Pokorny, Georg Löcherer, Melanie Cohn, Benedikt Ehrenberg und Nea Lechner.

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