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Viele sind sich einig: Laura Dahlmeier muss Ehrenbürgerin werden.

Nicht mal Olympia-Helden werden geehrt

Keine Ehrenbürgerwürde für Sportler

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37 Ehrenbürger hat der Markt Garmisch-Partenkirchen bislang auserkoren. Darunter bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion. Nur ein Sportler fehlt in der langen Liste. Nicht einmal seine Olympiasieger erhielten die höchsten Weihen der Gemeinde.

Garmisch-Partenkirchen – Die Meinung der Masse war eindeutig: Laura Dahlmeier muss Ehrenbürgerin werden. Roman Roell, Moderator beim Empfang der Biathlon-Weltmeisterin, hatte die Spontan-Umfrage gestartet. Keine repräsentative natürlich. Den Fans gefiel der Ansatz. Das Volk applaudierte für Laura als Ehrenbürgerin. Doch die Volksvertreterin gab die Spielverderberin. Sigrid Meierhofer, Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin, stellte klar: Dahlmeier ist noch zu jung. Ihre höchste Auszeichnung vergibt die Markgemeinde für die Lebensleistung bedeutender Persönlichkeiten. „Laura hat ja noch einiges vor sich“, sagt Meierhofer. Nichts Neues: Bereits nach ihrem Fünffach-Triumph bei der WM in Hochfilzen hatte die Bürgermeisterin ausgeschlossen, Dahlmeier die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Gleiches gilt für Skiass Felix Neureuther nach seiner Bronzemedaille bei der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft. Auch er: zu jung.

In der Liste der Ehrenbürger sucht man vergebens nach Sportlern

Zuletzt ernannte die Marktgemeinde Hüft-Papst Professor Dr. Fritz Lechner, Unternehmer Hans Langmatz, Pfarrer Franz Sand und Olympia-Stadionsprecherin Inge Wörndle zu Ehrenbürgern. Insgesamt 37 Namen umfasst die Liste. Aus den Bereichen Kultur, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Geistlichkeit finden sich Würdenträger. Nur einen Sportler sucht man vergebens in dem Ort, den der Sport groß gemacht hat. 

Michael Maurer, der Präsident des SC Partenkirchen, sagt: „Mir würde da sofort der eine oder andere einfallen, der das verdient hätte in einem Ort, der sich sehr mit dem Wintersport identifiziert.“ Es dürfte kein Problem sein, einem herausragenden Sportler die Würde zu verleihen, sagt Maurer. Er denkt an die Olympiasiegerinnen Maria Höfl-Riesch und Rosi Mittermaier. Auch Elisabeth Koch, Fraktionsvorsitzende der CSU, findet: Es geht nicht, dass Garmisch-Partenkirchen keinen seiner großen Athleten berücksichtigt hat. „Bei Sportlern sollte man einen anderen Maßstab anlegen. Ihre Schaffenszeit ist begrenzt.“ Heißt: Man muss sie zeitnah ehren.

Nicht einmal Olympia-Helden werden geehrt

Garmisch-Partenkirchen hat es beispielsweise verpasst, seinen Olympia-Helden der 1970er Jahre zu huldigen: Ignaz Berndaner und Franz Reindl, die Eishockey-Bronzemedaillen-Gewinner von Innsbruck. Oder die Gold-Rosi, die zwar aus Reit im Winkl kommt, aber seit Jahrzehnten in der Marktgemeinde wohnt. Es wäre ähnlich wie bei Langmatz, Richard Strauß oder Hermann Levi abgelaufen, die nach Garmisch-Partenkirchen gezogen waren und später Ehrenbürger wurden. Am schlimmsten findet es Koch, dass Höfl-Riesch übergangen wurde. Eine zweimalige Olympiasiegerin gehöre ganz einfach geehrt. „Sie hat den Namen des Ortes in die Welt hinausgetragen.“ Diese Chance hat die Gemeinde unter Thomas Schmid liegen lassen. Der Ex-Bürgermeister (CSB) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Weil Höfl-Riesch mittlerweile in Kitzbühel wohnt, kann sie die Marktgemeinde nicht nachträglich ehren. So will es die Ehrungsordnung der Gemeinde.

Andere Orte machen es vor, wie es geht

Was sonst noch drinsteht in der Ehrungs-Anleitung: Die Kandidaten empfiehlt der Ältestenrat, sie müssen nachhaltig herausragende Dienste für den Ort geleistet haben und erhalten eine Urkunde. Mit dem Tod erlischt die Ehrenbürgerwürde. Letztlich entscheidet der Gemeinderat. Koch sagt: Es brauche einen „absoluten Konsens, es darf keinen Widerspruch geben“. Außerdem dürfe die Wahl nicht politisch motiviert sein. Über ihren Sprecher Florian Nöbauer ließ die Bürgermeisterin mitteilen, dass sie es begrüßen würde, wenn der Markt eine Vertreterin des Sportes zu den Ehrenbürgern zählen könnte. An Personaldiskussionen möchte sich Meierhofer nicht beteiligen. Für ein Interview stand sie nicht zur Verfügung, da sie terminlich stark ausgelastet ist. 

Andere Orte machen es vor, wie’s geht. Gera hat Weitsprung-Olymiasiegerin Heike Drechsler sowie Box-Trainer Ulli Wegner ausgezeichnet, Kaiserslautern und Hamburg seine Fußball-Legenden Fritz Walter sowie Uwe Seeler. In Schönau ist Bundestrainer Joachim Löw Ehrenbürger. Selbst im Landkreis gibt es zwei Sportler: Martina Beck in Mittenwald und Magdalena Neuner in Wallgau – beide Biathletinnen. Wie Dahlmeier.

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