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Weniger Zuschauer als erhofft, haben sich den „Räuber Kneißl“ mit (v.l.) Maximilian Pfnür,  Ferdinand Ascher und Franz-Xaver Zeller in der Bayernhalle angeschaut.

2017 steht im Zeichen von Jubiläen

„Keine hemdsärmlige Ersatzlösung“ für den Kultursommer

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Garmisch-Partenkirchen – Noch ist nicht aufgearbeitet, was beim Kultursommer 2016 schief gelaufen ist. Ein Gespräch mit Künstlerischem Leiter Georg Büttel ist bislang nicht terminiert. Stattdessen wird an einer Zwischenlösung fürs kommende Jahr gearbeitet, die ganz im Zeichen von Jubiläen stehen soll.

Der Vertrag mit Kultursommer-Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia, beziehungsweise dessen Auflösung, stand zunächst ganz oben auf der Prioritätenliste. Und wurde abgearbeitet. Nächster Punkt: Welches Programm soll dem Garmisch-Partenkirchner Publikum nach der Insolvenz der Cultus Production, deren Geschäftsführender Gesellschafter Zwipf-Zaharia ist, geboten werden? Eine Zwischenlösung steht nun für 2017 im Raum, über die kommenden Jahre soll Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zufolge schnellstmöglich gesprochen werden. Die Fäden hält die Steuerungsgruppe Kultur in der Hand, die sogar schon eine erste Spielplan-Idee auf dem Tisch hatte. Die fand allerdings keine breite Zustimmung. Etliche sahen’s als „Schnellschuss“, was da präsentiert wurde. „Ein glücklicher Zufall“ sei nun, dass im kommenden Jahr einige Jubiläen und runde Geburtstage anstehen. Das Partenkirchner Bauerntheater feiert sein 125-jähriges Bestehen, die Reihe „Jazz GAP“ ihr zehnjähriges und auch in Garmisch-Partenkirchen sind Aktivitäten zum Lutherjahr – 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen – geplant. So wie es ausschaut, soll nun daraus ein Programm für den kommenden Sommer gestrickt werden.

Noch stehen keine Details fest, noch laufen die Gespräche. Schon jetzt zeigt sich Robert Allmann (SPD), Kulturreferent des Gemeinderats, aber froh, „dass es keine hemdsärmelige Ersatzlösung geben wird. Das wäre auch dem bisherigen Kultursommer gegenüber nicht gerecht“. Zudem erinnert er an einen Punkt, der angesichts der Aufarbeitung der Cultus-Production-Insolvenz bislang außer Acht gelassen wurde: die Auseinandersetzung mit dem, was beim Kultursommer – gerade heuer blieben die Zuschauerzahlen hinter den Erwartungen – schief gelaufen ist und was in den 14 Jahren seines Bestehens gut funktioniert hat. Das bedeute im Umkehrschluss, dass endlich mit Georg Büttel, dem Künstlerischen Leiter der Reihe, gesprochen werden muss. „Bisher fanden alle Gespräche ohne ihn statt“, sagt Allmann.

Ein Vorgehen, das auch Büttel wundert. „Eigenartig“, findet er, dass bislang weder mit ihm noch mit anderen Akteuren geredet wurde. „Ich hatte mehrfach nachgefragt, wurde aber von Seiten der Gemeinde immer wieder mit Hinweis auf die mögliche Vertragsauflösung vertröstet.“ Nachdem er sich seit 14 Jahren mit viel Herzblut für den Kultursommer einsetzte und dazu beitrug, dass die Reihe auch überregional Aufmerksamkeit erregte, liegt ihm an einer Fortsetzung. „Mein Punkt ist nicht, dass es nur mit mir weitergehen kann“, unterstreicht der Garmisch-Partenkirchner. Entscheidend für ihn ist „eine selbstkritische Auswertung der vergangenen Saison und eine Perspektive für die Kultur“.

Georg Büttel.

Daran liegt Meierhofer ebenfalls. Sie hat aber auch mitbekommen, wie verschnupft manche ortsansässige Kulturschaffende sind, die nicht in die sommerlichen Veranstaltungen integriert waren. „Das lag auch an den Zuschüssen vom Freistaat, an die Professionalität und eine gewisse Zahl an Vorstellungen gekoppelt waren“, erklärt die Bürgermeisterin. Deshalb stellt sie im Vorfeld der Neuausrichtung die Frage in den Raum, ob es die 25 000 Euro aus dem Fördertopf für nichtstaatliche Theater wert sind, dafür kreative Köpfe vor Ort zu vergrämen. „Das müssen wir sicher klären.“

Wenn sich die Gemüter etwas abgekühlt haben, strebt sie natürlich ein Gespräch mit Büttel an, den sie gerne wieder an Bord haben will. „Wir haben beim Kultursommer wunderbare Vorstellungen erlebt, darüber sind wir uns doch alle einig“, sagt Meierhofer. „Das schlecht zu reden, ist unangemessen und nicht angebracht.“ Schließlich habe die Reihe seit 2003 gezeigt, wie viele beeindruckende Spielorte, wie viele interessante Geschichten und wie viele besondere Talente ihr Heimatort zu bieten hat. Das will sie nicht missen, denn Kultur versteht die Bürgermeisterin „als lebenswertes und lebenswichtiges Element des Gemeinwesens“.

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