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Kind (2) stürzt mit Kinderwagen in die Loisach, Oma (59) springt hinterher

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Von: Christian Fellner

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Die Loisach zwischen Burgrain und Farchant bei Garmisch-Partenkirchen.
Die Loisach zwischen Burgrain und Farchant: In diesem Abschnitt ist der Kinderwagen in den Fluss gestürzt. © Josef Hornsteiner

Einen Moment hat die Großmutter nicht hingeschaut, da machte sich der Kinderwagen selbstständig: Mit einem zweijährigen Buben an Bord rollte das Gefährt in die eiskalte Loisach. Doch die Oma zögerte keine Sekunde. Die Details einer spektakulären Rettungsaktion.

Farchant – Es ist ein Drama mit einem Happyend. Zumindest, soweit die Einsatzkräfte das am Freitag beurteilen konnten. Denn ein zweijähriger Bub ist am Donnerstagnachmittag gegen 16.15 Uhr mitsamt seinem Kinderwagen in die eisig kalte Loisach gestürzt. Das Kleinkind konnte durch das beherzte Eingreifen von Oma und Schwester sowie später tapferen Ersthelfern und den Experten der Rettungskräfte sowie des Klinikums gerettet werden. „Der Zustand ist stabil“, berichteten Polizei und BRK-Sprecher Jörg Jovy am Freitag übereinstimmend.

Spaziergang an der Loisach nimmt dramatische Wende

Die Großmutter war mit den beiden Enkeln eigentlich nur spazieren gegangen. Mit der 17-Jährigen und dem Kleinen im Kinderwagen lief die 59-Jährige an der Loisach entlang zwischen Burgrain und Farchant. Kurz vor der Bahnunterführung passierte es: Es war nur ein Moment, in dem sie den Buggy außer Acht ließ – schon rollte das Gefährt los in Richtung Fluss, stürzte mitsamt dem Kind hinein – und wurde mitgerissen. Die Frau überlegte nicht lange. Sie stürmte hinterher, rein ins kalte Wasser. Erst rund 150 Meter flussabwärts, etwa auf Höhe des Penny-Einkaufsmarktes, gelang es ihr, den Kinderwagen zu erreichen. Auch das Mädchen sprang nun ins Wasser und half bei der Rettung.

Nun zur glücklichen Fügung. Ein Ehepaar hatte die Szene zufällig von der Straße aus beobachtet und alarmierte sofort die Polizei. Die traf nur wenig später von der nahen Inspektion in Partenkirchen ein. Die Beobachter waren derweil sofort zur Unglücksstelle geeilt, zudem griff eine Joggerin mit ein. „Das war ein großes Glück“, betont Jovy. Denn die Frau verfügte über fachliche Kenntnisse und leitete sofort die Ersthilfemaßnahmen ein. Sie befreiten den Buben von den nassen Klamotten, hüllte ihn in wärmende Jacken, zudem sorgte sie dafür, dass er das geschluckte Wasser wieder ausspuckte.

Großes Lob für die Ersthelfer, die beherzt eingegriffen haben

Die Vertreter der Rettungskräfte sparen nicht mit Lob für den uneigennützigen Einsatz aller Helfer: „Das war absolut vorbildlich, denn die Situation war definitiv lebensbedrohlich für das Kind“, betont Markus Krönninger, der Einsatzleiter für die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) Partenkirchen, die mit einem Rettungswagen als Erster an der Loisach eintraf. „Auch wie die Personen als Einweiser an der Straße dabei geholfen haben, dass wir die Stelle sofort gefunden haben.“ Und BRK-Sprecher Jovy ergänzt: „Auch Respekt vor der Großmutter und dem Mädchen, das muss man erst einmal machen.“

Kurze Zeit nach der SEG kamen – aufgrund von mehreren zeitgleichen Einsätzen – auch die Rettungswägen aus Mittenwald und Murnau sowie per Helikopter Christoph Murnau der Notarzt aus der Unfallklinik Murnau. Auch die Mutter der Garmisch-Partenkirchner Familie war mittlerweile zum Einsatzort gekommen. Schnell wurde von den Fachkräften entschieden, das Kleinkind zur weiteren Behandlung mit dem bereits vorgeheizten Rettungswagen ins Klinikum nach Garmisch-Partenkirchen zu bringen. Auch die 17-Jährige wurde dort vorsorglich untersucht. Die Großmutter war während der weiteren Rettungsmaßnahmen bereits nach Hause geeilt – um heiß zu duschen, sich aufzuwärmen.

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