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CSU schlägt Alarm: In der Kinderbetreuung fehlen immer mehr Fachkräfte - Müssen bald Kindergärten schließen?

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Von: Christian Fellner

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Kinderbetreuung wird für die Kommunen immer schwieriger zu leisten, weil es an Fachpersonal fehlt.
Kinderbetreuung wird für die Kommunen immer schwieriger zu leisten, weil es an Fachpersonal fehlt. © Monika Skolimowska/dpa

Garmisch-Partenkirchens Vize-Landrat Dr. Michael Rapp (CSU) appelliert im Kreisausschuss an den Landrat und die Kreisverwaltung, ein Ausbildungsangebot im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu schaffen. In akuter Not befindet sich bereits die Gemeinde Oberau.

Garmisch-Partenkirchen – Peter Imminger meldete sich unter dem Punkt Sonstiges zu Wort. Diesmal hatte der Oberauer Bürgermeister aber nicht etwa eine lustige Anekdote beizusteuern. Nein, dem CSU-Fraktionssprecher war es ernst, sehr ernst. „Wir in Oberau werden wohl bald nicht mehr in der Lage sein, den Betrieb unseres Kindergartens aufrechtzuerhalten“, warf er in den Sitzungssaal des Garmisch-Partenkirchner Rathauses, in dem die Mitglieder des Kreisausschusses zusammengekommen waren. Kurzes Schweigen. „Wir bekommen keine Betreuerinnen mehr“, klagte Imminger. Es gebe – wenn es hochkommt – vielleicht eine Bewerbung auf eine Ausschreibung. „Sonst gar nichts.“

Imminger wählte die Situation in seiner Heimatgemeinde als Beispiel, um auf einen generellen Notstand hinzuweisen: das Fehlen von Pflegekräften. „Wir müssen auf Landkreis-Ebene handeln“, ergänzte Dr. Michael Rapp (CSU). „Jeder Tag, der vergeht, ist einer zu viel.“

Harald Helfrich pflichtete den Kollegen bei. Der Sozialdemokrat hatte schon bei einem Tagesordnungspunkt zuvor auf die Pflegeproblematik hingewiesen. Dabei geht es nicht nur um Kliniken und Senioreneinrichtungen, sondern speziell um Schulpädagogik, um die Betreuung von Kindern in Tagesstätten und Kindergärten. „2025 kommt das Recht für jedermann auf eine Ganztagesbetreuung“, betonte Helfrich. „Da brauchen wir auf einen Schlag 50 neue Erzieher im Landkreis.“ Man müsse jetzt über das Thema sprechen, „nicht, dass wir dann auf einmal extrem überrascht sind“.

Notstand bereits in vielen Gemeinden des Landkreises

Rapp übernahm für die CSU das Wort. „Der Mangel besteht nicht nur in Murnau oder Oberau, sondern in vielen anderen Orten des Landkreises“, versicherte der Vize-Landrat. Überall würden Pflegekräfte gesucht. Im Fokus: pädagogisches Personal. „Ohne diese Fachkräfte können wir die Betreuung nicht mehr sichern.“ In der Bildungsregion habe man sich mit der Thematik bereits beschäftigt. Das Fazit: „Man muss den Berufsstand der Erzieher, der Kinderpfleger im Landkreis stärken.“

Die nächsten Fachschulen sind die private Einrichtung Regens Wagner in Rottenbuch sowie die staatliche in Starnberg. „Das ist zu weit weg, das macht den Beruf unattraktiv“, monierte Helfrich, der selbst an St. Irmengard in Garmisch-Partenkirchen die Offene Ganztagsschule leitet. „Es gibt bestimmt junge Menschen, die sich dafür interessieren, aber die müssen verdammt weit fahren.“ Rapp betonte, dass es vor einigen Jahren Kontakt nach Rottenbuch gab. Der Landkreis hatte Interesse, eine Außenstelle in der Region zu eröffnen. „Wir hätten eine Fachakademie aufbauen können, nicht in Konkurrenz zu Rottenbuch.“ Sondern als Ergänzung des Angebots. Doch: Der Gesetzgeber schob einen Riegel vor. Gemeinsame Sache mit einem privaten Träger schloss die Regierung von Oberbayern aus.

CSU-Forderung: Neuer Anlauf für ein Ausbildungsnagebot im Landkreis muss her

Nun erneuerte Rapp die Forderung der CSU: Es brauche einen neuen Anlauf, um ein Angebot zu schaffen. Sein Vorschlag: „Wir könnten die Ausbildung im Landkreis ansiedeln, die Prüfung dann in der staatlichen Stelle in Starnberg abhalten.“ In jedem Fall herrsche oberste Dringlichkeit, mahnte der Murnauer an.

Grüne und SPF schließen sich der Forderung an

In Veronika Jones fand Rapp sofort eine Mitstreiterin. „Ich würde eine solche Einrichtung auf Kreisebene sofort begrüßen“, betonte das Mitglied der Grünen-Fraktion. Doch das ging ihr nicht weit genug. „Für die Zeit, bis etwas geschaffen werden kann, brauchen wir auch eine Lösung.“ Sie regte zumindest einen Bustransfer für Schüler an. In der Stadt München existiere ein Programm, das für das pädagogische Personal einen Zuschlag zum Gehalt garantiert.. „Wir sind auch ein Kreis mit hohen Kosten und Mieten. Wir sollten an allen Stellschrauben drehen, die wir haben.“

Helfrich plädierte auch dafür, „im Landkreis etwas zu etablieren“. Nochmals brachte er die Betreuungs-Novelle ab 2025 ins Spiel: „Dann brauchen wir pädagogisches Personal, keine Hilfsarbeiter.“

Wenig Rückmeldung zu diesem Vorstoß gab es von der Kreisverwaltung. Landrat Anton Speer (FW) merkte nur an, dass er das Thema als „sehr wichtig“ einstufe. Ein Versprechen aber gab er: „Wir werden die Sache schnellstmöglich prüfen.“

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