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Bewegung kann Spaß machen: Davin Höfel (M.) hat die Choreografie mit den Mädchen erarbeitet. 

Kinderrheumaklinik Garmisch-Partenkirchen: Erfolg mit neuer Methode

Angebot für Kinder: Diese Therapie soll ihre chronischen Schmerzen lindern

Ungefähr zwölf Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Tendenz steigend. Darunter sind viele Kinder. Als Therapiemöglichkeit wird im Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie in Garmisch-Partenkirchen gibt‘s ein besonderes Angebot.

Garmisch-Partenkirchen – „ . . . sieben, acht“, zählt Devin Höfel den Takt ein, und schon bewegen sich die acht Mädchen mit ihm im flotten Rhythmus der Musik. „Der erste Teil der Choreografie steht“, sagt der 18-jährige Tanzcoach. Man merkt, dass Hip-Hop, einer der angesagten Tanzstile, die jugendlichen Patienten, die in der Fachabteilung für chronische Schmerzerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie (DZKJR) behandelt werden, anspricht. Sie sind gern und mit Eifer dabei. Aufführen werden sie das Einstudierte allerdings nicht, denn sie trainieren nicht für eine Showeinlage, sondern aus therapeutischen Gründen. „Vielleicht zeigen wir eine kleine Präsentation auf der Station“, meint Dr. Lea Höfel, die das Projekt „Tanz den Schmerz weg“ leitet.

„Häufig ist es nicht der eigentliche Schmerz, sondern die Angst vor Schmerzen, die Jugendlichen trotz Freude an Musik und Bewegung vom Tanzen abhält“, sagt sie. Genau diesem Aspekt widmet sich das Projekt. Dabei wacht die Psychologin darüber, dass ihre Patienten neben den sportlichen Anforderungen auch im richtigen Maß entspannen. Dafür hat sie andere Übungen parat.

In den Pausen gibt es mit den Kindern und Jugendlichen Gespräche über sinnvolle Ernährung und darüber, wie sie mit ihrem Körper gut umgehen können. „Für Felicitas haben wir zum Beispiel gesonderte Bewegungen in der Choreografie gefunden, die ihr keine Schmerzen bereiten“, erklärt Höfel.

Das zwölfjährige Mädchen aus Bad Kreuznach ist bereits zum zweiten Mal in Garmisch-Partenkirchen zur Behandlung. „Gerade wurde mein zweiwöchiger Aufenthalt hier um weitere sieben Tage verlängert“, erzählt sie. Sie leidet wie auch die anderen an einer Störung im Schmerzverarbeitungszentrum, hat also chronische Schmerzen ohne zunächst erkennbare, nachweisbare Ursachen. Caroline ist aus Fürstenfeldbruck gekommen. Mit elf Jahren ist sie die Jüngste in der Tanztherapiegruppe. Jasmine mit 17 Jahren die Älteste. Sie bringt ebenso wie vier der anderen Mädchen Vorkenntnisse mit, war bereits – bis ihre Schmerzen sie ausbremsten – aktiv in einem Tanzstudio. „Jetzt macht es wieder echt Spaß“, sagt sie.

Zweimal wöchentlich trafen sich die Mädchen mit Dr. Höfel und deren Sohn Davin, der zurzeit eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann absolviert. Selbst Jugendlicher und leidenschaftlicher Tänzer spricht er mit seiner Choreografie die Mädchen an. „Wir haben sogar zwischendrin ein bisschen allein geübt, um uns nicht zu blamieren“, gesteht Kathi (17). Und auch, dass sie es fast bedauert, dass sie demnächst nach Hause darf. Ihre Schmerzen haben jedenfalls alle für diese Zeit vergessen. Tanztherapie ist nur ein Ansatz neben tiergestütztem Arbeiten, Qi Gong, Sunmudo-Kampfkunst und anderen Projekten, die im Schmerzzentrum in der Gehfeldstraße bei der interdisziplinären Behandlung zum Einsatz kommen.

Im Vorfeld des „Aktionstages gegen den Schmerz“, der am Dienstag zum siebten Male bundesweit stattfindet, möchte man dazu beitragen, die Öffentlichkeit für dieses Thema zu sensibilisieren. Laut Deutscher Schmerzgesellschaft leiden circa zwölf Millionen. Menschen in Deutschland an chronischen Schmerzen. Tendenz steigend. Oft fehlt es an einer angemessenen Behandlung. Aber es gibt Hilfe, wie für die Kinder und Jugendlichen im Zentrum für Schmerzen des DZKJR in der Garmisch-Partenkirchner Gehfeldstraße.

Margot Schäfer

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