Hier ist Präzision gefragt: Mitarbeiter der TU bei der Vermessung mit dem Laserscanner.
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Hier ist Präzision gefragt: Mitarbeiter der TU bei der Vermessung mit dem Laserscanner.

TU München entwickelt Frühwarnsystem

Felsabstürze in Partnachklamm: Hightech für mehr Sicherheit

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Partnachklamm ist ein faszinierendes Naturschauspiel – und ein Besuchermagnet. Jetzt soll die Schlucht sicherer werden – mithilfe modernster Technik. Ein Team der TU München entwickelt ein Frühwarnsystem, das bei der Gefahr von Felsabstürzen sofort Alarm schlägt.

Garmisch-Partenkirchen – Von einem Geheimtipp kann man im Falle der Partnachklamm nicht mehr sprechen. Denn jedes Jahr besuchen über 350 000 Menschen das imposante Naturdenkmal, das bereits 1912 touristisch erschlossen wurde. Allein heuer im Oktober wurden 38 000 Gäste gezählt, die durch die rund 700 Meter lange und 80 Meter tiefe Enge marschierten. Derzeit ist Garmisch-Partenkirchens Top-Sehenswürdigkeit – wie alle Freizeiteinrichtungen in Deutschland – für die Dauer des Lockdowns geschlossen (wir berichteten). Eine vierwöchige Zwangspause, die für Revisionsarbeiten genutzt wird – und für den Start eines spannenden Wissenschaftsprojekts.

Pilotprojekt wird vom Freistaat gefördert

Ein Team der Technischen Universität (TU) München ist dabei, im Auftrag der Marktgemeinde ein Hightech-Frühwarnsystem einzurichten, das Pilotcharakter besitzt und vom Freistaat gefördert wird. Dabei geht es darum, Felsbewegungen millimetergenau zu erfassen und auf diese Weise drohende Felsabgänge vorherzusagen. Das Ziel liegt auf der Hand: Es soll die Sicherheit der Wanderer und Passanten, die sich in der Schlucht aufhalten, weiter erhöht werden.

Kopf der Unternehmung ist Prof. Dr. Michael Krautblatter, der an der Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt der TU lehrt. Der Geologe ist ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Hangbewegungen – ein Thema, das gerade in Zeiten des Klimawandels immer mehr an Bedeutung gewinnt. Krautblatter kennt das Werdenfelser Land bereits sehr gut. So ist er beispielsweise an Permafrostmessungen auf der Zugspitze beteiligt und betreut zusammen mit seinen Mitarbeitern die Höllentalklamm, wo ebenfalls ein Sicherheitskonzept umgesetzt wird.

„Wir betreiben einen hohen Aufwand“, erklärt der Uni--Professor. Vergangene Woche rückten die Wissenschaftler mit einem Laser- scanner in der Partnachklamm an, um die Felswände genauestens zu vermessen. Aus den insgesamt rund 50 Millionen Messpunkten entsteht am Computer ein dreidimensionales Profilbild – ein Prozedere, das jedes Jahr zweimal wiederholt werden soll. Somit lässt sich ermitteln, ob Felsbereiche instabil geworden sind. Außerdem sollen 2021 hochempfindliche Sensoren hinzukommen, die die kleinsten Veränderungen sofort registrieren und an die TU übertragen. Diese aufwändigen Kontrollmechanismen könnten zwar keine kleineren Steinschläge verhindern, räumt Krautblatter ein. „Das kann immer passieren.“ Aber größere Brocken, die sich in Bewegung setzen, fielen sofort auf.

Und was geschieht dann? Krautblatter setzt auf die „natürliche Dynamik“. Das heißt: Man lässt in der Regel den Absturz zu und räumt anschließend bei Bedarf das Gestein weg. Der entscheidende Vorteil: Der Zeitpunkt des Abgangs lässt sich mit weiteren Messgeräten ziemlich genau einkreisen. Die Klamm kann rechtzeitig für einige Wochen gesperrt werden – und muss nicht ewig lange verschlossen bleiben. Andere Methoden, um die Gefahr zu bannen, überzeugen Krautblatter nicht. Bei schweren Felsformationen komme man mit Netzen nicht weiter. Und eine Betonverbauung passe nicht in ein solches Naturdenkmal. Sein Credo: „Wir wollen die Klamm nicht verändern.“

Wartungsarbeiten während Lockdown-Pause

Während der Publikumspause stehen dort Wartungs- und Bauarbeiten an, damit nach Beendigung des Teil-Lockdowns der Betrieb wieder uneingeschränkt aufgenommen werden kann. Laut einer Pressemitteilung des Rathauses werden derzeit unter anderem Fundamente für die neuen Drehsperranlagen und die Ticket-Automaten an beiden Zugängen geschaffen sowie an verschiedenen Stellen der Weg und das Geländer ausgebessert.

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