Ferdinand Meiler am Steckenberglift.
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Er zieht die letzten Schrauben an: Ferdinand Meiler hält die Anlage am Steckenberg in Schuss.

Absage für neue Wintersport-Idee

Lifte an Familien vermieten: Landratsamt Garmisch-Partenkirchen bleibt bei einem klaren „Nein“

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Sie hatten sich leise Hoffnungen gemacht am Steckenberg in Unterammergau sowie im Nachbarort Oberammergau: Nachdem im nicht weit entfernten Böbing ein Skilift stundenweise an Familien vermieten durfte, wollten die Betreiber dies auch tun. Doch die Landratsämter in der Region (WM, GAP, TÖL) haben sich abgestimmt - und blockieren das Projekt.

Landkreis – Steffi Erhard hatte den Hut in den Ring geworfen. Die Liftbetreiberin aus Böbing im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau vermietete ihre Anlage seit dem Wochenende stundenweise an Familien aus einem Hausstand. Ein Projekt, das im Landkreis auf Gegenliebe stößt. Ferdinand Meiler vom Steckenberglift in Unterammergau sowie Tobias Papistock von den Wankliften in Oberammergau scharren schon mit den Hufen, würden zu gerne mit diesem Konzept loslegen. „Damit wir als kleiner privater Lift wenigstens ein paar Einnahmen haben“, begründet Meiler. Doch daraus wird nichts: Das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen blockt ab.

„Wir machen das nicht“, betont Sprecher Stephan Scharf. Die Kreisbehörden in der Region hätten sich in dieser Frage nun kurzfristig abgestimmt. „Die Tölzer Kollegen und wir haben klar gesagt, dass wir keine solchen Genehmigungen erteilen werden.“ Am Nachmittag reagierten auch die Weilheimer noch –und zogen die Betriebserlaubnis für Böbing zurück. Das letzte Hintertürchen: Es läuft noch eine Anfrage des Landratsamtes bei der Regierung. Doch Scharf macht den Liftbetreibern wenig Hoffnung. „Das wäre eine sehr überraschende Wende.“

Tobias Papistock hat wenig positive Signale vernommen

Tobias Papistock hätte die Wanklifte in Oberammergau gerne geöffnet.

Für Tobias Papistock ist das keine Überraschung. Der Oberammergauer ging schon von einer solchen Reaktion aus. „Ich war da nicht zuversichtlich.“ Schon seit einiger Zeit steht er in Kontakt mit dem Gewerbeamt – positive Signale vernahm er kaum. Papistock kann es nicht nachvollziehen. „Es besteht null Risiko“, betont er. Und er spricht dabei nicht über ungelegte Eier. Im Gegenteil: An den Wankliften herrscht seit einiger Zeit Betrieb für Profisportler. „Die Freestyler und Snowboarder kommen zu uns.“ Papistock betreibt im Ammertal das Snowgau-Team mit Weltcupstarterin Sabrina Cakmakli. Daher die Verbindung zu den Verbänden.

Was mit den Profis und Kadersportlern funktioniert, sei auch für Familien denkbar. Dazu steht Papistock. „Im Schwarzwald läuft die Sache schon länger“, versichert er. „Aber bei uns bekommst du dann zu hören, dass das in Bayern nicht machbar ist.“

Auch Kollege Meiler aus dem Nachbarort sieht in dem kleinen Geschäft eine Chance. Die Bedingungen am Steckenberg seien nahezu perfekt mit sicher 75 Zentimetern Schneeauflage. Meiler könnte sich gut vorstellen, den großen Schlepplift anzuschalten. 150 Euro pro Stunde hat er im Sinn. Etwas mehr als in Böbing, da sind es 110. „Aber unser Lift ist ja mehr als 500 Meter lang.“

Viele Anrufe bei den Liftbetreibern im Ammertal

Nicht wenige Interessierte haben schon bei Papistock und ihm angerufen. „Das spricht sich schnell rum“, betont Meiler. Von den Kollegen am Bromberg weiß er, dass sie für das vergangene Wochenende am Freitagabend schon ausgebucht waren, obwohl die Zeitung noch nicht darüber berichtet hatte. „Alles allein über Facebook.“ Wie es heute so üblich ist, musste sich Meiler auch schon einige unverschämte Sprüche anhören. „Nach dem Motto: ,Seid’s Ihr zu g’stinkert, dass Ihr Euren Lift aufsperrt‘. So ein Gerede kommt dann auch immer schnell auf.“ Doch das ist Meiler definitiv nicht. Vielmehr steht er Gewehr bei Fuß. Gestern Nachmittag, als der Schneefall nach 30 Stunden aufhörte, war er schon wieder am Berg, um alles in Schuss zu halten. „Wir könnten sofort loslegen“, stellt er klar.

Auch hygienetechnisch sieht er keine großen Bedenken. „Das könnte man mit dem Gesundheitsamt genau abklären.“ Das Thema Maske im Lift etwa. Da die Skifahrer sowieso mit Handschuhen bekleidet sind, müssten die Bügel nicht ständig desinfiziert werden. Aber: Meiler wäre offen für vieles.

Landkreis verweist auf Gleichberechtigung und Infektionsschutz

Doch zur Öffnung wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kommen. Scharf macht nochmals den Standpunkt des Landratsamtes deutlich. „Wir sehen solche Ausnahmegenehmigungen sehr kritisch.“ Der Freistaat tue derzeit alles dafür, dass die Menschen nicht unterwegs seien und Skifahren. „Einen Lift zu öffnen, würde im Grunde alle Anstrengungen im Infektionsschutz ad absurdum führen.“ Zudem gehe es auch um soziale Gerechtigkeit: „Es wäre ein komisches Zeichen, es zu erlauben, dass Leuten, die genug Geld haben, nun Skifahren können.“

Skeptischer als seine Kollegen sieht Klaus Wurmer vom Luttensee in Mittenwald das Thema Liftöffnung. Er vermutet einen immensen Verwaltungsaufwand für einen sicheren Betrieb in diesem kleinen Stil. „Da ist dann schon fraglich, ob das im Verhältnis zum Ertrag steht, wenn ich dann 150 Euro pro Stunde bekomme. Das kostet mich eine Stunde mit der Raupe.“ Er erlebt derzeit durch militärische Ausbildungen der Bundeswehr an seinem Hang, wie schwierig Skifahren im Infektionsschutz tatsächlich ist. „Und die bringen alle ihre Schilder und Absperrungen selbst mit“, merkt Wurmer an. Natürlich würde er sich über eine Öffnung freuen, „aber sie muss Sinn machen im Lockdown“.

Eine klare Meinung vertritt Peter Imminger (CSU) in dieser Frage. Die Gemeinde Oberau betreibt am Rabenkopf ihren Skilift – wie die Nachbarn in Farchant am Ried. Für den Bürgermeister kommt ein Betrieb für einzelne nicht in Frage. „Wenn wir aufmachen, dann nur für alle Skifahrer.“ Kollege Christian Hornsteiner (CSU) aus Farchant macht deutlich: „Da müssten wir das ganze Gelände absperren, für uns ist das nicht interessant.“

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